Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 10 (11.3.1921)
- Date
- 1921-03-11
- Page
- Seite 128 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9144807--03961-9076786- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
128 Das Jüdische Echo Nr. 10 rend des Propheten, damit er leere mit ihnen den bereitgestellten Kos schel Elijahu: L’schonoh habooh bijruscholojim. Und er ging vor das Haus des Einen. Sieh da, die Tür war geschlossen und niemand öffnete, so sehr er auch pochte. Kein Seder war gerüstet im Hause und das Haus war wie tot. Und er ging weiter zum Haus eines anderen der Oberen. Geschlossen war auch hier die Tür. Er pochte. Und ein Mädchen öffnete, sah ihn an, lief hinein in ein Zimmer, und der Fremdling hörte es drinnen sprechen, und in sein Ohr klangen Worte wie Pollak und Schnorrer. Da kam heraus der Herr des Hauses, trat hin zu dem Fremden, der stand an der Tür, und fragte, wer er sei und was sein Begehr. Der antwortete: „Elijahu Tischbi bin ich und komme von weiter Reise. Wichtige Nachricht bringe ich für die Kehilloh.“ Jener erwiderte: „Bedauere, Herr Tischbi, in Gemeindeangelegenheiten ist Sprechstunde erst wieder nach den Feiertagen in der Gemeindekanzlei. Dort bin ich zu sprechen, hier ist die Privatwohnung, und außerdem bin ich abends in jüdischen Angelegenheiten nicht tätig.“ Das Kind des Mannes aber stand dabei und faßte Mitleid in seinem Herzen mit dem weißhaarigen müden Fremden. Es lief in die Kammer und holte ein Stück Brot, gebacken aus feinem Weizenmehl und reichte es ihm. Elijahu nahm es und dachte in seinem Sinn: „Gesäuertes ist es. Aber du gibst es aus jüdischem Herzen, armes Kind des Reichen.“ Und er dankte dem Kind und ging von dannen. Als um waren die Feiertage, da machte sich auf der Prophet und ging an den Ort, allwo die Ratsmänner und Beamten die Angelegenheiten der Kehilloh lenkten. Und er redete zu ihnen, daß wiedereröffnet sei dem jüdischen Volk die Rückkehr nach Erez Israel: mit ins Werk setzen sollte die Kehilloh das große Unternehmen, aufrufen sollte die Verwaltung die Männer der Stadt zu einer großen Feier und zu großen Spenden für die Wanderer und. Einer der Männer, die dort saßen, fiel ihm ins Wort imd sprach zu ihm, ihn ansehend wie ein Fremder einen Fremden: „An falscher Stelle sind Sie, Herr Tischbi, Deutsche sind wir mosaischer Konfession und wir verwalten gemäß den Gesetzen dieses Landes Dinge des jüdischen Kultus. Kein Geld ist in unseren Kassen für jüdische Menschen und jüdische Dinge in anderen Ländern. Nicht wohl klingt unseren Ohren und gefährlich dünkt uns für den Ruf der Gemeinde Ihr Reden von jüdiptlfED“ y jübb WW EäR BUCHHANDLUNG, MÜNCHEN Wagmüllerstr. 19, Ecke Galeriestr. / Tel. 22045 Allgemeine Literatur Judaica undHebraica Jiddisch PURIM-GESCHENKE Alle wichtigen Neuerscheinungen auf Lager Samstag geschlossen schem Volk und jüdischem Land. Gehen Sie damit zu Ihresgleichen, den Zionisten!“ Elijahu wandte sich und ging. Und er schrie auf zu Gott und sprach: „Mein Herr, mein Herr! Nimm von mir Deinen Auftrag, denn zu schwer ist er für mich, ich kann ihn nicht erfüllen. Starr wie Stein sind die Herzen jener, abgefallen sind sie von Dir und fremden Göttern hangen, sie an. Dem Mammon dienen sie und nennen es Gottesdienst. Furcht haben sie vor dem Urteil der Menschen und nennen es Gottesfurcht. Ein totes Glied ist am Leib Deines Volks Deine Kehilloh Laudorf. Da sprach der Herr: „Nicht also sprich mein eifervoller Knecht Elijahu! Heran rückt die Zeit und es endet die Gewalt der Gemeinde-Obern in Laudorf. Aufgerufen sind die Männer der Gemeinde, zu ernennen sich neue Obere, die lenken sollen ihre Geschicke. Mein Volk hat die Wahl. Wählen können sie, Heil oder Untergang. Auf, mein Knecht, geh’ abermals hin nach Laudorf, hilf meinem Volk und weis ihm den rechten Weg.“ Und es war um die Zeit der Wahlbewegung in Laudorf. Da machte Elijahu sich auf dorthin. Und er trat vor die Beamten, die da rüsteten die Wahl. Und er sprach zu ihnen also: „Nehmt auf mich in die Zahl der Männer, die gewählt werden sollen von der Kehilloh, zu lenken ihre Geschicke“. Jene fragten: „Wie ist Ihr Name und wo und wann sind Sie geboren?“ „Elijahu Tischbi heiße ich, aus Gilead bin ich und vor zwölf mal zwölf Geschlechtern bin ich geboren.“ Da fragten jene: „Was ist Ihr Beruf?“ „Reisender bin ich im Auftrag der Gesellschaft ,Klal JisroeT.“ Und weiter fragten jene: „Welchem Staat gehören Sie an?“ „Bürger bin ich des alten Judenstaates und — so Gott es will — des künftigen.“ Da entgegneten jene: „Herr Tischbi, Ausländer sind' Sie, nicht wählbar in unserer Gemeinde nach deren Satzungen.“ Der Prophet erwiderte: „So ändert Eure Satzungen! Ist Elijahu Tischbi, der Prophet, nicht würdig Parnes zu sein in irgend einer jüdischen Kehilloh?“ Doch jene sprachen: „Gott sei davor, daß nichtdeutsche Juden verhandeln als Vertreter der Kehilloh mit deutschen Behörden. Und fern bleibe von unserer Gemeinde die Gefahr, daß Steuergelder deutscher Staatsbürger für ausländische Zwecke verwendet werden.“ Da sprach der Prophet: „So nehmt mich denn auf in die Zahl der Wähler, auf daß ich wenigstens meine Stimme gebe wackeren Männern.“ Jene fragten: „Wo ist Ihr Wohnsitz?“ Er sprach: „Wanderer bin ich seit langen Geschlechtern und keinen Wohnsitz nenne ich mein eigen.“ Da ward ihm entgegnet: „Berechtigt zu wählen sind nur Männer, die 5 Jahre in Laudorf wohnen. Wenn Sie, Herr Tischbi, 5 Jahre unter uns geweilt haben werden, vertraut sich gemacht mit den Sitten der Stadt, sich angepaßt haben unseren Gewohnheiten, dann dürfen Sie wählen.“ Da erschrak der Prophet und er sprach zu Gott in seinem Herzen: „Mein Gott, mein Gott, 5 Jahre in Laudorf leben-—, mich diesen anpassen.-Aber Deinem Auftrag gehorche ich und mit Deiner Hilfe werde ich bestehen.“ Und laut sprach er zu den Beamten: „Dann begehre ich von der Gemeindeverwaltung, sie solle mir helfen bei der Obrigkeit der Stadt, Aufenthaltsbewilligung von ihr zu erhalten.“ Ihm entgegneten jene: „Nicht zuständig ist hierfür die Verwaltung. Gehen Sie hin zum Ostjudenausschuß!“ Und der Prophet tat also. Er ging hin zum Ausschuß und dieser machte für ihn das Gesuch.