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Das jüdische Echo · 1921-01-14 · 2 (14.1.1921) · p. Seite 16

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
2 (14.1.1921)
Date
1921-01-14
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 Das Jüdische Echo Nr. 2 kamen. Ein Blatt, das in dieser Weise jedem Juden etwas zu sagen hätte und dabei keiner Partei dienstbar wäre, würde sich in besonderem Maße dafür eignen, für offizielle Mitteilungen sowohl der Gemeinden — insbesondere der Großgemeinden —, als auch des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Bayerns benützt zu werden. Es hat sich mehrfach als unzuträglich gezeigt, daß die Gemeinden ihre amtlichen Mitteilungen durch die Tagespresse verbreiten, wo sie beim größten Teil der Leser eine höchst ungünstige Aufnahme erfahren (es sei nur an die Mazzoshetze erinnert). Abgesehen davon kann erwartet werden, daß durch offizielle Mitteilungen und Veröffentlichungen seitens der Gemeinden und des Landesverbandes das Interesse an deren Angelegenheiten in der jüdischen Öffentlichkeit gestärkt wird, was als sehr wünschenswert wohl von jedem zu bezeichnen ist. Wir glauben, daß die an den jüdischen Geschehnissen interessierten Personen aller Richtungen den Wunsch haben müssen, den bisher indifferenten großen Teil unserer jüdischen Mitbürger mit jüdischen Dingen zu befassen und daß daher der Plan einder parteilosen Zeitung, die in dieser Richtung wirkt, den führenden Männern aller Richtungen willkommen sein müßte. II. Die Redaktionsführung des umgestalteten Echos ist etwa folgendermaßen zu denken: Die hauptsächlich beteiligten Parteien bilden eine Redaktionskommission aus je einem Beauftragten. Diese Redaktionskommission ist der eigentliche Herausgeber. Dieselbe stellt den Redakteur an und prüft jene Aufsätze, die etwa die Befürchtung erwecken, daß sie an einer der beteiligten Stellen verletztend wirken könnten. Mit Ausschluß solcher Artikel hat jede Richtung die Freiheit der Äußerung im Echo. Es ist von vornherein nichts prinzipiell ausgeschlossen, abgesehen etwa von jüdischdestruktiven, zur Taufe und zum Abfall auffordernden Tendenzen. III. Die wirtschaftliche Basis würde etwa folgende sein: Verleger und Inhaber des Echos ist die Firma B. Heller. Dieselbe bleibt Inhaber des Geschäftsteils, trägt die Kosten der Herstellung und Versendung, während die Organisationen, die die Redaktionskommission bilden, die Kosten der Redaktion übernehmen. Die beteiligten Organisationen sowohl als die Gemeinden und der Gemeindeverband bezeichnen das Echo als ihr offizielles Mitteilungsblatt — was wohl zu unterscheiden ist von einem offiziellen Organ, dessen sämtliche Äußerungen verantwortet werden — und empfehlen ihren Mitgliedern den Bezug und die Unterstützung des Echo. Sie verpflichten sich, ihre sämtlichen Mitteilungen im Jüdischen Echo gegen Bezahlung der entsprechenden Insertionsgebühr erscheinen zu lassen. Es bleibt Angelegenheit des Verlegers, auf dieser Basis die Deckung seiner Unkosten zu finden. IV. Besonders muß darauf hingewiesen werden, daß das Jüdische Echo unmittelbar vor einer Umgestaltung steht, die auf jeden Fall erfolgt. Dieselbe sollte mit dem 1. Oktober abgeschlossen sein, nachdem die Beratungen hierüber seit längerer Zeit schweben. Sie kann möglicherweise bis zum 1. November aufgeschoben werden. Spätestens bis zu diesem Termin wird das Blatt wieder zu wöchentlichem Erscheinen und zu einer vermehrten und intensiveren Tätigkeit zurückkehren. An eine Einstellung desselben wird nicht gedacht. Es bleibt also Sache der bisher am Echo nicht beteiligten Kreise und Parteien, ob sie die Gelegenheit benützen wollen, auch für sich die Publikationskraft zu gewinnen, die ein Blatt darstellt, das jederzeit verfügbar ist. Wir haben dabei keinen anderen Wunsch, als dem Interesse unserer jüdischen Mitbürger zu dienen. Uns wäre eine Tribüne, auf der alle und wir in gleicher Weise zu Wort kommen, eine wünschenswerte Sache. Unsere flssimilanten*) Von M a x B r o d. Geht ein Deutscher zum Tschechentum über, so tut er das für seine Person. Die übrigen Deutschen läßt er ungeschoren. Erklärt sich ein jüdischer Assimilant als Tscheche, so pronunziert er (zur Sicherheit) gleich: Es gibt ja gar keine jüdische Nation. — Man durchdenke diese geradezu kosmische Frechheit! Um seinen Abfall zu verdecken, möchte der Assimilant am liebsten alle Juden zu Zwangsrenegaten machen. Weil er für seine Person es nicht will, darf sich niemand, niemand zum jüdischen Volk bekennen. Gewissenszwang verdunkelte die Welt, wenn es nach diesen „Liberalen“ und „Fortschrittlern“ ginge! $ Zwei weigern sich, jüdische Politik zu machen. Der eine, weil er das Judentum für zu schwach — der andere, weil er es für zu stark hält. Der eine: Wozu Schutz des jüdischen Volkstums? Das Judentum geht ohnedies unter und soll es auch. Es ist degeneriert, von Wcininger als Summe aller Laster durchschaut usw. — Ich rühre keine Hand dafür. Der andere: Wozu Schutz des jüdischen Volkstums? Es schützt sich selbst. Es kann niemals untergehn. Seine Idee ist ewig. Sollte es keine Juden mehr geben, so wird diese Idee eben von anderen Völkern weitergetragen werden (in täuschend ähnlicher Ausführung). Aber sind wir denn nicht wetterfest, hundertmal gescheiter als unsere Feinde? — Das Judentum lebt ewig. Ich brauche keinen Finger dafür zu rühren. Der eine ist zu bescheiden. Der andere zu unbescheiden, liebe Herren Cohen, Alfred Kerr usw. — Und Zionismus heißt die Mitte, der Weg. Das Grundproblem jüdischer Politik: Kann Seele ohne Körper existieren? Es gibt zwei Stufen des Antisemitismus. Der gemäßigtere erkennt uns als Volk an, grenzt sich ab (nicht immer mit schmeichelhafter Motivierung). Der „höhere“ Antisemitismus (Polen, Rumänien) kennt keine jüdische Nation. Er schlägt jeden Juden einzeln, macht ihn dabeü stets für alle und alle für ihn verantwortlich — nur daß es ein „alle“ für uns Juden gibt, will er nicht zugeben. Verhängnisvollster Fehler der Assimilanten: sie packeln mit dem „höheren“ Antisemitismus, schie- *) Aus: „Im Kampf um das Judentum“, Verlag R. Löwit, Wien und Berlin 1920. Diese Zeilen sind zwar mit Hinblick auf die Prager Verhältnisse geschrieben, verlieren jedoch nichts an Geltung, wenn sie irgendwo angewandt werden.

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