Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 2 (14.1.1921)
- Date
- 1921-01-14
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 17 ben ihm kosmopolitische, brüderliche Menschheits- Gefühle unter, weil er nicht abgrenzt. — Dabei grenzt er doch so klar ab; alle Pflichten eines Volkes, kein Volksrecht den Juden. — „Die Juden sind nicht einmal ein Volk“, sagt der „höhere“ Antisemit. „Die Juden sind kein Volk“, hört der Assimilant heraus und möchte dem „Liberalen“ vor Entzücken um den Hals fallen.... Da kriegt er den Tritt in den Hinteren. Uns Nationaljuden ist (in Erwartung göttlicherer Zukunft) der Antisemitismus Nummer eins lieber. Alle Pflichten, daher auch alle Rechte eines Volkes. Die Assimilanten aber stören unsere Verhandlungen. „Ja, ja, alle Pflichten, auch ohne Rechte, nur leben laßt uns, Geschäfte machen“.... Sie unterbieten uns. Sie sind um jeden Preiis zu haben. Minister Mond über seine Palästinareise. (J.P.Z.) Vor seiner Abreise nach Palästina äußerte sich Sir Alfred Mond in einem dem „Weekly Dispatch“ gewährten Interview, daß die Juden Osteuropas zweifelsohne in Massen nach Palästina auswandern möchten; machten sich doch jünge Leute zu Fuß auf den Weg, um nur nach Palästina zu gelangen. Er benütze jetzt die kurzen Parlamentsferien, um seinen längst gehegten Wunsch, das Heilige Land zu besuchen, befriedigen zu können. Er wolle jetzt den Einladungen Samuels folgen und an Ort und Stelle die in Palästina sich bietenden Möglichkeiten untersuchen, speziell in seiner Eigenschaft als Präsident des Economie Council, dem die reichsten Juden Englands an gehören. So manches muß in Erez Israel ins Leben gerufen werden, wie Hafenanlagen, Irrigation, Elektrifizierung, die unbedingt für das Land notwendig sind. Auch mangle es an Häusern, deren Bau ehestens in Angriff genommen werden müsse. Bevor jedoch eine Massen einwanderung einsetzen könne, sei es nötig, große Fonds zur Verfügung zu haben, weshalb das Economic Council seinen Appell an alle Juden der Welt erlassen habe. Es müßten genügend finanzielle Mittel bereit gestellt werden, so daß er, Mond, jederzeit bei Bedarf telegraphisch über 5 Millionen Pfund oder noch mehr solle verfügen können. Palästina dürfte seiner Ansicht nach 3 bis 4 Millionen Menschen fassen können, und er fahre dorthin, um sich über alles eine eigene Meinung bilden zu können. Er möchte auch, daß endlich die Berichte verstummen, daß Spannung und Haß zwischen Ju^en und Arabern herrschen. Es sei dies keineswegs der Fall, und werde niemand von der Besiedelung Palästinas soviel gewinnen, wie die Araber. Er sehe auch voraus, daß Palästina in der Zukunft eine gewaltige Bedeutung für England erlangen werde. Wenn es sich zu einem wohlhabenden agrikulturellen Land entwickeln wird, wird Palästina nicht nur ein großer Absatz-Markt für englische Waren werden, sondern die jüdischen Kaufleute werden die englischen Waren und den englischen Handel in allen Ländern des Orients verbreiten. Die jiid. politische Tätigkeit beim Völkerbund. Der Herausgeber der „J.P.Z.“, der sich anläßlich der Sitzungen des Völkerbundes nach Genf begeben hat, berichtet: Seit 14 Tagen befinden sich der Vorsitzende der Jüdischen Delegationen Nahum Sokolov und seit 10 Tagen der Generalsekretär des Komitees Leo Motzkin in Genf, um bestimmte allgemein jüdische Aktionen durchzuführen, welche mit der Tagung des Völkerbundes und noch mehr mit den späteren Arbeiten der einzelnen Kommissionen des Völkerbundes im Zusammenhänge stehen. Vor allem sind es folgende Probleme, welche das K. d. J. D. nach mehreren Beratungen in Paris veranlaßt haben, die beiden Herren als Spezialdelegationen nach Genf zu entsenden: Die Gefahr weiterer Pogrome, ja der völligen Vernichtung des ukrainischen Judentums; die Nichtanwendung oder Verletzung der Friedensverträge, soweit es sich um die Minoritätsklauseln handelt, in einer Reihe von Ländern; die internationale Durchführung solcher Verpflichtungen seitens derjenigen Staaten, welche noch nicht in den Völkerbund aufgenommen worden sind usw. Dazu kommen noch mehrere Spezialaufgaben. Als wichtigste Aktion hat das K. d. J. D. die Aktion gegen die Pogromgefahr im allgemeinen, insbesondere jedoch auf ukrainischem Gebiet, betrachtet. Auf Initiative des K. d. J. D. ist deswegen ein gemeinschaftliches Schreiben an den Präsidenten des Völkerbundes gerichtet worden, daß außer dem Präsidenten des K. d. J. D. auch vom Sekretär ^es englischen Joint Foreign-Committee, Lucien Wolf, und vom Präsidenten der ITC), Zangwill, unterzeichnet wurde. In diesem an anderer Stelle im Wortlaute wiedergegebenen Schreiben wird der Völkerbund um einen Ausdruck der Sympathie für die Pogromopfer und um Einsetzung einer Untersuchungskommission gebeten. In ähnlichem Sinne hat die „Alliance Israelite Universelle“ eine Eingabe an den Völkerbund gerichtet. Damit ist erst die Aufgabe gestellt, denn es gilt, zwei Regierungen dafür zu gewinnen, daß sie die Frage im Plenum erheben sollen, es gilt durch persönliche Besprechungen und Zustellung der erforderlichen Materialien dafür Sorge zu tragen, daß Wortführer sich melden, welche das furchtbare Verbrechen brandmarken. Um so erstaunlicher ist es, daß außer dem K. d. J. D. die Vertreter der anderen Organisationen unmittelbar nach Überreichung erwähnten Briefes Genf verlassen haben, wo doch geschlossenes Vorgehen aller Teile im Judentum dringend erforderlich wäre. Neben dieser Aktion ist das K. d. J. D. auf dem Gebiete der Minoritätenrechte in Genf tätig. Sokolow hatte seit Ankunft wiederholt Besprechungen mit maßgebenden politischen Faktoren, anläßlich der Frage der Aufnahme Finnlands in den Völkerbund, Besprechungen, die dahin zielen, daß Gedenkt des” ’ Nalionalionds Sammelstelle München Elisabeth Mahler Postscheckkonto 10121 Sammelstelle Nürnberg S. Heinemann Karolinenstr. 42 Sammelstelle Stuttgart S. Friedrich Hirschstr. 24 ^106