Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 2 (14.1.1921)
- Date
- 1921-01-14
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Das Jüdische Echo Nr. 2 jeder neue Staat, der nach Aufnahme in den Völkerbund strebt, die Verpflichtung übernehme, in seine Konstitution die von der Friedenskonferenz anerkannten Minderheitsrechte aufzunehmen. Bekanntlich hat Lord Cecil das Problem iim Plenum bereits aufgeworfen, worauf es an die 5. Kommission nach Wahl einer zusätzlichen Subkommission (Cecil. Motta, Benes) verwiesen wurde. Das K. d. J. D. hat darauf in diesem Stadium ein spezielles Memorandum überreicht und es besteht die Hoffnung, daß die Frage endgültig gelöst werden wird. Bezüglich der Ukraine wird das K. d. J. D. dem Völkerbunde eine besondere Deklaration überreichen, welche ein Echo der furchtbaren jüdischen Tragödie darstellt. Das K. d. J. D. beschäftigt sich ferner mit den Pogromen in Ungarn, mit den Fragen der Juden von Danzig, mit der Angelegenheit der ostgalizischen Flüchtlinge in Wien usw. Schließlich hat die Nichteinhaltung des Vertrages über den Schutz der nationalen Minoritäten durch Polen eine besondere Aktion des Komitees der Jüdischen Delegationen zur Folge gehabt. Das Joint Foreign Committee beim Völkerbund. London, 20. Dezember. (Jüd. Korr.-Bur.) Der in besonderer Mission zur Tagung des Völkerbundes in Genf entsandte Sekretär des Joint Foreign Committee, Lucien Wolf, unterbreitete dein Komitee einen Bericht über seine Tätigkeit, die eine Reihe von bedeutungsvollen Erfolgen zeitigte. Der Hauptzweck seiner Mission war die Angelegenheit des Permanenten Gerichtshofes für internationale Gerechtigkeit, um dafür Sorge zu tragen, daß bei der definitiven Festsetzung seiner Statuten und Kompetenz die Interessen der jüdischen Minoritäten entsprechend berücksichtigt werden. Wie das Jüdische Korrespondenz-Bureau bereits seinerzeit gemeldet hat, hatte der in Brüssel tagende Völkerbundsrat das von Tittoni unterbreitete Schema angenommen, welches im großen und ganzen den vom Joint Foreign Committee dem Juristenkomitee im Haag gemachten Vorschlägen Rechnung trägt. Diese Vorschläge betrafen vor allem die Prozedur des Permanenten Gerichtshofes in Fällen von Verletzungen oder einer Gefahr von Verletzungen des Minoritätenvertrages. Wie der Bericht nun besagt, hat die Kommission, der derVölkerbund das Referat über dieses Schema übertragen hat, den Entwurf in abgeänderter Form, jedoch in voller Berücksichtigung der vom Joint Foreign Committee beim Völkerbund gemachten Vorstellungen angenommen. Eine weitere Aufgabe seiner Mission war, sich um die möglichst weite Anwendung des Minoritätenvertrages auf neue Staaten zu bestreben. Diese Bestrebungen wurden von dem vollsten Erfolg gekrönt, was sich bereits gelegentlich des Ansuchens Finnlands um Aufnahme in den Völkerbund zeigte. Ferner galt seine Mission der Frage der Verletzungen des Minoritätenvertrages durch Polen und Ungarn. Im letzteren Falle könnte beim Völkerbund keine unmittelbare Aktion unternommen werden, da der Friedensvertrag von Trianon noch nicht in Kraft getreten ist. Da es aber hieß, daß die ungarische Regierung sich um die Aufnahme in den Völkerbund bemühen will, unterbreitete Lucien Wolf mit Zustimmung des Präsidiums der Völkerbundsversammlung einen Protest gegen eine eventuelle Aufnahme Ungarns in den Völkerbund, indem er auf die Verletzungen des Minoritätsvertrages seitens Ungarns, insbesondere durch die Annahme des Gesetzes wegen der Nichtzulassung jüdischer Studenten zu den Hochschulen, hinwies. Inbezug auf Polen hat Lucien Wolf in Anbetracht der besonders schwierigen Lage, in der sich Polen befindet es vorgezogen, anstatt sich an den Völkerbund zu wenden, unmittelbar mit den polnischen Vertretern beim Völkerbund, Paderewski und Askenasy, in Verbindung zu treten. Dieser Schritt verfehlte seine Wirkung nicht. Die führenden Staatsmänner der Völkerbundsversammlung nahmen ihn mit Genugtuung auf und die polnischen Vertreter erklärten in einem an Lucien Wolf gerichteten Schreiben, formell im Namen der polnischen Regierung, daß diese auf dem Standpunkt des Minoritätenvertrages steht und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen anerkennt. (Der bekannte englisch-jüdische Journalist Lucien Wolf, aus den Anfängen der zionistischen Bewegung als einer deren Bekämpfer bekannt, vertritt in Genf das Joint Foreign Committee, das eine die politischen Interessen des Judentums in den verschiedenen Ländern vertretende Organisation sämtlicher englisch-jüdischen Vereinigungen darstellt.) Jabotinsky-Vor trag in Berlin. Jabotinsky, der Begründer der Jüdischen Legion und der Jüdischen Selbstwehr in Jerusalem, jetzt Direktor des Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod) der Zionistischen Weltorganisation, hielt in Berlin zwei Vorträge über das jüdische Palästina in russischer und deutscher Sprache. Namentlich der Vortrag im Lehrervereinshaus am 6. Januar in deutscher Sprache gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung. Der Andrang war ungeheuer groß; als der Saal schon überfüllt war, verlangten noch Tausende stürmisch Einlaß. Jabotinsky wies auf die Schwierigkeiten hin, welche dem Aufbau des jüdischen Palästina entgegenstehen und zu deren Überwindung die Durchführung der Keren Hajessod-Aktion unerläßlich sei. Im weiteren Verlaufe seines Vortrags forderte Jabotinsky für das entstehende jüdische Palästina von Anbeginn an Elemente der Staatlichkeit im Sinne der Wehrhaftigkeit und wies darauf hin, daß England nicht dauernd den inneren und äußeren Schutz des jüdischen Palästina übernehmen werde. Man dürfe daher England von Anfang an den Schutz nicht ausschließlich überlassen. Das englische Volk, rief Jabotinsky aus, verlange eine Beteiligung der Juden an allen Angelegenheiten der Wehrmacht. Wenn es zu Kämpfen komme, und die Verlustlisten enthielten nur englische, aber keine jüdischen Namen, so werde das englische Publikum dies nicht ertragen. Jabotinsky wies auf die zahlreichen Beispiele jüdischen Heldenmutes bei der Verteidigung von Kolonien hin. Stürmischer Beifall lohnte seine Ausführungen, die er in hebräischer Sprache beendete. (Z.K.) Mode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise W.Brann 4 Oe, München Meuhauseratr. UPI, gegenüber der alten Akademie Sport