Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 12 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- Seite 154 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Das Jüdische Echo Nr. 12 Oberkoinmissars, Sir Herbert Samuel, ein Komitee gebildet zur Wahl von zwei Oberrabbinern für Palästina. Alle Parteien entsandten Mitglieder in dieses Komitee. Nur die Führer der Agudas Jisroel — Rabbiner Diskin und Sonnenfeld — nahmen an den Wahlen nicht teil. Letztere ersuchten den Oberkommissar, ihre Gemeinde als separate Gemeinde, die in keiner Beziehung mit der allgemeinen Gemeinde Palästinas in Verbindung steht, anzuerkennen. Ihre Bitte wurde von Sir Herbert Samuel abgeschlagen. Es wird berichtet, daß die Rabbiner daraufhin erwiderten, daß die Frage der Organisierung des Rabbinats nicht im Bereiche des Oberkommissars läge, und daß die Botschaft des Königs, die der Oberkommissar gleich nach seiner Ankunft im Lande verlas, nichts davon erwähnte, daß dies zu den Aufgaben des Oberkommissars gehöre. Sir Herbert Samuel erwiderte mit seiner üblichen, Ruhe, daß, obgleich diese Angelegenheit ihm nicht unterstände, es ihn doch freuen sollte, sie befriedigend regeln zu können. Dieser Zwischenfall erregte allgemeines Aufsehen in orthodoxen Kreisen, und einige Gesuche, von Rabbinern und Lehrern unterschrieben, wurden dem Oberkommissar zugesandt, ihn bittend, die Bemerkungen der Rabbiner Diskin und Sonnenfeld nicht ais die allgemein herrschende Ansicht der Orthodoxie zu betrachten und sein Wirken zum Wöhle der jüdischen Gemeinde fortzusetzen. Anleihen und Darlehen. Die Herausgabe der Palästina-Anleihe erfolgt unmittelbar nach der Bestätigung des Mandats durch den Völkerbund. Hauptzweck der Anleihe ist: Entwicklung des Bahnwesens, Verbesserung im Post-, Telegraphen- und Telephonwesen, Wegebauten, Hafenverbesserung, Vermessung des Bodenbesitzes, Bauten zu Regierungszwecken und kommunale Ausgaben, wie Waisen Versorgung, Wegebauten und dergl. Man erwartet, daß die Verzinsung der Anleihe im wesentlichen durch die Erträge dieser Anlagen ermöglicht wird. — Die zionistische Kommission hat die Gewährung von Darlehen an neu eingewandertc kleine Kaufleute und Kleingewerbeleute beschlossen. Die Darlehen dürfen den Betrag von 50 Pfd. St. nicht überschreiten und werden durch einen Kredit der Anglo-Palestine Company von 6000 Pf. St., für den die zionistische Organisation die Garantie bis zu 33 Prozent übernimmt, ermöglicht. Ein ähnliches Arrangement wurde mit der Kufath Am (Volksbank) getroffen. Rabbinerkonferenz. Auf der Schlußsitzung der ersten Rabbinerkonferenz Palästinas, welche aus 71 Rabbinern und 25 Laien bestand und ein Appellationsgericht für die jüdische Rechtssprechung wählte, wurde in einer enthusiastisch begrüßten Resolution, der Zionistischen Organisation der Dank für ihre politische Tätigkeit ausgesprochen und die energische Propaganda für den Keren Hajessod verlangt. (ZK.) Unterkunftsmöglichkeiten. Die augenblicklichen Unterkunftsmöglichkeiten für 500 Einwanderer in Jaffa und 350 in Haifa sind völlig unzureichend. Die palästinensische Regierung plant die Errichtung eines großen Einwandererlagers in Jaffa, das allerdings erhebliche Kosten erfordert. Es soll als Empfangsstation für alle Personen dienen, die in Palästina ankommen, sowohl