Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 3 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 33 zu liefern und bahnbrechend auf diesem Gebiete der Schaffung eines Ausnahmerechtes voranzugehen. Denn während in Frankfurt a. M. vor wenigen Wochen erst 2 Ostjuden in die Vertretung der zweitgrößten jüdischen Gemeinde Deuschlands mit Zustimmung aller dortigen Liberalen gewählt und dort bei ihrem ersten Erscheinen von dem hervorragendsten Führer des jüdischen Liberalismus in Deutschland, justizrat Dr. Blau, wärmstens begrüßt und zur Mitarbeit an den gemeindlichen Geschäften besonders herzlich eingeladen wurden, schreckt unser Münchener Liberalismus, wie er insbesonders in der hiesigen Ortsgruppe des „Zentralvereins“ seinen Niederschlag und seine Vertretung nach außen gefunden hat, nicht vor dem banalen Wehruf zurück, daß man uns Münchener Juden imser Deutschtum aus dem Herzen zu reißen sich anschicke, wenn man den Ausländern in den rein kirchlichen und religiösen Vertretungskörpern ein Mitbestimmungsrecht gewähre. Als ob unsere Glaubensgenossen in Frankfurt oder jene in Würzburg, die erst jüngst in ihren neuen Gemeindesatzungen den Ausländern das gleiche Wahlrecht wie den Inländern zubilligten, weniger liberal und national denkende Deutsche wären, wie die maßgebenden Herren vom Münchener Zentralverein, deren Hauptversammlungstätigkeit sich zumeist in unfruchtbaren Deklamationen gegen die Mitarbeit der Zionisten auf dem Gebiete der Abwehrtätigkeit erschöpft. Und als ob weiterhin diese Ausländer, die zum großen Teile schon seilt Jahrzehnten in München ansässig sind und hier ihre staatlichen, städtischen und kirchlichen Umlagen entrichten, irgend eine Schuld daran trifft, daß ihnen trotz wiederholter Vorstellungen bisher die Naturalisation seitens der deutschen Behörden vorenthalten wurde! Und als ob endlich ein Zweifel darüber obwalten könnte, daß wir durch einen derartigen Trennungsstrich gegenüber unseren nicht in Deutschland geborenen Glaubensgenossen nur Wasser auf die Mühle jener Antisemiten leiten, die auf Grund von deutsch-völkischen oder sonstigen demagogischen Schlagworten uns ebenfalls wieder die politische Gleichberechtigung in unserem deutschen Vaterlande streitig machen wollen! Wahrlich, wer von den elementarsten Voraussetzungen einer liberalen Weltanschauung auch nur eine blasse Ahnung hat, kann keinen Moment darüber im Zweifel sein, daß er sich durch Schaffung einer derartigen Ausnahmegesetzgebung auf rein kirchlichem Gebiete gegenüber den Ostjuden an den Grundsätzen des Liberalismus auf das Schwerste versündigt! Und neben der Ausländerfrage dürfte insbesondere das Problem der Errichtung einer jüdischen Volksschule im Vordergründe unserer Wahlkämpfe stehen! Wir können uns zu dieser, für die Erziehung und Heranbildung unserer kommenden Generation hochwichtigen Frage um so kürzer fassen, als auch auf diesem Gebiete absolute Übereinstimmung zwischen Zionismus und Orthodoxie besteht und beide Parteien von der Überzeugung bezüglich der Notwendigkeit einer alsbaldigen positiven Lösung dieser Frage durchdrungen und auch entschlossen sind, diese jüdische Volksschule in München womöglich noch mit Beginn des Schuljahres 1921/22 ins Leben zu rufen. Aber weit über die Reihen der beiden genannten Parteien hinaus bis in die Kreise unserer religiös ganz indifferenten Glaubensgenossen werden diesem Problem weitgehende Sympathien und herzliche Segenswünsche entgegengebracht. Kann doch bei keinem für seine Glaubensgemeinschaft warm empfindenden Juden ein Zweifel darüber bestehen, daß es geradezu ein Gebot der Selbstachtung und Selbstwürde für die bayerischen Großgemeinden bedeutet, insolange unsere bayerische Schulgesetzgebung den israelitischen Volksschullehrern die Erteilung des Unterrichts selbst an Simultanschulen verbietet, eigene jüdische Volksschulen zu errichten, um diesen jüdischen Volksschullehrern das Schülermaterial für ihre ersprießliche pädagogische Tätigkeit auch weiterhin zur Verfügung zu stellen und diesen Beruf, dem unsere Altvordern ihre profane und religiöse Erziehung verdankten, nicht völlig untergehen zu lassen! Und darüber hinaus wird jeder ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise über der alten Akademie habe eine Zahnprajcis eröffnet München, Baaderplatz 1/i Eingang Kohlstrasse H. ÜLLMRNN, DENTIST früher Nürnberg / Spez. Laboratorium für feine Zahntechnik _fachmännische, individuelle persönliche Behandlung_ r ♦ 0 0 U L. Kielleuthner kgl. bayer. Hoflieferant 43 Maximilianstrasse 43 Bekanntes Haus für erstklassige Herrenbekleidung nach Mass 0 0 ß ♦ 8 8 0 8 o ♦ 0 0 ,0