Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 12 (25.3.1921)
- Date
- 1921-03-25
- Page
- Seite 150 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Das Jüdische Echo Nr. 12 Man trete an uns heran. Man verhandle mit uns. Man möge ruhig erklären, daß „man vom politischen, nationalen, völkischen Standpunkt aus den Zionismus ablehne.“ Wir werden demgegenüber unseren Standpunkt wahren. — Uns gälte es als ausreichend, wenn man wie Sie, sehr verehrter Herr Doktor, feststellen würde, „daß man am religiösen Moment, das im Zionismus enthalten ist, nicht vorübergehen könne,“ und wir freuen uns, daß für Sie dies religiöse Moment „Palästina“ heißt. Ist nicht auch für uns Erez Israel „das Land der religiösen Vergangenheit und der religiösen Zukunft“? Glauben nicht auch Viele von uns, daß, „wenn ein zentrales jüdisches Leben im heiligen Lande wieder erblühen wird, dann wie auf allen Gebieten, auch auf dem religiösen, der große Gedanke der Entwicklung seine Triumphe feiern wird“, der, das ist auch meine Überzeugung, sich nirgends stärker und mit größerem Rechte durchsetzen könnte, als auf dem Boden, den der Fuß der Propheten geweiht: hat? Das freilich sei gesagt: von welchem Standpunkt aus die Diaspora auch Palästina aufbauen wird, der Aufbau selbst wird ein nationaler sein. Wir brauchen weder Araber noch Engländer jüdischen Glaubens im jüdischen Lande. Die jüdischen Menschen dort werden nichts als Juden sein. — Das soll weder Sie, sehr geehrter Herr Doktor, noch irgend jemand sonst hindern, ein guter deutscher Staatsbürger zu sein wie bisher, auch wenn Sie nach Kräften am Aufbau mitgearbeitet haben sollten. — Nun noch zur Frage des philanthropischen „Aufbaus“. Auf einer Versammlung in Nürnberg, der Sie, sehr geehrter Herr Doktor, leider nicht beiwohnten, hat Herr Kurt Blumenfeld überzeugend dargelegt, daß man wohl aus humanitären Gründen mitarbeiten, daß aber niemand Wohltätigkeit als Grundlage jüdischen Lebens in Erez Israel wünschen könne. Sie werden unzweifelhaft mit uns auf eine Ausdehnung des Galuth auf Palästina verzichten und ebenso wie wir eine geringe Sympathie für einen Staat der Schnorrer haben. Wir fassen zusammen: Der Zionismus wird ein Bündnisangebot nicht leichthin abweisen. Er verleugnet nichts, gibt nichts von seinen Forderungen, nichts von seiner Artung auf, erkennt aber das Recht der Gegenseite auf gleiches Verhalten an. — Wir sind verhandlungsbereit — und werden uns weder in der Ostjudenfrage, noch in der Frage der Volksschule, noch schließlich in der des Palästinaaufbaus daran stoßen, daß Ihre Motive von den unseren abweichen, wenn Sie wie wir nur gleicherweise positive Lösungen wünschen. — Denn gemeinsam ist und bleibt uns ja der Wille zu jüdischer Zukunft. Genehmigen Sie, Herr Doktor, die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung Karl Glaser. Die provisorische Umbildung der Exekutive. Offizielles Communique. Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Vorsitzende der Exekutive veröffentlichen folgende Erklärung: Die Herren Julius Simon und Nehemia de Lieme hatten als Mitglieder der Exekutive gegen Ende des vorigen Jahres resigniert, weil innerhalb der Leitung Meinungsverschiedenheiten in prinzipiellen Angelegenheiten bestanden, sie hatten sich aber bereit erklärt, die Geschäfte bis zur nächsten Sitzung des Großen Actions-Comites, die auf den 13. Februar ds. Js. angesetzt war, weiterzuführen. Da diese Sitzung nicht zustande kommen konnte, weil entsprechend den Wünschen der amerikanischen Mitglieder die Mehrzahl der Mitglieder des Actions-Comites Verschiebung der Sitzung beantragte, sahen sich die Herren Simon und de Lieme veranlaßt, mit dem 1. März von der Leitung zurückzutreten. Damit tritt Herr Simon auch von seiner Funktion als Vertreter der Exekutive im Keren Hajessod zurück. Um diie Fortführung der Geschäfte bis zum Kongreß zu ermöglichen, wurden die Herren Joseph Cowen, Wladimir Jabotinsky und Richard Lichtheiim eingeladen, provisorisch an den Arbeiten der Leitung teilzunehmen. Die genannten Herren haben sich hierzu bereit erklärt und ihre Ämter übernommen. Der provisorischen Exekutive in London werden außer Herrn Ussischkin, der bereits Mitglied der Exekutive ist, die Herren Dr. Ruppin und Dr. Eder ungegliedert. Diese drei Herren bilden zusammen mit zwei von der Assefath Haniwcharim oder vom Waad Haleumi zu delegierenden Vertretern des Jischuw die Zionistische Kommission, die eine kollegiale Behörde gleichberechtigter Mitglieder unter gleichzeitiger Verteilung von Ressorts darstellt und dem Actions- Comite der Zionistischen Organisation verantwortlich ist. Die Kommission wird sich ihren Vorsitzenden wählen. Zur Regelung der finanziellen Angelegenheiten der Organisation wurde eine Finanz- und Budgetkommission gebildet, welche aus den Herren Naiditsch, Cowen und Sieff besteht. Die getroffenen Maßnahmen werden dem Großen Actions-Comite bei dessen nächster Sitzung, Ende Mai oder Anfang Juni, zur Bestätigung unterbreitet werden. Der Zionlsten-Kongreß wird entsprechend dem Beschluß der Jahreskonferenz hierdurch auf August einberufen. Über Ort und genauen Termin wird baldigst nach Verständigung mit den Mitgliedern des Großen Actions-Comites, den Landes- und Sonderverbänden Mitteilung gemacht werden. London, den 11. März 1921. Chaim Weizmann, Nahum Sokolow. Mond und Welzmann für den nationalen und kulturellen Zionismus» •Am Sonntag, den 30. Januar, fand im Waad Hai'r in Jerusalem eine Abschiedsfeier zu Ehren von Dr. Weizmann und Mond statt. Im großen Saale der Lemel-Schule fanden sich über 500 aus allen jüdischen Kreisen geladene Gäste ein. ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise üode Nport W. Brauns Cie., Miinclien Neuhauser*tr. 151, gegenüber der alten Akademie