für Einwanderer, wie auch für Reisende und für Pilger. Von jedem Ankömmling müßten, um einigermaßen die Kosten zu decken, pro Kopf etwa 30 türk. Piaster (6 sh) erhoben werden. Die Bildung von Verteidigungsbataillonen in Palästina. Die Regierung hat die Bildung von zwei aus je 600 Mann bestehenden Bataillonen zu Verteidigungszwecken in Angriff genommen. An der Spitze des Nordbataillons, das sich vorwiegend aus jüdischen Soldaten rekrutiert, steht Oberst Margolin, ehemaliger Kommandant der jüdischen Legion, während das für den Süden Palästinas bestimmte Bataillon vorwiegend arabisch sein wird. Beide Bataillone sind dem Kommando des Generals Lastelik unterstellt. Die Dienstdauer beträgt bloß ein Jahr, die Ergänzungsaushebungen sollen jedes halbe Jahr vorgenommen werden. Persien. Judenverfolgungen. Wie das Jüdische Korrespondenz-Büro meldet, ist die Lage der Juden in Persien jetzt sehr traurig. Besonders in Hamadan sind sie grausamen Verfolgungen fanatischer Gruppen ausgesetzt. Die Ermordungen von Juden gehört nicht mehr zu den Seltenheiten, ohne daß etwas zur Ergreifung und Bestrafung der Mörder getan worden wäre. Auch wo die Täter bekannt sind — und viele machen daraus kein Hehl, daß sie einen Juden ermordet haben — geschieht ihnen nichts, da unter dem Volke die merkwürdige Ansicht herrscht, daß ein Mohammedaner wegen der Ermordung eines Juden nicht zum Tode verurteilt werden könne. Personalia Rabbiner D. Ferdinand Rosenthal, Breslau. Am 5. März starb hier iim Alter von 83 Jahren Rabbiner D. Ferdinand Rosenthal, der über ein Mienschenalter Führer der konservativen Richtung in der Breslauer Gemeinde war und als Gelehrter und Forscher weit über Breslau und Deutschland hinaus einen hervorragenden Ruf hatte. Ein guter und edler Mensch, stets hilfsbereit, ein Berater und Helfer für viele, viele notleidende Brüder, die Breslau passierten und immer ihren Weg zu ihm nahmen. Seine Gegnerschaft galt allem, was das Judentum zu zerstören drohte; seine Arbeit allem, was ihm förderlich schien. So stand er auch uns überaus nahe, wenn er auch Bedenken trug, sich uns in aller Form anzuschließen. Aber während er in früheren Jahren zu sagen pflegte: „Der Messias muß sein Kommen beeilen, sonst trifft er keine Juden mehr an“, gab er später immer wieder dem Gedanken Ausdruck, daß der Zionismus ihm die Gewähr für die Erhaltung des Judentums gebe. Sein Andenken wird auch bei uns fortleben. Abraham Grünbaum gestorben. Eine für die deutsche Judenheit schmerzliche Kunde kommt aus dem heiligen Land. Abraham Grünbaum, der Führer der Gesetzestreuen in Nürnberg, ist dort gestorben. Im Auftrag der Agudas Isroel hatte er sich vor wenigen Wochen nach Palästina eingeschifft, um Not und Elend zu lindern. Er ruht jetzt dort in geweihter Erde. Wir behalten uns vor, die Bedeutung Abraham Grünbaums als eines der Vorkämpfer der bayerischen Orthodoxie und seine umfassende Tätigkeit für allgemein-jüdische Zwecke eingehend zu würdigen. Der Verein Adas Isroel in Nürnberg bereitete seinem 2. Vorsitzenden am letzten Montag in seiner Synagoge eine würdige Trauerfeier, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Klein in meisterhafter Rede die Persönlichkeit Abraham Grünbaums schilderte. Im Anschluß daran fand eine weitere Feier in dem dichtbesetzten Saal des Kultur-