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Das jüdische Echo · 1921-03-04 · 9 (4.3.1921) · p. Seite 111

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
9 (4.3.1921)
Date
1921-03-04
Page
Seite 111 (sequence 5)
Language
German
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N r. 9 Das Jüdische Echo 111 schaft und unvergleichliche Wiedergabe wir dem genialen Dirigenten, dem Juden Bruno Walter, zu verdanken haben! „Sonderlich seltsam!“ Die Kundgebung am Odeonsplatz war zwar nicht vorher bekanntgegeben worden, aber ich giaube kaum, daß nur Einer der antisemitisch Gesinnten, die sich sicher unter der großen Zuhörerschaft im Odeon befanden, sein Fehlen bei der Judenhetze vor der Feldherrnhalle bereut hat! Ob nicht manch Einer, der nicht gerne ein gutes Haar an seinen jüdischen Mitmenschen läßt, gewaltige Achtung bekommen hat vor jüdischem Geist, vor jüdischer Gemütstiefe? Freie Bahn dem tüchtigen Juden! Herbert Kahn. literarisches Echo Selbstkritik. Man kann der offiziellen zionistischen Parteipresse nicht vorwerfen, daß sie die große Krise, in der sich die zionistische Bewegung im Augenblick befindet, gerade verschweigt. Aber sie macht es doch nicht anders, als es die gesamte Presse der übrigen Völker zu tun pflegt. Sie klagt zwar Weh und Ach, doch sie hat nicht den rechten Mut, vor allem wohl auch nicht die richtige Erkenntnis, dile Dinge beim Namen zu nennen. Es ist aber nötig, die Wahrheit schonungslos bis aufs Letzte zu sagen und nicht vor herbster Selb$tk;ritifk zurückzuschrecken. Nur auf dieser Basis ist es möglich, daß das große Werk, das unserer Generation aufgegeben ist, vollendet wird. Miit der Untersuchung theoretischer und prinzipieller Fragen beschäftigte man sich allerdings seit längerer Zeit aufs gründlichste, aufs intensivste — zu gründlich, zu intensiv. Die Forderung des Tages ist, die Notwendigkeiten und Bedingungen der Realität in ihrem Wesen zu erfassen und unter strengster Wahrung der Reinheit der zionistischen Idee die Folgerungen daraus zu ziehen. Dieser Versuch ist jetzt von Dr. Jakob Klatzk i n und Dr. Nachum Goldmann mit dem 1. Heft der „Freien Zionistischen Blätter“*) gemacht worden. Die neue Zeitschrift soll eine freie und unabhängige Tribüne sein für jeden, der etwas wirklich Positives gegen die Politik der zionistischen Organisation und für eine Neuorientierung zu sagen hat. Nach einem Geleitwort beginnt Klatzkin mit dem ersten Artikel einer Aufsatzreihe „Zeitfragen“. Klatzkin hat bereits vor Jahren fortgesetzt auf die Fehler der offiziellen Politik der zionistischen Leitung aufmerksam gemacht und in seinem jetzt in der zweiten Auflage erschienenen Buch „Krisis und Entscheidung“ wohl als Erster Grundsätzliches über die aktuelle Situation des jüdischen Volkes gesagt. In seinem Artikel in den „Freien Zionistischen Blättern“ kritisiert nun Klatzkin unter prinzipieller Anerkennung der bisherigen Leistungen der zionistischen Organisation deren Politik aufs schärfste. In seiner exakten und stets auf die Grundlage der Dinge gehenden Art beklagt Klatzkin die Tatsache, daß die Politik des jüdischen Volkes, kaum daß sie ein Faktor in der allgemeinen Weltpolitik geworden ist, in die gleiche Geistlosigkeit verfallen ist wie die Politik der übrigen Völker. Wo ist in unserer Politik noch etwas von der ursprünglichen Idee des Zionismus *) Verlag der „Freien Zionistichen Blätter“, Heidelberg, Rohrbacherstr. 75. Vorrätig in München in der Ewer-Buchhandlung, Wagmüllerstr. 19. zu spüren, wo ist die Jugend, die die stärkste Berechtigung hätte, ihr Wort bei der Umformung des jüdischen Volkes in die Wagschale zu werfen? Nachum Goldmann, einer der politisch befähigtsten Köpfe, die das jüdische Volk heute besitzt, setzt diese Gedanken in seinem Aufsatz: „Bilanz der zionistischen Politik“ in seiner aktiven und von der Lebendigkeit der Realität erfüllten Weise fort Eine wirklich bedeutende politische Idee hat Amitai in seinem Aufsatz: „Jüdischer Städtebund“, in dem gefordert wird, daß die großen jüdischen Zentren im Osten, wie Wilna, Grodno, Bialjstok usw., die als Grenzstädte fortgesetzt Streitobjekt zwischen den verschiedenen Ländern, Polen, Rußland, Litauen, Ukraine usw. sind, auf Grund der Majorität ihrer jüdischen Bevölkerung genau wie Danzig als Freie Städte neutralisiert würden und so die Juden, die ihnen als Volk zustehenden Rechte erhalten und gleichzeitig wesentliche politische Streitigkeiten aus der Welt geschafft würden. Arnold Zweig klagt in einer „Schweigen“ überschriebenen Arbeit die große sogenannte jüdische Tagespresse und vor allem die jüdischen Intellektuellen ihrer Feigheit und Verantwortungslosigkeit mit der ganzen Heftigkeit seines geistigen Temperaments an, die fürchterlichen ukrainischen Pogrome der Weißgardisten völlig und systematisch verschwiegen zu haben. Alfons P a q u e t gibt einen klugen Überblick eines Außenstehenden über die gegenwärtige zionistische Situation. Hermann Frank aus Bialjstok berichtet über die völlig unzionistische und sogar unjüdische Politik der sogenannten zionistischen Politiker in Polen, die sich in angeblich kluger Anpassung an die Gegenwart nicht gescheut hat, sich für die Forderungen der polnL sehen Nationalisten, dieser Pogromhelden, einzusetzen. Den Schluß des Heftchens bilden Glossen von K r u p n i k , Hans K o h n , Leib L i c h t i n - g e r und Abraham Schwadron. Einige weitere Rubriken, wie Presseschau und Bücherschau mußten aus Platzmangel fortbleiben. Die Heftchen sind in klarer Antiqua gedruckt und in ihrem Oktavformat sehr handlich. NÖNCHNER ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND LEBEN VIERTELJÄHRLICH 20 MARK EINZELNUMMER 2 MARK VERLAG DER (JUGEND* MÜNCHEN

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