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Das jüdische Echo · 1921-03-11 · 10 (11.3.1921) · p. Seite 126

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
10 (11.3.1921)
Date
1921-03-11
Page
Seite 126 (sequence 8)
Language
German
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126 Das Jüdische Echo Nr. 10 die seitens der Liberalen in München und Nürnberg so grimmig bekämpft werden. Was gab es da zu verschweigen? Wer wußte nicht, daß wir die jüdische Volksschule, Gerechtigkeit gegen die Ostjuden, Erhaltung der Mittel- und Kleingemeinden (nicht nur der sogenannten „lebensfähigen“) verlangen? Da kam die Überraschung! Es folgten nicht Unterschriften der Volkspartei. Unterschrieben hatten dieselben Herren, deren Namen u. a. den „liberalen“ Wahlvorschlag füllen, bei lag dem Flugblatt der „liberale“ Wahlzettel! Also in Nürnberg, in München, in den größeren Gemeinden ist man g e g e n Volksschule, Ostjuden, starke Belastung durch Klemgemeindenfürsorge; in Erlangen, Neustadt a. A., Forchheim oder Gunzenhausen für Volksschule, Ostjuden, Kleingemeinden, Wer denkt nicht an Gustav Freytags Schmock, der schreiben konnte rechts und schreiben konnte links? Man wende nicht ein, daß ein Teil der liberalen Wahlmänner diese, ein anderer jene Flugblätter unterschrieben hätte. Es sind gleiche Brüder mit verschiedenen Kappen, sie stehen auf demselben Wahlvorschlag. Sie sind für einander verantwortlich; denn auf irgendein Programm müssen sie sich doch geeinigt haben, wenn es auch schwer ist, zu erkennen, auf welches. Oder sollten sie kein Programm besitzen? Ginge es ihnen um keine jüdische Idee, nicht um das Judentum? Ginge es ihnen nicht um jüdische Ziele, ginge es — wir wagen es kaum auszusprechen, denn wir wollen niemand beleidigen — ginge es wirklich wieder nur um Notabeinherrschaft, um die Macht von Personen? Wäre dem so — und wir müssen leider gestehen, daß der Verdacht naheliegt — so wäre es Aufgabe aller aufrechten Juden, für die politische Moral im Verband einzutreten. Wir wehren uns gegen mittelamerikanische Sitten im bayerischen Judentum. Uns ist die Person nichts, die Sache alles! Wir glauben freilich, daß irgendwelche Wahlpraktiker unserer guten Sache nicht ernstlich werden schaden können. Wir glauben an die den Dingen innewohnende Gerechtigkeit. Präsident Lincoln, der große Unantastbare, sagte einmal: Man kann Einige allzeit zum Narren halten; man kann Alle einige Zeit zum Narren halten. Aber man kann nicht Alle allzeit zum Narren halten. G—. Wo stehe ich? Am 13. März 1921 fällt die Entscheidung, wer in den nächsten Jahren die Geschicke der jüdischen Gemeinde und des Landesverbandes leiten soll. Unmittelbar vor der Entscheidung hat sich jeder jüdische Wähler und jede jüdische Wählerin die Frage vorzulegen: Wo stehe ich? Besonders eindringlich ergeht diese Mahnung an alle Nichtorganisierten. Wir wenden uns zwar nicht wie der Wahlaufruf der Liberalen an „diejenigen, die sich sonst — ob mit Recht oder Unrecht sei dahingestellt — nicht um jüdische Dinge kümmern“, denn wir glauben, daß überhaupt kein Jude das Recht hat, sich nicht um jüdische Dinge zu kümmern, und wollen unter unseren Wählern nicht jüdisch Indifferente, sondern nur jüdisch Bewußte sehen. Alle jüdisch Bewußten sollen und müssen am 13. März ihre Stimme für die jüdische Volkspartei in die Wagschale legen. Die liberale Wahlvereinigung versucht durch eine von ihrem Standpunkt aus nicht ungeschickte Agitation, die Punkte, um die es in diesem Wahlkampf vorzugsweise geht, zu verschieben. Als Hauptkampfruf gilt das Schlagwort: Gegen die jüdische Schule. Dieser Punkt ist ganz zu Unrecht in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt, denn in Wirklichkeit ist die Errichtung einer jüdischen Volksschule längst kein Streitpunkt mehr. Die Gemeindevertretung hat auf ihre Errichtung keinerlei Einfluß, da diese ganz ohne ihr Zutun geschaffen wird. Die gesetzlichen Voraussetzungen (nach dem Schulbedarfsgesetz vom Jahre 1919) liegen hier vor und die bayerischen Verwaltungsbehörden haben auch schon lange ihre Genehmigung erteilt. Es handelt sich also heute gar nicht mehr um die Frage der Errichtung oder Nichterrichtung der jüdischen Volksschule; auch wenn die alte Mehrheit in der Gemeindeverwaltung wiederkehren sollte, so ist die jüdische Volkschule nach den bayerischen gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr aufzuhalten. Nicht viel besser ist das Schlagwort der Liberalen, die jüdische Volkspartei wolle eine jüdische Volksgemeinde schaffen. Das Wahlprogramm der jüdischen Volkspartei weist mit keinem Wort auf die Schaffung einer Volksgemeinde hin. Das Schlagwort ist auch viel zu vieldeutig, als daß man sich darunter etwas denken könnte. Was sich die Liberalen darunter vorstellen, ergibt sich aus dem, was ihr Aufruf als Gegensatz der Volksgemeinde bezeichnet, nämlich das Festhalten an dem Charakter der Gemeinde als einer Glaubensgemeinde. Auch die jüdische Volkspartei tritt mit allen Kräften dafür ein, daß die Gemeindeverwaltung den religiösen Institutionen die größte Sorgfalt angedeihen läßt. Aber die Gemeinde darf sich nicht darauf beschränken, nur für Synagoge und Kultus 1 I K=>*CD*C3*C=>»CD»<=)K=>K=>*C3K=>*C3»C3K=3*C3K=5*C=>*OK=>K=>K=>4CD«=>4CDK=>*C3*C3*C3*CD ♦<=>»<=> •<=>+<=><=>• L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieterant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass

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