Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 5 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- Seite 58 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9144785--03886-9076711- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Jüdisch*; Echo Nr. 5 58 in Deutschland wohnhaften Juden ausschließlich von einem einjährigen Wohnen in der Wahlgemeinde abhängig gemacht. Damit hat sich der neugegründete Verband ein moralisches Übergewicht gesichert gegenüber all denjenigen, die glauben, die Interessen der jüdischen Gemeinschaft nur dadurch wahren zu können, daß sie wesentliche Teile derselben rechtlos stellen. Es ist von besonderer Bedeutung, daß der Antrag von Herrn Justizrat Dr. Blau, dem Vorsitzenden der Gemeinde Frankfurt a. M. gestellt wurde, derselben Gemeinde, die erst kürzlich mehrere Ausländer in ihre Vertretung und in ihre Vorstandschaft gewählt hat, und von der ein anderes — der zionistischen Gesinnung gleichfalls ganz unverdächtiges — Vorstandsmitglied (Justizrat Bärwald) auf der Tagung erklärte, „die Gemeinde zähle unter den Mitarbeitern zahlreiche besonders wertvolle Kräfte, die Ausländer s i n d.“ Darauf hinzuweisen ist für uns besonders wichtig angesichts der Tatsache, daß unsere bayerischen und Münchener Liberalen gerade die Frage des Ausländerwahlrechtes zum Angelpunkt ihrer Wahlagitation machen und für die liberale Sache damit Anhänger zu werben suchen, daß sie den Gegnern vorwerfen, sie wollten den Ausländern gleiche Rechte in der Gemeinde einräumen. Die bayerischen Herren sollten sich doch überlegen, ob sie ihre Haltung in der Ausländerfrage aufrecht erhalten können angesichts der Stellungnahme ihrer Gesinnungsgenossen im Norden des Reiches, wo die Ausländerfrage zahlenmäßig eine ganz andere Rolle spielt als hier in dem durch die Fremdengesetzgebung unserer gegenwärtigen Regierung vor jedem Zuzug streng bewahrten Freistaat Bayern. Die jüdische Volkspartei hat die Herbeiführung der Gleichberechtigung der ausländischen Juden bei allen Gemeinde- und Verbandswahlen als einen Hauptpunkt auf ihr Programm gesetzt. Sie kann nunmehr feststellen, daß sie damit eine Forderung erhebt, für welche die weitaus überwiegende Zahl der deutschen Judenheit eintritt und der nur ein kleiner Kreis der sogenannten „Liberalen“ im Reich widerstrebt. Wer dafür sorgen will, daß der kleinliche engherzige Geist, der sich in innerjüdischen Dingen die Politik unserer Feinde zum Vorbild nimmt, zu herrschen aufhört, der wird am 13. März Gelegenheit haben, durch seine Stimmabgabe das seine dafür zu tun, indem er die Liste der jüdischen Volkspartei in Bayern abgibt. Est. V er liandlun gsb er icht über den XV. Gemeindetag. Kalischers Eröffnungsrede Der Vorsitzende des D.-I. G.-B., Professor Dr. K a 1 i s c h e r , begrüßte die Delegierten. Es ist das Schicksal der Juden, von jedem historischen Ereignis in schwererem Maße betroffen zu werden, als die übrige Umwelt. Wir glaubten, daß der deutsche Antisemitismus von dem gemeinsam vergossenen Blute fortgespült werden würde. Das war die „große Täuschung“, die wir erleben mußten. Wir Juden sind wiederum zum Sündenbock der Weltgeschichte geworden. Der Antisemitismus ist in wütender Form wieder aufgelebt und kämpft mit Lügen und Verleumdungen gegen unser Recht. Schon aus diesem Grunde müssen wir uns zusammenschließen zu einer Phalanx, an der alle Wogen zerschellen. Aber unser Leid ist gering, wenn es an den Leiden unserer jüdischen Brüder im Osten gemessen wird, die schon im Kriege weit Schwereres zu leiden hatten als wir. Hunderttausende wurden hingemordet, Frauen geschändet, ihre Kinder getötet, Millionen in Jammer und Elend gestoßen, ohne daß die Mächtigen der Erde eingegriffen haben. In heißem Mitgefühl und unaussprechlicher Ergriffenheit denken wir jener Opfer aus unserem Blute. (Die Versammlung erhebt sich.) Tausende und Abertausende werden das Wanderschicksal der Juden auf sich nehmen und in die Fremde ziehen müssen — in einem Moment, in dem die Haupteinwanderungsländer ihre Pforten geschlossen haben. Der einzige Lichtblick in dem Grau der Not ist Palästina, das unter mächtigem Schutz sich vorbereitet, diese Massen aufzunehmen. Auf welchem Standpunkt man auch stehen mag: kein Jude, der noch jüdisch fühlt, kann gleichgültig an der einen Tatsache Vorbeigehen, daß eine Heimstätte errichtet wird, wo unseren Brüdern die Möglichkeit gegeben wird, sich in der Sonne der Freiheit auf uraltem heiligen Boden eine Existenz zu schaffen, die ihrer Energie entspricht. Als Kriegsfolge ist auch die Feier des 50jährigen Jubiläums des D.-I. G.-B. unterblieben. Diese Jubelfeier kann nachträglich nicht würdiger begangen werden als durch die Erweiterung und Krönung des alten Baues, durch die Erhebung des D.-I. G.-B. zur umfassenden öffentlichrechtlichen Gesamtorganisation der deutschen Judenheit. Sie wird auf Freiwilligkeit beruhen. Wir werden uns selbst unsere Gesetze geben in der Erkenntnis, daß der Zusam- L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass