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Das jüdische Echo · 1921-02-09 · 6 (9.2.1921) · p. Seite 72

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
6 (9.2.1921)
Date
1921-02-09
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 Das Jüdische Echo Nr. 6 unterricht fernhält. Warum sollte auch jemand, der zu Hause und persönlich das Judentum systematisch abbaut, der das Jüdische seiner eigenen Person und seiner Familie liquidiert, ungeeignet sein am offiziellen Abbau des jüdischen Lebens, an der Kehillo-Liquidation mitzuwirken? Das Gegenteil ist der Fall. Der geeignetste Liquidator wäre eigentlich ein gewissenhafter Staatskommissär nichtjüdischen Glaubens: der würde nichts als seine Satzungen kennen und brächte von vornherein kein anderes Gefühl an die ihm anvertrauten Angelegenheiten heran als sein formelles Liquidatorenpflichtgefühl. Er würde gewißlich den Gemeindesäckel treu verwalten, ohne den Etat zu überschreiten, den verschiedenen Wohltätigkeitsfonds stolz alljährlich Überschüsse einsparen — unberührt von allem möglichen nicht unter die Stiftungssatzungen fallenden Elend, das durch die Einsparungen getilgt werden könnte. Er kommt nicht in Gefahr, durch sein jüdisches „Lew“ in Versuchung geführt zu werden, neue Aufgaben, für die kein Paragraph existiert, für die kein Geld im Voranschlag bewilligt ist, insbesondere Aufgaben von jüdischaufbauender Tendenz zu unternehmen, die allein vor dem jüdischen Gefühl und der Liebe zum jüdischen Volkstum sich als daseinsberechtigt legitimieren können, wie z. B. Lesehallen, Förderung der jüdischen Jugendbewegung, Speisung hungernder durchreisender Palästinaauswanderer, Erhaltung einer wertvollen jüdischen Vereinsbibliothek, der infolge Vereinsauflösung die Zerstörung droht usw. Für einen Nichtjuden wäre nicht nur nach der Satzung, sondern vor allem auch innerlich der Ostjude, insbesondere auch der Zureisende, der Durchwandernde, der Ausgewiesene, der ohne jede Legitimation mit unbescheidensten Ansprüchen an die Kultusgemeinde heranzutreten pflegt, ohne weiteres gemeindlich nicht existent. Das jüdische Lew ist zweifellos eine unbrauchbare Beigabe des jüdischen Gemeindelebens, ein störendes Element bei der jüdischen Liquidation und darum selbst abbauwürdig. Der Nichtjude ist frei davon. Es verdient aber immerhin anerkennende Erwähnung, daß auch die liberalen Gemeindeväter jüdischen Glaubens — und nach der Gemeindeverfassung müssen es nun einmal Juden sein — es in der Teilnahmslosgikeit und Geschäftlichkeit bei der Behandlung jüdischer Dinge, vor allem ostjüdischer Ansprüche, schon beträchtlich weit gebracht haben. Liberalismus und Selbstverwaltung. Nur aus diesen Liquidationserfolgen an der eigenen Person der jüdischen Gemeindeväter ist es erklärlich, daß mit so gefährlichen Einrichtungen wie Selbstverwaltung und Demokratie immerhin erfreuliche gemeindliche Liquidationsergebnisse erzielt wurden. Der politische Begriff der Selbstverwaltung besagt, daß Leute, die sich innerlich den zu verwaltenden Dingen verbunden fühlen, vornehmlich geeignet sind, diese Dinge zu Verwaltern geeigneter als der innerlich unbeteiligte, nicht vor sich selbst, sondern einer Obrigkeit verantwortliche Bürokrat. Lebendige Demokratie bekämpft angemaßtes Herrentum Weniger über Viele, die aristokratische Herrschaft von Reichen lind Würdenträgern über eine Klasse der Entrechteten. Im Volk steckt der Trieb zum Leben und zur Selbsterhaltung, und regiert das Volk sich selbst durch gewählte Männer seines Vertrauens, so wird naturnotwendig kraft des dem Volk eingeborenen Lebenstriebes aus #Abbau Aufbau werden, werden Schranken der Satzungen und der Etats mit elementarer Gewalt weggeschwemmt werden, wird auf die Pflege jüdischer Jugend mit Selbstverständlichkeit mehr gesehen werden, als auf die Errichtung prächtiger Totenhallen, auf Linderung jüdischer Not mehr als auf Kassenüberschüsse. Das jüdische Lew ist nun einmal so beschaffen, daß es eine notleidende Bilanz weniger drückend empfindet als einen notleidenden Juden. Der erschlagene oder der verhungerte Jude ist nicht mehr lebendig zu machen, Geldschulden aber können gedeckt werden. Gefährliche, höchst gefährliche Tendenzen! Ein „liberales Interesse“ des Judentums, ja geradezu die große politische Idee des jüdischen Gemeindeliberabsmus ist es, dem demokratischen und Selbstverwaltungsgedanken seinen gegen die Abbau- Idee gerichteten Stachel zu nehmen. Hier, in den Verfassungskämpfen, in der großen Gemekidepolitik, wo es gilt, den Liquidationsgedanken in Reinheit, der liberalen Majorität die Macht zu bewahren, entwickeln sogar die sonst in Verwaltungsdingen so korrekten und kühlen Liberalen Begeisterung, ja Haß gegen jeden Andersdenkenden. Allen Anfechtungen zum Trotz ist es der sieghaften Überlegenheit ihrer Ideen denn auch immer noch gelungen, ein System einer Gemeindepolitik zu bewahren, das den Abbau sich in den Formen der Selbstverwaltung vollziehen läßt und das von den Gemeindestuben mit demokratischen Mitteln den heißen Atem des Volkes abwehrt — kurzum eine einwandfreie Herrschaft der Liquidatoren jüdischen Glaubens, wenn nun schon einmal die bürokratische Verwaltung durch den nichtjüdischen Staatskommissär nicht stattfinden kann. Dieses liberale System besteht einerseits in der Schaffung eines geeigneten Wahlrechts, andererseits in der Auswahl der geeigneten Personen. Liberale „Gleichheit und Brüderlichkeit.“ Vor allem kommt es auf eine geschickte, d. h. liquidatorisch brauchbare Definition des Begriffs „jüdischer Gemeindebürger“ an. Es gibt eine höchst einfache aber veraltete personale Kehilloh-Definition: Die Kehilloh ist das jüdische Volk im Gemeindebereich, die Gesamtheit aller im Orte wohnenden Juden. Aber eine derartige Gleichmacherei ist doktrinär. Politik ist die Kunst der Differenzierung. Die Masse ist undifferenziert. Differenzierungsidee ist: der Zweck der Gemeinde, die Liquidation des Judentums, d. i. die möglichst schmerzlose Gestaltung der Beziehungen des jüdischen Lebens zur deutschen Umwelt, d°s mähliche Verdämmern. Die jüdischen Menschen scheiden sich demnach in solche, die diese Idee in sich schon verkörpern, die nach persönlicher Art und wirtschaftlichem Interesse mit der nichtjüdischen Umwelt innig verbunden sind, und solche, bei denen dies weniger oder gar nicht der Fall ist. Die Ersteren sind jüdische Vollbürger, umso voller, je weniger ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise flode Sport W. Braun i Cie., München Neuhauser*tr. 151, gegen'

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