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Das jüdische Echo · 1921-01-14 · 2 (14.1.1921) · p. Seite 19

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
2 (14.1.1921)
Date
1921-01-14
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 19 Bericht über den Karteitag des KJV. Vom 25. bis 28. Dezember hat in Leipzig der Kartelltag des Kartells jüdischer Verbindungen unter lebhafter Beteiligung der Bundesbrüder aus allen Teilen Deutschlands stattgefunden. Die Tagung hat gezeigt, daß das Kartell auf dem Wege ist, sich von den schweren Verlusten, die es im Kriege erlitten hat, zu erholen. Es herrscht wieder lebhaftes jüdisches und zionistisches Leben, Arbeitswille und Arbeitsfreudigkeit in den Verbindungen und man ist gewillt, den hohen Anforderungen, die sich aus der günstigen Gestaltung der Verhältnisse in Palästina, aber auch aus der traurigen Lage der Juden Osteuropas ergeben, zu genügen. Dementsprechend stand die Diskussion über die Fragen der sich hieraus ergebenden praktischen Arbeit im Vordergrund der Tagung. Es wurden Referate über „Keren hajessod“ (Palästinagrundfonds) und „Zionistische Dienstpflicht“, über „Die Arbeitsmöglichkeiten der KJV’er in den jüdischen Arbeitsämtern und Arbeiterfürsorgeämtern“ gehalten und über die Erfahrungen auf Grund der bisher auf diesen Gebieten geleisteten Arbeit berichtet. Ein weiteres Referat über „Berufsumschichtung und Erziehung“ ging davon aus, daß sich jeder KJV’er nach Kräften auch beruflich in den Dienst der nationalen Einheit stellen soll und will und legte die vorhandenen Möglichkeiten dar. In Verfolg dieser Referate wurde die Durchführung einer zionistischen Dienstpflicht, die nach Maßgabe der lokal verschiedenen Erfordernisse unter Aufsicht einer örtlichen Arbeitsstelle auszugestalten ist, energische Mitarbeit an der Aktion für den Palästinagrundfonds und Schaffung eines Ressorts beim Präsidium des KJV beschlossen, welches die Aufgabe hat, die Kartellkorporationen auf die Notwendigkeit hinzuweisen, der Berufswahl und Ausbildung der Bundesbrüder von jüdischen Gesichtspunkten aus die größte Sorgfalt zuzuwenden, Ratschläge und Auskünfte in Berufsfragen zu erteilen bezw. zu beschaffen und den hierfür notwendigen Informationsdienst mit der Leitung der zionistischen Weltorgansation, Palästina und Osteuropa zu unterhalten. Numerisch hat das KJV auf dem Kartelltag durch Aufnahme einer neuen Gruppe an der Technischen Hochschule Darmstadt und einer solchen am Polytechnikum Friedberg (Hessen), die zu den bestehenden 30 Korporationen hinzutreten, eine Erweiterung erfahren. Durch Beitritt zu der neugegtründeten zionistischen Studentenweltorganisation ist es in nähere Beziehungen zu den außerdeutschen zionistischen Studentengruppen getreten. Auch hat der Kartelltag durch seine Arbeit die erfreulichsten Aussichten für die weitere Entwicklung des KJV eröffnet, Irrwege. 1. Nationalsozialist^. Die nationalsozialistische Arbeiterpartei hält sämtliche Nichtjuden unter den Kapitalisten für Juden, sämtliche Nichtkapitalisten unter den Juden für Kapitalisten, sämtliche klassenbewußten Arbeiter der Welt aber für eine einzige Schafherde, die den jüdischen Sündenböcken blindlings tn die Wüste ihrer Gedanken nachläuft. 2. Der Popanz. Die antisemitische Demagogie unserer Tage arbeitet vorzugsweise mit einem Popanz, den sie je nach Bedarf „Baron Rothschild“ oder „Trotzki“ nennt und der von vorne den „internationalen Kapitalismu s“, von hinten den „internationalen Sozialismus“ vorstellt. Dieser Popanz wird solange hin- und hergedreht, bis die Leute vorne und hinten nicht mehr unterscheiden können, alle jüdischen Sozialisten für Multimillionäre, alle jüdischen Kapitalisten für blutige Revolutionäre halten und von dem Schwindel gepackt werden, das Judentum sei eine Schlange, die sich selbst auffrißt. 3. Kurz und bündig. Auf die Frage: „Was halten Sie von unserem kontinentalen Antisemitismus?“ erwiderte Björnson vor einem Menschenalter: „Der Haß gegen den Kapitalismus ist auf Irrwege geraten.“ Heute würde er sagen müssen: „Der Haß gegen den Sozialismus ist auf Irrwege gerate n.“ Denn was noch vor einem Menschenalter instinktiv Reaktion dummer Kerle gegen den Kapitalismus war, das ist heute bewußte Reaktion überschlauer Kerle gegen den Sozialismus. Aus der Jüdischen Welt Palästina. Einführung der Geflügelzucht in Palästina. In Petach-Tikwah hat sich vor einem halben Jahr ein Engländer namens Sarezky niedergelassen, der dort eine Geflügelfarm in größerem Umfang einrichten will. Er brachte die erforderlichen Einrichtungen sowie auch Rassenhühner mit, von denen jedes jährlich etwa 300 Eier legt. Sarezky nimmt an, daß seine Farm in fünf Jahren so weit gediehen sein wird, daß sie jährlich 20 000 Eier produziert und daß sich in drei Jahren bereits der Preis für Geflügel und Eier auf die Hälfte vermindert. (Z. K.) Neuer Arbeitsbedarf für Palästina. Die palästinensische Regierung hat an die Zionistische Organisation nach London telegraphiert, daß sie für die Durchführung öffentlicher Arbeiten sofort tausend Arbeiter benötigt Die während der Regenzeit herrschende vorübergehende Arbeitslosigkeit hat auch im übrigen inzwischen ihr Ende gefunden. Das Departement für öffentliche Arbeiten in Palästina kündigt die Vergebung neuer Chauseebauten an, darunter einer von Akka nach Safed und einer zweiten im Ostjordanland von Es Salt nach Amman. (Z. K.) Tiberias erhält Wasserleitung. Tiberias, das während des Krieges elektrische Beleuchtung erhalten hat, wird demnächst auch eine Wasserleitung erhalten, welche die Stadt mit gesundem Wasser versorgen wird. Die Rohrleitungen sind bereits zum größten Teil gelegt. Tiberias war bisher auf das Wasser des Genezarethsees angewiesen, dessen Benützung aus sanitären Gründen unerwünscht ist. Orthodoxe Kolonie. Nissenbaum, Vertreter der Agudas Jisroel in Deutschland, der eine Million Mark für eine orthodoxe Kolonie in der Nähe von Haifa gespendet hat. ist in Haifa eingetroffen und weitergereilst, um zu diesem Zweck Untersuchungen in Galiläa anzustellen. Preisrückgänge. Die Weizen- und -Mehlpreise gehen infolge der großen Einfuhr aus Australien und Argentinien langsam herunter. Auch der Preis antiquarischer, wie auch neuer Bücher ist gesunken, da die Auswanderer nach Amerika zum Teil ihre Bücher verkaufen.

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