Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 9 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Nr. 9 1 Das Jüdische Echo ist aber kein Nachteil. Die jüdische Schule befördert den so notwendigen und wichtigen Ausgleich zwischen Ost- und Westjudentum. 1 Die jüdische Schule ist ferner eine Notwendigkeit für die Erhaltung des jüdischen Lehrerstandes, der heute aus Mangel an Nachwuchs auszusterben droht. Da nach den Gesetzen die städtischen Volksschulen jedem Juden zugänglich sein müssen, wird durch die Schaffung einer jüdischen Volksschule auf niemand ein Zwang ausgeübt. Sie steht nur denen offen, diie ihren Kindern eine jüdische Erziehung angedeihen lassen wollen. Es ist um so erstaunlicher, daß eine große jüdische Partei den Kampf gegen die jüdische Volksschule auf ihre Fahne geschrieben hat. Sie bekämpft damit eine Institution, die eine Hauptstütze für die Erhaltung des Judentums bedeutet und kennzeichnet sich selbst als eine Partei, der die Erhaltung und der Aufbau im Judentum nacht im Vordergrund ihres Programms stehen, kann. An die Ausführungen des Redners schloß sich eine eingehende Aussprache an. Herr Bankier Louis Auerbach, der sich als Vorsitzender der Schulkommission der hiesigen Kultusgemeinde vorstellte, erklärte, er sei zwar kein grundsätzlicher Gegner der jüdischen Volksschule als solche, müsse aber für München die Neugründung einer jüdischen Volksschule ablehnen, weil hier die örtlichen Verhältnise dagegen sprächen. Daß dies jedoch wirklich der Fall ist, konnte er allerdings keineswegs überzeugend dartun. Auch der nächste Redner, Justizrat Leo Oppenheimer, der' sich als Mittelparteiler bekannte und erklärte, weder der Orthodoxie noch der liberalen Partei anzugehören, meinte, „die jüdische Volksschule sei nicht unbedingt zu verdammen“. Er erzählte einiges aus seinen persönlichen Erfahrungen als Schüler der in den 70er Jahren aufgehobenen jüdischen Volksschule, meinte aber, wir müßten für Gleichberechtigung und deshalb für wirkliche Simultanschulen kämpfen. Die jüdische Schule sei nicht die Hauptsache, sondern das jüdische Haus. Den beiden Diskussionsrednern erwiderte in äußerst wirksamer Weise Herr Jakob Reich, der in Anknüpfung an eine Bemerkung des Herrn Auerbach erklärte, daß die Frage der jüdischen Volksschule sich allerdings vielleicht nicht als Thema einer Wahlversammlung geeignet hätte, daß es aber die Liberalen gewesen seien, die den Kampf gegen die jüdische Volksschule in den Mittelpunkt ihrer Agitation gestellt hätten und uns dadurch veranlaßt hätten, eine grundsätzliche Aussprache über diese Frage vor den Wählern herbeizuführen. Es handelt sich bei dieser Frage wie bei den gesamten Fragen des Wahlkampfes um die Auseinandersetzung zwischen denen, denen Judentum nur an der Peripherie ihres Daseins vorhanden ist und denjenigen, die ihr jüdisches Sein als den Mittelpunkt ihres Wesens fühlen. Die Liberalen suchen ihre Anhänger unter denen, die „mit Recht oder Unrecht sich um jüdische Dinge nicht zu kümmern pflegen“, unter den Nochjuden, den Halbjuden und den bald Getauften. Wir rufen dagegen diejenigen auf, die das Judentum erhalten wissen wollen, denen alles Jüdische innerste Angelegenheit der Überzeugung und des Herzens ist und die daher an die Spitze der jüdischen Gemeinde Männer stellen wollen, die den neuen Geist in die Verwaltung mitbringen. Herr Lehrer Dingfelder sprach sodann als alter Vorkämpfer der jüdischen Volksschule und beklagte sich darüber, daß er lange Zeit in diesem Kampf allein gestanden sei. Er verwies auf die Notwendigkeit, die Schule auf eine breitere Basis zu stellen und sie nicht nur als die Schule einer einzigen Richtung zu begründen. Herr Felix Feuchtwanger, Mitglied der Schulkommission des Vereins Ohel-Jakob, berichtete über den Stand der praktischen Vorarbeiten für die Gründung der von diesem Verein geplanten jüdischen Volksschule in München. Es besteht die Absicht, die Schule mit dem nächsten Schuljahr zu eröffnen. Bisher sind 85 Schüler angemeldet; die schwierigste Frage ist die Lokalfrage, für die man aber hofft eine Lösung mit Hilfe der städtischen Schulbehörde zu finden. Ein Schlußwort des Referenten appellierte nochmals an den Geist der Wähler, der sich in den kommenden Wahlen im Sinne eines aufbauenden Judentums bewähren möge. Die Versammlung wurde von Herrn Justin Lichtenauer geleitet, der am Schluß noch auf die nächste dritte Wählerversammlung der jüdischen Volkspartei hin wies, in welcher der auch hier als Redner wohlbekannte Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee -Berlin über „Die Aufgaben der deutschen Juden“ sprechen wird. Est. Freie Bahn dem tüchtigen Juden! Während sich Sonntag, den 6. Februar, vorm, die völkische Jugend vor der Feldherrnhalle um das Hakenkreuz scharte, lauschte in der Akademie der Tonkunst am Odeonsplatz eine andächtige Zuhörerschaft Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ unter Generalmusikdirektor Bruno Walters Leitung. Ich möchte dieses Werk, das im Jahre 1911 seine Uraufführung in München erlebte und leidet) noch viel zu wenig bekannt ist, — „populär“ im landläufigen Sinne wird es ja infolge seiner ungemein schwierigen Partitur wohl nie werden — als eines der bedeutendsten neuzeitlichen Tonschöpfungen bezeichnen und wer es nur einmal hörte, wird sich dem Zauber dieser himmelwärts tragenden Musik nicht verschließen können. Trunkenste Sinnenlust, tiefster Ernst, ein Schwellen und Ranken bis zum göttlichen, in den Äther steigenden „Ewig, ewig!“ Wessen Inneres wäre nicht bewegt und erschüttert bei diesem Ausklang eines solch gigantischen Werkes? Ich selbst, kein Neuling in der Musik — Wagner, Mozart, Beethoven und manch Einer unserer heutigen Ära sind mir heilig, weil ich sie kenne, ich war überwältigt von dem Zauber, der sich mir offenbarte! Hier Hakenkreuz, „hinaus mit den Juden!“; die Juden tragen ja auch mit Schuld an dem neuesten Gewaltakt von Paris, sonst könnte ich mir die Verquickung der Judenhetze mit einem Protest gegen das schandbare Diktat unserer Feinde nicht erklären! — dort, hundert Schritte entfernt, begeistert sich eine vielköpfige Menge und die schlechtesten waren es nicht, die dort anwesend waren, an dem unsterblichen Werk eines jüdischen Meisters Gustav Mahler, dessen BekanntfT. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise Kode Sport W. Braun&Cie., München Neuhauserstr. 15 1, gegenüber der alten Akademie