Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 12 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- Seite 153 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 153 Nach nicht-authentischen Mitteilungen sollen ferner gewählt sein: in Mittelfranken: 16 Abgeordnete der lib.-orth. Kompromiße, 5Voikspartei; Oberpfalzu.Niederbayern: 1 Kompromiß-Liste gewählt (288 Reststimmen); Rheinpfalz: 11 Kompromiß-Liste. Da mindestens 5 Abgeordnete auf Grund der Landeslisten gewählt werden dürften, kann man die Zahl der Abgeordneten zur Tagung auf zirka 76 schätzen. Für die Wahlen in Unterfranken hat Hr. Seminaroberlehrer Stoll sehr übersichtliche Tabellen gefertigt, die die Ergebnisse jeder einzelnen Gemeinde ersehen lassen. Wir bringen nachstehend die den Tabellen beigefügte Zusammenstellung: *) Aschaff enburg: a) Stadt 900 412 221 54% b) Land 911 640 538 84% Burgpreppach: 812 533 497 93% Kissingen: a) Stadt 303 215 154 71% b) Land 1511 1048 935 89% Kitzingen: a) Stadt 450 300 212 71% b) Land 671 459 407 89% Schweinfurt: a) Stadt 427 323 264 81% b) Land 959 677 605 89% Würzburg: a) Stadt 2550 1495 922 62% b) Land 1160 799 622 78% Insgesamt: 10654 6901 5377 78% Insgesamt wurden in Unterfranken aufgrund der Kompromiß-Liste folgende 17 Abgeordnete für die Tagung gewählt: Dr. Moses Hommel, Justizrat, R.-A., Schweinfurt; Jakob Stoll, Seminaroberlehrer, Würzburg; Dr. Gerson Haas, Justrzrat, R.-A., Würzburg; Dr. Salomon Stein, Distriktsrabbiner, Schweinfurt; Eduard Sonder, Weinhändler, Kitzingen; Fritz Levy, Kaufmann, Aschaffenburg; Dr. Kossy Silber Schmidt, Rechtsanwalt, Kissingen; WolfFränkel, Kaufmann, Karlstadt; Ludwig Lazarus, Buchhändler, Würzburg: Samuel Mayer, Fabrikbesitzer, Aschaffenburg; Moses Reus, Kaufmann, Hofheim; Ignaz Hirsch, Fabrikant, Schweinfurt; Samuel Pfeuffer, Kaufmann, Würzburg; Salomon Weinberg, Weinhändler, Marktbreit; Ferdinand Heß, Kaufmann, Würzburg; Dr. Karl Rosenthal, Rechtsanwalt, Wiirzburg; Simon Brückheimer, Lehrer, Marktbreit. Die in Mittelfranken gewählten 5 Kandidaten der Volkspartei sind, nachdem der Listenführer Herr Abraham Grünbaum leider verstorben ist, die Herren Dr. Isaak Bamberger, R.-A. Julius Sinauer. Kaufmann Leo Katzenberger, Kaufmann Leopold Birnbaum-Fürth, Syndikus Dr. Meinhold Nußbaum-Niirnberg-Ebensee. In Oberfranken wurde der Kandidat der Volks partei, Herr Bankier Julius Wassermann, gewählt. Auf die Landesliste der V olkspartei wurden gewählt die Herren Julius Strauß- Bamberg, Karl Glaser-Nürnberg. Die Jüdische Volkspartei zieht demnach mit 12 Abgeordneten in die Tagung ein. Da sie nur in 3 Wahlkreisen Listen aufge¬ *) Von den 4 Rubriken bedeutet die erste die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung,* die zweite die Gesamtzahl der Wahlberechtigten, die dritte die Zahl der abgegebenen Stimmen, die vierte den Prozentsatz dieser Stimmen im Verhältnis zur Zahl der Wahlberechtigten. stellt hatte, während ihr dies in den übrigen Kreisen infolge der seltsamen orthodox-liberalen Blockpolitik nicht möglich war, ist der Erfolg immerhin recht beachtenswert. Infolge dieser Taktik dürfte allerdings, soweit sich bisher übersehen läßt, die liberale Richtung, die sich hauptsächlich auf die Wähler in den Großstädten stützt, zahlenmäßig eine Mehrheit in der Tagung besitzen. Ob wohl die Orthodoxen in Unterfranken, in Fürth und den mittelfränkischen Landgemeinden an diesem Ergebnis ihrer Wahlpolitik viel Freude haben werden? Abschiebung und Internierung der Ostjuden in Deutschland. Amtliche Zifiem. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Mumm (Deutschnat.), welche Maßnahmen auf Grund des Reichstagsbeschlusses im Sommer wegen Abschiebung der Ostjuden ergriffen worden seien, wobei die Angabe von Ziffern gefordert und auf das Vorbild Österreichs verwiesen wurde, antwortete im deutschen Reichstag als Vertreter der Regierung Ministerialrat Hering, daß das Reich nach Kräften bemüht sei, der unerlaubten Einwanderung durch Paßvarschriften ~und Fremdenpolizei entgegenzutreten. Eine Massenabschiebung unerlaubt Eingewanderter scheiterte aber an dem Widerstand der polnischen Behörden. Verhandlungen mit Polen über diesen Gegenstand seien im Gange. An der Ostgrenze sind 1920 11 453 Personen wegen unerlaubten Grenzübertritts verhaftet, 6169 wieder über die Grenze abgeschoben, von dem Rest wurden 1500 aus polnischen Gefangenenlagern entwichene Kriegsgefangene oder Deserteure in Internierungslager abgeschoben, die übrigen sind teils den Gerichten, teils den jüdischen Fürsorgeorganisationen übergeben worden. Für die vorläufige Internierung solcher fremdstämmigen Ausländer, deren Abschiebung noch nicht durchführbar, sind mehrere Lager eingerichtet, in dem Lager bei Stargard in Pommern liegen 2700 solcher Personen. Aus der jüdischen Welt Palästina. Die Einbürgerung in Palästina. Der Waad Iiazirim erließ einen Aufruf an alle Juden, die seit dem 1. September 1920 nach Palästina eingewandert sind, sich ehestens um die Einbürgerung zu bewerben. In Kürze soll ein Gesetz in Kraft treten, das ihnen die Möglichkeit gibt, das palästinensische Bürgerrecht zu erwerben. Alle neu Eingewanderten mögen sich also beeilen, sich in den Immigrations- und Reiseämtern der Regierung in Jerusalem, Jaffa und Haifa eintragen zu lassen, zwecks Erlangung des ersten Einbürgerungs- Zertifikates. Dieser Schritt sei von großer Wichtigkeit, da er dokumentiere, daß der Einwanderer seine frühere Staatsangehörigkeit aufgeben und das palästinensische Bürgerrecht erwerben wolle. Durch diese Registrierung und das daraufhin erteilte Zertifikat werden die Einwanderer als Söhne ihres neuen Vaterlandes und nicht mehr als Fremde, die in diesem Lande noch nicht fest Wurzel gefaßt haben, legitimiert. Es sei also Pflicht des Einzelnen gegenüber der Nation, der Regierung und gegen sich selbst, ehestens unter Beibringung von zwei Photographien um das erwähnte Zeugnis einzukommen, (J.P.Z.) Die Aguda gegen Samuel. (J.C.B.) Wie bereits bekannt wurde auf besonderen Wunsch des