Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 1 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103024-9148117--03827-9076652- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 1 Das Jüdische Echo 5 unbegründete Hysterie. Das Komitee werde authentische Informationen und Tatsachenmaterial erhalten und dementsprechend die Lage beurteilen. Die Grenzen Palästinas. Der „Corriere della Sera“ veröffentlicht unter dem Titel „Die Grenzen des zionistischen Staates“ ein Pariser Telegramm, welches besagt: Die Abmachung zwischen Frankreich und England bezüglich der Abgrenzung der beiderseitigen Einflußzonen iim Orient ist von Leygues und dem britischen Botschafter unterzeichnet worden. Das erste Abkommen sei in San Remo abgeschlossen worden, aber die Zionisten drängten auf England, um bessere Grenzen zu erhalten und die Verhandlungen wurden wieder aufgenommen. Leygues hat diese während seines jüngsten Aufenthaltes in London zu Ende geführt, indem er dem „Palästina der englischen Zionisten“ einen Streifen von 25 Kilometer Breite und 50 Kilometer Länge überließ, welcher die Grenzen Palästinas bis zu 75 Kilometer von Damaskus führt. Nachdem so die Grenze festgesetzt sei, wird England unbehindert die Besiedelung des Heiligen Landes durch Zionisten betreiben können. L o n d o n , 28. Dezember. (Jüd. Korr.-Bur.) Die bereits gemeldete Unterzeichnung des englischfranzösischen Übereinkommens über dfe Grenzen zwischen Palästina und Syrien bezieht sich hauptsächlich auf die Fragen der Eisenbahn und des Wasserrechtes. Die Zionistische Organisation teilt mit: Uber die Nordgrenze Palästinas ist folgendes Übereinkommen zwischen der englischen und der französischen Regierung getroffen worden: Alle zur Zeit bestehenden jüdischen Kolonien im Norden Palästinas einschließlich Metulahs, sowie ferner die Stadt Banias sollen innerhalb der Grenzen Palästinas verbleiben. In Bezug auf die Wasser des Jarmuk sowie seiner Nebenflüsse und des obersten Jordanlaufes haben die beiden Regierungen beschlossen, daß die Frage ihrer Nutzbarmachung füT Palästina und der für ihre Regulierung und Nutzbarmachung erforderlichen technischen Anlagen an Ort und Stelle durch eine Kommission festgesetzt werden soll, welche aus Vertretern der französischen Regierung und aus zionistischen Ingenieuren besteht, zusammen mit Vertretern der britischen Regierung. Sollte keine Einigung zu Stande kommen, so wird die Sache an die beiden Regierungen zurückgegeben und die Vereinbarungen werden alsdann ein Teil eines internationalen Abkommens. Die französische Regierung hat die Erklärung abgegeben, daß sie diese Angelegenheit in sehr entgegenkommendem Geiste erledigen will. (Z.K.) Im Kampf um die jüdische Schule. Aus Breslau berichtet die „Frankf. N. J. Pr.“: In der deutschen Judenheit, soweit sie sich um die Erhaltung des Judentums Sorge macht, hat sich gerade in den letzten Jahren immer mehr die Überzeugung durchgesetzt, daß für diese Erhaltung die jüdische Schule notwendig ist. An der Spitze zahlreicher Gemeinden stehen jedoch Persönlichkeiten, die von assimilatorischen Tendenzen geleitet werden und diesen Tendenzen die jüdischen Interessen hintenanstellen. Diese Persönlichkeiten leisten der Errichtung jüdischer Schulen den größten Widerstand; mag das Judentum sich lieber weiter zersetzen und auflösen, als daß es sich in seinem Selbsterhaltungstrieb die eigene Note wahrt und stärkt. Die letzte Sitzung der Breslauer jüdischen Repräsentanten war charakteristisch für diese Anschauungsweise, und es sei daher ihr Verlauf kurz wiedergegeben. Auf eine Anfrage erwiderte im Namen des Vorstandes Justizrat Hirschberg, daß die Gemeinde mit der von einem privaten Verein betriebenen Errichtung einer höheren Schule, von der jetzt bereits die unterste Klasse bestehe, nichts zu tun habe. Wohl gehöre Rabbiner Dr. Simonsohn zum Vorstand des Vereins, er beteilige sich aber nicht am Unterricht. Im Verlauf der Debatte fügte der Vertreter des Vorstandes noch hinzu, daß die Gemeinde die Schule niemals unterstützen werde. Die sich „liberal“ nennende Majorität der Repräsentanten trat diesen Ausführungen bei. Professor Dr. Wohlauer verlangte sogar, daß der Regierung mitgeteilt werde, daß die Gemeinde dem Gedanken einer jüdischen Schule fernstehe, und Repräsentant Walsch prägte den eigenartigen Ausspruch: „Mit dem jüdischen Kindermädchen fängt es an, und. mit der jüdischen Universität hört es auf.“ Die Versammlung trat dem merkwürdig berührenden Antrag Wohlauer nicht bei, sie beschloß aber, innerhalb des jüdischen Gemeindelebens gegen die Schule aufzutreten. Wie wenig weite Kreise der Breslauer Judenheiit mit den Führern einverstanden sind, zeigte am nächsten Abend eine vom „Verein zur Förderung der jüdischen Schule“ einberufene, sehr stark besuchte und glänzend verlaufene Versammlung. Rabbiner Dr. Simonsohn sprach von der jüdischen Schulfrage als der Lebensfrage der deutschen Judenheit Dr. Jsaac Heinemann wies einleitend darauf hin, daß die Anhänger der jüdischen Schule bis in die Reihen der Liberalen reichen, und betonte in seinen weiteren Ausführungen, daß nur die jüdische Schule das vermitteln könne, was wir jüdisches Bewußtsein nennen. Dieses jüdische Bewußtsein niedergerissen und nivelliert zu haben, sei das zweifelhafte Verdienst des politischen Liberalismus. ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND LEBEN f1ÖN£HNER &MZ&MUMMZR 1MK-80 VERLAG DEH+JUGEND*MiyNCHEN