Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 12 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- Seite 151 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9144810--03986-9076811- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 12 Das Jüdische Echo! 51 David Ycliin, als Vorsitzender des Waad Ha'fr, eröfinete die Sitzung und sprach im Namen Palästinas Mond und Weizmann den Dank aus für die Ermunterung, die sie Palästina in dieser schweren Zeit gebracht haben. Unter tosendem Beifall erhob sich Mond, um das Wort zu folgenden Ausführungen zu ergreifen: Die Rede Monds. „Ich ergreife diese letzte Gelegenheit meines letzten öffentlichen Auftretens, um Palästina meinen wärmsten Dank für die Liebenswürdigkeit und das Vertrauen auszusprechen, das mir hier in diesen wenigen Tagen entgegengebracht wurde. Herr Yellin bat mich, dem Haupt unserer Regierung, Herrn Lloyd George, ihren Segen und ihren Dank zu übermitteln. Ich weiß, daß es ihm große Freude machen wird. Wir haben in Lloyd George den besten Freund unserer großen Bestrebungen. Und nun, meine Herren, bitte ich Sie, lassen Sie keine Furcht in Ihren Herzen auf kommen, haben Sie Mut und Zuversicht. Keine Propaganda und kein Protest irgendeiner Nation, Konfession oder Gemeinde werden auch nur einen Deut an der in San Remo durch die britische Regierung mit Zustimmung der übrigen Großmächte angenommenen Resolution ändern. Der zionistische Traum ist zu einer unverrückbaren Tatsache geworden. Man hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß eine hiesige Zeitung („Doar Hajom“ — Anm. d. R.) einen offenen Brief an mich gerichtet hat in dem die zionistische Leitung einer strengen Kritik unterzogen wird. Ich bin für die zionistische Leitung nicht verantwortlich und möchte hier davon nicht sprechen. Ich halte es aber für meine Pflicht, meine Antwort hierauf offen zu erteilen. Ich habe unter Ihnen Männer gefunden, die unserer großen Arbeit ihre ganze Energie, ihre ganze Seele und ihr ganzes Leben geopfert haben. Wie können Sie sich also über sie beklagen? Man muß sich vor einer solchen Kritik hüten. Haben wir denn unter uns begabtere Männer, die mehr Liebe, mehr Hingebung und mehr Arbeitsfähigkeit besitzen, als diese? (Das Publikum bricht bei diesen Worten in stürmische Beifallskundgebungen aus, und man hört Rufe: „Jechi Ussischkin“). Wir brauchen eine Einigung der Kräfte. Wir dürfen die unheilvollen Fehler nicht wiederholen. Wir müssen alle Zwistigkeiten vermeiden und uns in der Arbeit vereinigen, um stark zu sein. Ich gehe jetzt nach England und werde dort die nötigen Kräfte organisieren. Die Arbeit ist sehr umfangreich. Die Elektrifizierung des Landes wird sehr bald durchgeführt werden. Wir müssen die finanzielle Lage studieren. Wir müssen das Weltjudentum auffordern, die Arbeit in Palästina aus innerem starken Drange zu fördern. Unser Heiligtum muß als ein ewiges Gebäude, das auf festem Fundament ruht, aufgerichtet werden. Wir sind ein trotziges Volk, zäh in unserem Streben und in unserer Arbeit. Wir werden unsere Hoffnungen nicht aufgeben und uns nicht von einer plötzlichen Ungeduld übermannen lassen. Wir sind ein Volk von 14 Millionen, das über die ganze Weit verstreut, aber von einer gemeinsamen Hoffnung beseelt ist. Ich bin sicher, daß die Juden alles hergeben werden, um die nationale Heimstätte zur Tatsache werden zu lassen. Wir sind ein Kulturvolk, das Volk der Propheten und Dichtung, und werden bei all den großen Werken, die wir aufzubauen haben, auch unsere große Kultur wieder aufbauen, die den anderen Völkern als Leuchte dienen und die ganze Welt an die heiligsten jüdischen Ideale erinnern wird. Nur wenn wir auch unsere Kultur aufbauen, wird unser Erfolg sicher sein. (Minutenlanger Beifall und laute „Hedad“- rufe.) Nachdem Yellin ein Begrüßungsschreiben von Rabbiner Kuk verlesen hat, erhebt sich Dr. Weizmann, der von den Anwesenden mit stürmischem Jubel empfangen wird. Die Rede Weizmanns. Er spricht zuerst über die Grenz- und Maudatsfrage, wobei er die bereits bekannten Bestimmungen mitteilt. Dann fährt er fort: Wir haben es, wie mir scheint, mit zwei Strömungen zu tun. Die eine Richtung kritisiert die zionistischen Führer und behauptet, daß wir bis jetzt nichts oder sehr wenig erreicht hätten, daß dieses Mandat keine Grundlage sei, daß man einen vollständigen Judenstaat verlangen müsse. Die Vertreter dieser Richtung verkennen die Kluft, die zwischen einer Forderung und ihrer Annahme liegt. Ferner, wenn man uns auch den vollständigen Staat anbieten würde, würde das noch immer nur eine Formel für einen Staat sein, aber kein wirklicher Staat. Man schafft keinen Staat durch Dokumente und Befehle, nur jüdische Arbeit kann einen jüdischen Staat zur Tatsache mache n. Die zweite Richtung geht von einem entgegengesetzten Gesichtspunkt aus. Die Politik sei jetzt zu Ende, jetzt beginne die Tat, und das sind — gute Geschäfte. Also, ein Zionismus mit beschränkter Haftung. Auch dieser Zionismus der Formel, aber keiner politischen, sondern einer B u s i n e ß - F o r m e 1. Jene Richtung will einen Apparat für Forderungen, diese einen Apparat von Handelsgesellschaften, aber beide Richtungen glauben nicht an das Volk und seine inneren Kräfte. Beide sind Götzendiener, die einen dienen dem Götzen der Politik, die anderen dem goldenen Kalbe. Wenn heute nach vierzigjähriger Arbeit, nach solchen Opfern an Energie und Leben für unser großes Ideal manche von uns Götzen dienen, so zwingen sie uns, die Bundestafeln zu zerbrechen.... Gewiß braucht die Zionistische Organisation neue Kräfte, gewiß brauchen wir Fachleute. Wenn wir aber nur mit Fachleuten begonnen hätten, wären wir nie so weit gekommen, denn Fachleute sind keine Schöpfer einer Volksbewegung. Die Schöpfer einer Volksbewegung sind eine treibende Kraft. Sie kommen aus dem Volke, sie kennen die Seele des Volkes und reißen das Volk und die Fachleute mit sich. Die neuen, die zu uns kommen, geben uns sehr viel, sie bekommen aber auch von uns sehr viel. Wir beginnen unsere Arbeit in einer schweren Zeit, während einer Weltkrise. Das russische Judentum ist vernichtet, dafür hat uns aber Gott in Amerika ein neues russisches J u - dentu m erstehen lassen, und dieses wird unsere Habe eine Zahnpra^cis eröffnet München; Baaderplatz 1/i Eingang Kohlstrasse H. ULLMRMM; DENTIST früher Nürnberg / Spez. Laboratorium für feine Zahntechnik fachmännische, Individuelle persönliche Behandlung