Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 2 (14.1.1921)
- Date
- 1921-01-14
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Das jüdische Echo Nr. 2 Palästina und Transjordanien. Der „Messagero" berichtete kürzlich aus Kairo, daß Transjordanien von der autonomen Verwaltung Palästinas losgerissen worden sei und daß dadurch das westjordanische Palästina in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten komme. Hierzu wird von zionistischer Seite mitgeteilt, daß, wenn auch Transjordanien formell der Verwaltung Palästinas nicht angegliedert ist, dennoch eine gemeinsame Verwaltungsspitze in der Person des Oberkommissars besteht, und daß jedenfalls von einer wirtschaftlichen Abtrennung keine Rede sein kann. Im Gegenteil besteht zwischen beiden Gebieten vollste Handelsfreiheit, die seit kurzem durch die Wiederherstellung der Straße Jerusalem ils Salt eine ganz besondere Bedeutung erlangt hat. Insofern ist von, einer Abschnürung Palästinas von den wichtigsten Hilfsquellen seiner Ernährung keine Rede. (Z. K.) Hebräisch im Hause des Oberkommissars von Palästina. Die gesamte Familie des Oberkommissars Samuel befaßt sich, laut Zionist. Koresp., zurzeit mit dem Erlernen des Hebräischen. Außer dem Oberkommissar selbst, der bereits ziemlich gut hebräisch kann, und sich ständig weiter ausbildet, nimmt Lady Samuel, die schon in England tritt dem Studium begonnen hat, täglich hebräischen Unterricht bei Ben Jehudä. Der älteste Sohn, Edwin Samuel, der während des Krieges Offizier in Palästina war, spricht perfekt hebräisch, der jüngere Sohn und die Tochter Samuels nehmen hebräischen Unterricht bei Jsak Abadi, einem ehemaligen Lehrer der orthodoxen Schule Tachkemoni und gegenwärtigen Leiter des Dolmetscheramtes, welches die Regierungsakten ins Hebräische und Arabische übersetzt. Deutschland Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hält am 24. und 25. Januar 1921 in Berlin im Logenhaus, Kleiststr. 10, die erste Wohlfahrtstagung ab. Vorgesehen sind außer dem geschäftlichen Teil folgende Referate: „Die Forderungen der Gegenwart an die jüdische Wohlfahrtspflege“: Frau S. Wronsky-Berlin, — „Jüdische Sozialpolitik“: Dr. Gg. Baum-Berlin. — „Die Not unserer Waisen- und Erziehungsanstalten“: Emil Waldstein-Breslau. — „Aufgaben der jüdischen Kinderfürsorge“: Rechtsanwalt Dr. Fritz Lamm-Berlin. — „Sozialhygienische Aufgaben in der jüdischen Wohlfahrtspflege“: Referent: Privatdozent Sanit.-Rat Dr. Hanauer-Frankfurt a. Main. Korreferenten: a) Prof. San.-Rat Dr. Toby Cohn- Berlin: „Fürsorge für Nervenkranke“; b) San.-Rat Dr. Wilhelm Feilchenfeld-Berlin: „Fürsorge für Lungenkranke“: c) San.-Rat Dr.Nawratzki-Berlin- Nikolassee: „Fürsorge für geistig zurückgebliebene Jugendliche“. — „Die Notwendigkeit der örtlichen Zentralisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege sowie die Maßnahmen zur Verhütung von Doppelunterstützungen unwürdiger Bittsteller.“ Referenten: Frau Clara Samuel-Elberfeld, Eugen Caspary-Berlin. — „Pläne zur Begründung einer deutschen Reichsarbeitsgemeinschaft für freie Wohlfahrtspflege und die Anteilnahme der Zentralwohlfahrtsstelle.“ Referent: Dr. Alb. Levy-Berlin. — „Jüdische Auslandshilfe“: Direktor Dr. Friedr. Ollendorff-Berlin. — „Karlsbader Welthilfskonferenz und Ihre Bedeutung für die jüdische Wohlfahrtspflege.