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Das jüdische Echo · 1921-03-04 · 9 (4.3.1921) · p. Seite 109

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
9 (4.3.1921)
Date
1921-03-04
Page
Seite 109 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 9 4. März 1921 8. Jahrgang Einstein und Keren Hajessod. Professor Albert Einstein hat sich auf Einladung der Zionistischen Weltorganisation bereit erklärt, Mitte März gemeinsam mit Dr. Weizmann nach Amerika zu reisen, um für den Keren Hajessod in Amerika mit seinem Einfluß einzutreten und namentlich für die Beschaffung der Mittel zu wirken, welche die Errichtung der Jüdischen Universität in Jerusalem ermöglichen sollen (Universitätsfonds des Keren Hajessod). Die jüdische Volks-Schule. Das Problem der jüdischen Volksschule wurde ln einer von der jüdischen Volkspartei, auf Sonntag, den 27. Februar in München einberufenen öffentlichen Versammlung einer eingehenden Behandlung unterzogen. Das Referat hatte Herr Dr. Isak Bamberger, einer der bekanntesten und verdientesten jüdischen Schulmänner Bayerns, übernommen. Seine großzügigen Darlegungen, die das Problem von den verschiedensten Seiten behandelten und auf alle gegen die jüdische Volksschule vorgebrachten Einwendungen eingingen, machten auf die zahlreich erschienenen Hörer einen tiefen Eindruck. Herr Dr. Bamberger ging von dem Satze aus: „Wer die Schule hat, hat die Zukunft.“ Das Judentum hat schon in ältesten Zeiten die Bedeutung der Schule und Lehre mehr als irgend ein anderes Volk erkannt und die Erziehung der Jugend als eine der vornehmsten religiösen ^Pflichten aufgestellt. Die Bedeutung der jüdischen Schule für die allgemeine Erziehung wurde in Deutschland bei Beginn der Emanzipation von den Vorkämpfern der neuen Bewegung erkannt und wenn auch gegen die Schulgründungen aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts (Philantropin, Jacobsohnschule, Samson-Schule usw.) ihrer geistigen Richtung nach schwerwiegende Einwendungen vorzubringen sind, so stellen sie zum mindesten einen ernsten Versuch dar, das jüdische Problem der Schule zu lösen. Es war dem sogen, jüdischen „Liberalismus“ der Jahre von 1848 an Vorbehalten, die jüdische Schule zu bekämpfen. Die führenden Kreise des jüdischen Liberalismus waren so erfüllt von dem Gedanken der Gleichberechtigung als dem einzigen Ziel ihrer Wünsche, daß sie darüber den Gedanken der jüdischen Erziehung vollständig zurückstellten. Wir brauchen die jüdische Schule, weil nur in ihr eine Erziehung zu jüdischem Gememschaftsbewußtsein möglich ist. In den allgemeinen christlichen Schulen wird unseren Kindern das Judentum bestenfalls als eine Vorstufe für eine höhere religiöse Entwicklung, als ein Durchgangsstadium zur christlichen Menschheitsreligion dargestellt wenn nicht gar als minderwertig geschildert. Dieses ist für die religiöse Entwicklung unserer Jugend eine schwere Gefahr. Wir können dieser nur begegnen durch Schaffung jüdischer Schulen, in denen die gesamte Erziehung von jüdischem Geiste getragen ist. Die Schaffung jüdischer Schulen ist auch ein Gebot der Selbstachtung. Sie müßte ein Postulat jedes richtig verstandenen Gleichberechtigungsstrebens sein. Sollte es nicht in höherem Grade eine Zurücksetzung der jüdischen Staatsbürger bedeuten, wenn sie gezwungen werden, ihre Kinder in Schulen christlichen Charakters zu schicken, in denen jüdische Lehrer nicht angestellt werden dürfen, als wenn sie von irgend welchen Offiziers- oder Beamtenstellen ausgeschlossen werden? Eigentümlicherweise hat sich unser jüdischer „Liberalismus“ und der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens um die Schulfragen viel weniger gekümmert, als um solche Fragen der Beamten- und Offizierskarriere. Wenn wir keine jüdische Volksschule begründen, sondern uns mit dem gegebenen Zustand abfinden, müssen wir den anderen gegenüber gerade als inferior erscheinen und in der Achtung unserer christlichen Mitbürger sinken. Einer der Hauptednwände gegen die jüdische Schule ist der, daß dadurch unsere Kinder von dem Verkehr mit Andersgläubigen getrennt werden und auf diese Weise der Antisemitismus vermehrt würde. Redner fragt mit Recht demgegenüber: In Frankfurt a. M., Hamburg, Berlin bestehen seit Jahrzehnten jüdische Volksschulen, in München besteht keine; ist deshalb der Antisemitismus in München weniger groß als in den genannten Städten? Die Forderung der jüdischen Schule ist nicht nur von orthodoxer und zionistischer Seite aus aufgestellt worden^ alle jüdischen Schulmänner von Bedeutung, alle Männer, denen das jüdische Erziehungswesen am Herzen liegt, sind für die jüdische Volksschule eingetreten. Die jüdische Schule muß ein positives Schulprogramm aufstellen, bei dem das Judentum im Mittelpunkt der Erziehung steht. Der jüdische Religionsunterricht, wie er an den christlichen Schulen erteilt wird, ist nur ein sehr mangelhafter Ersatz für eine jüdische Schule. Allerdings wird die jüdische Schule ihre Aufgaben in vollem Umfange nur erfüllen können, wenn ihr seitens der Behörde eine größere Freiheit bei Aufstellung ihres Lehrprogramms gewährt wird als bisher. Das Hebräische muß weit stärker gepflegt werden können, als es bisher im Religionsunterricht und auch in den jüdischen Schulen durchgeführt worden ist. Ein wirkliches Eindringen in das Judentum und seine geistigen und seelischen Werte ist nur an Hand der hebräischen Sprache möglich. Eine Überbürdung der Kinder wird in der jüdischen Schule eher vermieden, da däle religiöse Erziehung nicht auf Privatstunden außerhalb der Schulzeit abgewälzt werden muß. Der jüdische Lehrer wird in ganz anderer Weise als der christliche Lehrer der allgemeinen Volksschule den Kontakt mit der Seele des Kindes finden und dadurch auf das Kind den Einfluß gewinnen, den eine wirkliche Erziehungsschule erstreben muß. Diie Bedenken, daß die jüdische Schule nicht überall in ebenso vielen Klassen organisiert werden könnte, wie die allgemeine Schule, sind nicht stichhaltig. Es kommt weniger auf die Zahl der Klassen an, als auf die Zahl der Schüler in den einzelnen Klassen. Daß in den großen Städten ostjüdische Kinder ein großes Kontingent zu den jüdischen Schulen stellen werden, ist sicher; das

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