Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 2 (14.1.1921)
- Date
- 1921-01-14
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 2 14. Januar 1921! 8. Jahrgang Rufruf an alle die guten Willens sind. Dringender als je bedürfen die Juden einer Stadt und eines Landes eines Sammelpunktes, der allen dient, ein Organ zur Information und zum Austausch der Meinungen, das allen gemeinsam ist. Die Indifferenz jüdischen Angelegenheiten gegenüber ist unsere größte Gefahr, sie zu bekämpfen eine besonders wichtige Aufgabe für alle Parteien. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, hat ein Kreis von jüdischen Männern dieses Blatt vor nunmehr 8 Jahren geschaffen. Mit seiner Gründung war weder die Absicht auf materiellen Gewinn noch politischer Eigennutz verbunden. Das „Jüdische Echo“ sollte eine Tribüne für alle sein und den jüdischen Interessen schlechthin dienen, was es auch in den 8 Jahren seines Bestehens in höherem Maße sogar, als viele verstehen, getan hat. Wenn die Gedanken, die in diesen Spalten vertreten wurden, sehr oft zionistische waren, wenn die Mitarbeiter zumeist Zionisten sind, so liegt dies nicht daran, daß andere Kreise hier nicht zu Wort kommen, sondern daran, daß sie sich nicht zu Worte melden. Immerhin haben die Herausgeber zur restlosen Verwirklichung ihrer ursprünglichen Absicht, die auf Beteiligung aller Juden, die etwas zu sagen haben, an dieser Tribüne zielten, nichts unversucht lassen wollen. Sie sind im Laufe der letzten Monate an die in der Gemeinde herrschenden „liberalen“ Zirkel mirt dem Vorschlag herangetretem, sich mit gleichen Rechten an der Herausgabe des Echos zu beteiligen. Wir geben hier den Vorschlag, den wir machten, im Wortlaut bekannt. Jeder Einsichtige wird zugeben, daß dieser Vorschlag von Machtbegier ungeheuer weit entfernt ist. Aus ihm spricht der Wille, auch unter Opfern den gemeinsamen jüdischen Interessen zu dienen und er ist in der Überzeugung gemacht worden, daß ein so weitgehendes Entgegenkommen von Männern in verantwortlicher jüdischer Stellung gar nicht abgelehnt werden kann, daß Persönlichkeiten, die nur halbwegs die Notwendigkeit begreifen, alle Juden der Gemeinde an den jüdischen Dingen zu interessieren, diese Gelegenheiten mit Freuden erfassen müßten und der Vorschlag ist, um den „Liberalen“ die Mitwirkung ganz leicht zu machen, in so, man kann fast sagen, beispiellos entgegenkommendem und versöhnlichem Maße gehalten worden. Die Antwort: — Eine glatte unbegründete Ablehnung, selbst nachdem ein Herr des „liberalen“ Kreises, dem die Wichtigkeit des Planes sofort klar war, den Vorschlag mit Entschiedenheit befürwortete. Wir unterbreiten heute diese Angelegenheit der Öffentlichkeit, um allen Mitgliedern der Gemeinde — und das sind nach unserer Auffassung alle in der Stadt wohnenden Juden — Gelegenheit zu geben, sich ein Urteil zu bilden. Es möge sich jeder darüber klar werden, ob seinen Interessen als Jude in der Gemeindestube gedient wird. Die „liberalen“ Herren haben offenbar nur ein Interesse an Unternehmungen, die ihrer Macht vollkommen unterstehen und gemeinsame Arbeit für das allgemeine Wohl liegt ihnen augenscheinlich nicht. Gerade das iist es aber, was uns in dieser bitterernsten Zeit besonders nottut. Nicht Wille zur Macht, der heute herrscht, sondern Wille zur Gemeinschaft. Der Vorfall zeigt so deutlich, wie kaum sonst etwas, den Geist, der heute unsere Gemeindestuben beherrscht. Dies zu zeigen, ist der Zweck dieser Zeilen. Darüber hinaus aber liegt uns nach wie vor daran, das „Jüdische Echo“ zu einer allen jüdischen Richtungen gemeinsamen Tribüne zu gestalten und wir fordern alle Juden, die guten Willens sind, und die in jüdischen Dingen etwas zu sagen haben, zur Mitarbeit in unserem Blatte auf. Es ist keine Richtung ausgeschlossen, und alles, was nicht etwa gegen den Bestand des Judentums gerichtet ist, soweit es in der Form genügt, kann hier Platz finden. Die Herausgeber des »Jüdischen Echo“. Der Vorschlag. i. Die Herren, die das Jüdische Echo gegründet haben, sind von dem Wunsche ausgegangen, für München und Bayern eine jüdische Zeitung zu schaffen, die möglichst weite Kreise der Juden dieses Gebietes mit jüdischen Angelegenheiten befassen und über Vorgänge, die das Judentum angehen, informieren soll. Dies ist durch die bisherigen Erfolge des Jüd. Echos, das nunmehr im 7. Jahrgange erscheint, zum erheblichen Teil gelungen. Wenn nun bei den Gründern des Echos der Wunsch nach einer Reorganisation des Blattes besteht, so ist dies auf die Absicht zurückzuführen, jenen erheblichen Teil der Juden unserer Stadt und unseres Landes, der bisher nicht nur dem Echo, sondern meist jeder regelmäßigen jüdischen Lektüre fernsteht und den man großenteils immerhin als jüdisch ziemlich passiv bezeichnen darf, für eine jüdische Zeitung zu interessieren. Wir glauben, daß die Lage, in der sich die Juden besonders unseres Gebietes heute befinden, es jedem Juden zur Pflicht macht jederzeit zu wissen, was im Judentum vorgeht und durch diese Informationen jüdisch aktiver zu werden, als es bisher ein allzu großer Teil der Juden ist. Diesem Ziele könnte, wie wir glauben, ein Blatt dienen, an dem alle jüdischen Parteien beteiligt sind, das keine jüdische Richtung ausschließt, sondern jede gleichermaßen zum Wort kommen läßt, das mit einem Wort eine freie Tribüne für diejenigen Juden jeder Richtung ist, die in jüdischen Angelegenheiten etwas von Belang zu sagen haben. Ferngehalten werden soll aus dem Inhalt des Blattes nur, was in der Form für eine der beteiligten Richtungen kränkend sein könnte. Das Blatt selbst müßte parteilos sein, die Verantwortung für den Inhalt der einzelnen Aufsätze hätte der Verfasser zu tragen. Als Vorbild schweben uns bei diesem Plan die Neuen Jüd. Monatshefte vor, die von Männern der verschiedenen Richtungen herausgegeben wurden und in denen Vertreter der verschiedenen Meinungen zu Wort