“ Referent: Dr. Alfred Klee-Beriin. — „Probleme der Ostjudenfrage in Deutschland.“ Referent: Fritz Mordechai Kaufmann-Berlin. — Die zu behandelnden Fragen begegnen lebhaftem Interesse. Ostgalizien Interpellation. (J. P. Z.) Beim General delegierten für Ostgalizien, Galecki, erschien am 28. Dez, eine Delegation, bestehend aus Dr. Raphael Buber, Dr. Diamand, Dr. Reich und Dr. Schleicher, um aktuelle jüdische Fragen, die speziell Ostgalizien betreffen, zu besprechen. Dr. Reich verwies im besonderen auf die noch immer unerledigte Frage der Zulassung der jüdischen Studenten zur Lemberger Universität, die Nichtlegalisierung der jüdischen nationalen Vereine in der Provinz und die jüdischen Klagen bezüglich der Schankkonzessionen. Dr. Schleicher besprach die Frage der Reaktivierung der amovierten jüdischen Beamten und Dr. Buber die den Ukrainer Flüchtlingen bereiteten Schwierigkeiten. Die Anwesenheit Minister Ratajs in Lemberg benutzend, begab sich sodann die gleiche Delegation zum Minister, dem Dr. Schleicher das der jüdischen studierenden Jugend zugefügte Unrecht schilderte. Der Minister versprach Abhilfe in allernächster Zeit. Litauen. Bei den Musterungen in Wilna bilden die Juden die weitaus größte Mehrzahl der zum Dienst Einberufenen. England Aguda Massenmeeting in London. Am 18. Dez. fand in der Assembly Hall in London ein Aguda Massenmeeting statt, das von zirka 8000 Personen besucht war. Der Vorsitzende Stuart Samuel verlas einen Brief Herbert Samuels an Rabb. Horovics (Jerusalem), worin die Orthodoxie zum Aufbau Palästinas aufgerufen wird. Als Redner traten auf: Rabbiner Plocki (Ostrowo), Löw (Warschau), Jung (London), Horovics (Jerusalem), Hurwitz (Leeds), Hildesheimer (Berlin), ferner Stuart Samuel (London), Rosenheim (Frankfurt a. Main), Nathan Birnbaum (Wien), Advokat Landau (London), Advokat Zeitlen (London). Die eingebrachten Resolutionen wurden einstimmig angenommen. — Bei der Eröffnung des Massenmeetings der Agudas Jisroei in London, die Sir Stuart Samuel präsidierte, führte dieser u. a. aus: Dadurch, daß ich in einer Agudas-Jisroel-Versammlung den Vorsitz führe, möchte ich keineswegs der Auffassung Raum geben, als sei ich vom Misrachi desertiert oder als stände ich mit den Zionisten im Widerstreit. Ich habe den Vorsitz übernommen, um die Gastfreundschaft der englischen Judenheit zu zeigen. Nathan Birnbaum wurde am Weitersprechen verhindert wegen seiner Behauptung, daß das jüdische Volk von Apikorsim und Meschimodim geführt wird. Es wurde eine Botschaft von Herbert Samuel verlesen, die an die Einheit der Orthodoxie appelliert. Von einem Teil der Versammlung wurde am Schluß des Meetings die Hatikwah gesungen. Amerika. Gescheiterte Einigungsverhandhmgen zwischen Misrachi und Aguda. J. P. Z. meldet: Am 16. Dezember fanden im Hause Sir Stuart Samuels .Verhandlungen zwischen Misrachi- und Aguda-Vertretern statt, um eine Basis zu schaffen, die das gemeinsame Arbeiten der beiden Organisationen erleichtern würde. Die Vertreter der Aguda erklärten sieh nur unter der Bedingung zu einer Zusammenarbeit bereit, wenn sich die Misrachi- Organisation von den Zionisten trenne, womit sich die Misrachi-Vertreter nicht einverstanden erklären könnten. Der Vorschlag der Misrachi-Vertreter, der die Agudas Jisroei einlud, am Er-