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Das jüdische Echo · 1921-02-25 · 8 (25.2.1921) · p. Seite 100

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
8 (25.2.1921)
Date
1921-02-25
Page
Seite 100 (sequence 6)
Language
German
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100 Oats Jüdische Echo Nr. 8 diierte Staaten Mühe haben, ihre Grundgefiige aufrecht zu erhalten, wo die erbittertsten Gegensätze zwischen kapitalistischen und antikapitaJfstischen wirtschaftlichen Anschauungen ausgekämpft werden, soll der Versuch gemacht werden, einen neuen Staat zu errichten.. Außerdem sind die erheblichen Mittel, die hierzu nötig sind, ohne die Hilfe der Nichtzionisten nicht aufzubring e n. Redner gibt der Meinung Ausdruck, daß leider die zionistische Partei in diesem Augenblick nicht den Eindruck der Geschlossenheit mache, den man von ihr in diesem historischen Augenblick verlangen müsse. Es sei anerkennenswert und auch taktisch richtig, daß speziell die deutschen zionistischen Organe die vorhandenen wirtschaftlichen und ideellen Gegensätze und Schwierigkeiten nicht vertuschen, sondern offen besprechen, es müsse aber doch Verwunderung erregen, daß in diesem Augenblick die zionistische Studentenschaft Deutschlands aus anscheinend mehr persönlichen wie sachlichen Gegensätzen heraus sich gespalten habe. Es handelt sich hier nicht mehr um eine intern zionistische Angelegenheit, um die sich der Außenstehende nicht zu kümmern hat; wenn nicht einmal in solchem Augenblick eine Partei, der das Schicksal eine so große Aufgabe zugewiesen hat, über persönliche Gegensätze mit großem Schwung hinwegkommen kann, dann würden leider diejenigen nur allzu sehr Recht behalten, die von der Unmöglichkeit sprechen, jüdische Individualitäten unter einen Hut zu bringen.“ Unter sichtlicher Spannung und unter anscheinend einmütigem Beifall der Versammlung, in der viele führenden Frauen und Männer aus allen Lagern bemerkt wurden, führte Dr. Apfel folgendes weiter aus; „Es ergibt sich nun die Frage, inwieweit die nichtzionistischen Juden sich an der praktischen Palästinaarbeit, insbesondere an der Aufbringung der Geldmittel für Palästina beteiligen sollen. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daß in Amerika und England führende nichtzionistische Juden sich an die Spitze der praktischen Palästinaarbeiit gestellt haben. Die fast einheitliche Auffassung, die am 23. Januar 1921 anläßlich der Begründung der Gesamtorganisation der deutschen Juden zum Durchbruch gelangt ist, daß Palästina fortan als gesamtjüdische Frage von Herzens- und Verstandeswegen aufzufassen sei, läßt es fast selbstverständlich erscheinen, daß auch das deutsche Judentum in g r o ß z ii*g i g e r Weise bei der Aufbringung der Geldmittel mit w i r k t. Es ist aus vielen Gründen erforderlich, daß die nichtzionistischen Juden so schleunig wie möglich, wenn irgend möglich im vollen Einklang mit der zionistischen Parteileitung Deutschlands, den bisherigen theoretischen Sympathieerklärungen für Palästina entscheidende Beschlüsse praktischer Natur folgen lassen. Bei aller Anerkennung des zionistischen Standpunktes, bei. den von zionistischer Seite eingeleiteten Sammlungen zum Keren liajessod zunächst die Opferwilligkeit der eigenen Parteifreunde zu beweisen, sowie erst nach Behebung der Differenzen mit den amerikanischen zionistischen Führern über den Charakter des Keren liajessod an die Gesamtjudenhcit heranzutreten, — ist zu befürchten, wenn die zurzeit fast einheitliche Stimmung nicht bald ausgenutzt wird, daß der Wunsch, großzügige gesamtjüdische (nicht parteimäßige) praktische Palästinaarbeit der deutschen Juden herbeizuführen, schwerer zu verwirklichen sein wird als heute. Es ist nicht taktischer Vorbehalt, sondern Erkenntnis der Schwierigkeit der Materie — einer Materie, die durch das Hineinspielen verschiedenartiger Probleme erhöht wird — wenn ich die Anhänger unserer Bewegung bitte, die Ergebnisse unserer Beratungen mit den Bezirksverbänden, mit dem Verbandsvorstand und mit den übrigen jüdischen Gruppen abzuwarten, die wir zwecks Herbeiführung einer möglichst einheitlichen Stellungnahme unverzüglich aufnehmen, ehe der einzelne zu den zionistischen Sammlungen Stellung nimmt. Ich glaube in der Annahme nicht fehl zu gehen, daß es auch der zionistischen Sache dienlicher erscheint, statt einzelner zersplitterter Sympathie-Zahlungen für den Keren hajessod-Fonds mit einer möglichst geschlossenen Phalanx der übrigen deutschen Juden gemeinsame praktische Arbeit zu leisten. Wenn wir dafür eintreten, den alten Hader zu vergessen, so gehen wir hierbei von der zwar selbstverständlichen aber nachdrücklich unterstrichenen Voraussetzung aus, daß auch von zionistischer Seite von jetzt ab eine äußere, möglichst auch eine innere Respektierung unserer deutschpatriotischen Gefühle erfolgt. Dann, aber nur dann wird es möglich sein, fortan den Kampf gegen den Antisemitismus der Verquickung mit inner jüdischen Gegensätzen zu entziehen, und es somit auch dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ermöglicht werden, einen Strich unter den vergangenen heftigen Kampf mit den Zionisten zu machen.“ In der nachfolgenden Erörterung führte von zionistischer Seite Kurt Blumenfeld aus: Zum ersten Male hat dCr Führer einer der größten jüdischen Organisationen Deutschlands anstelle der üblichen unverbindlichen Sympathieerklärungen auf die Verpflichtung aller Juden hingewiesen, am Aufbau Palästinas praktisch mitzuarbeiten. Wir Zionisten sind in die merkwürdige Situation gebracht worden, uns rechtfertigen zu müssen, warum wir noch nicht an alle jüdischen Kreise mit der Aufforderung zur Mitarbeit herangetreten sind. Als im Juli 1920 die Errichtung des Keren hajessod beschlossen wurde, galt es, etwa 25 Millionen engl. Pfund in der Welt aufzubringen, wovon eine Million Pfund auf Deutschland entfallen sollte. Wir hielten es für unsere Verpflichtung, zunächst den Beweis zu liefern, daß die Zionisten selbst einen namhaften Bruchteil dieser Summe aufbringen. Der bisherige Verlauf der Sammlung unter den deutschen Zionisten entspricht unseren Erwartungen und alle bisherigen jüdischen Sammlungsaktionen um ein vielfaches. Die überwältigende Mehrheit der Juden der anderen Länder hat sich entschlossen, beim Aufbau Palästinas mitzuarbeiten, nicht etwa aus entente-politischen Gründen, wie vielfach irrtümlich angenommen wird, sondern aus dem Gefühl jüdischer Verpflichtung heraus. Redner will bei der gemeinsamen Arbeit in Deutschland von niemandem verlangen, Gesinnungskompromisse zu schließen, sondern befürfif. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise Mode Sport W. Braun & Cie., München Neuhauserstr.15/1, gegenüber der alten Akademie

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