Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 1 (7.1.1921)
- Date
- 1921-01-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Das Jüdische Echo Nr. 53 Mit dem schlechten und entarteten Judentum werden wir nur dann fertig werden, wenn wir uns mit dem edlen und innerlich befreiten Judentum verbinden. Damit die edleren Juden aber gegen die Erbschaft des Ghettos auch wirklich mobil gemacht werden, müssen wir alles tun, diese edlen Elemente nicht durch verallgemeinernden Antisemitismus in Kameradschaft mit den schlechten Elementen hineinzutreiben. Das Germanentum hat in den letzten Jahrzehnten durch solchen verallgemeinernden Antisemitismus schwere Schuld auf sich geladen und die Lösung des Problems außerordentlich erschwert. Statt solcher kurzsichtigen und unchristlichen Stellungnahme müssen alle christlichen Völker sich bewußt werden, daß sie die Sünden ihrer Vorfahren wieder gutzumachen haben. Wo immer wir abstoßende Juden antreffen, da müssen wir an alle die schweren Untaten denken, die von christlichen Völkern an den Juden begangen worden sind — das wird uns nachsichtig machen und uns antreiben, jüdischen Fehlern bei aller Offenheit doch nie mit Roheit und harter Mißachtung zu begegnen. Die Anwesenheit des jüdischen Elementes in unserer Mitte — und gerade oft des durch jahrhundertelange Aussperrung und Mißachtung entarteten Judentums, das sich nun dadurch an uns rächt, daß es alle die in ihm emporgezüchteten Eigenschaften zu unserem Schaden betätigt — das alles ist eine gottgewollte Prüfung für unsere ganze soziale Kultur und vor allem für unser Christentum. Solange wir dieses jüdische Element nur vom Standpunkt kalter und gereizter Abneigung und gelehrten oder ungelehrten Rassendünkels behandeln, solange wird unsere ganze soziale und christliche Kultur auf niederer Stufe stehen bleiben. Jüdische und farbige Weiber. (Z. K.) Deutschland ist das Land der Theorien. Der Deutsche liebt die Gründlichkeit. So hat er auch den Antisemitismus von Anfang an gründlicher aufgefaßt, als die anderen Völker, und hat ihn zu einer theoretischen Vertiefung gebracht, die ihresgleichen sucht. So lächerlich diese Theorien zumeist sind, so schwach ihre Stützpunkte sind und so unbewiesen ihre Unterlagen, so kann man der Organisation dieses sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus und dem Fleiße manches seiner Wortführer eine gewisse Anerkennung nicht versagen. Ein Hirngespinst von Rassentheorien ist auf diesem sumpfigen Boden erwachsen, welche die Höchstwertigkeit des Germanentums über die anderen Rassen und die besondere Minderwertigkeit des Judentums beweisen sollen, und die infolge ihrer Pseudowissenschaftlichkeit ihren Eindruck nicht verfehlt haben und schwerwiegende praktische Konsequenzen zeitigen. Als ein solches Ergebnis sind die neuen Eisenacher Beschlüsse der deutschen Burschenschaft anzusehen, die nicht nur in Deutschland erhebliches Aufsehen gemacht haben. „Die Burschenschaft“, so heißt es in diesem Dokument des großen deutschen Studentenverbandes, „steht auf dem Rassenstandpunkt; deshalb dürfen nur deutsche Studenten arischer Abstammung, die sich offen zum Deutschtum bekennen, in die Burschenschaft aufgenommen werden. Die Burschenschaft verpflichtet sich aufs neue, ihre Mitglieder zu völkischem Bewußtsein zu erziehen.“ Uber diese prinzipielle Ausschließung von Studenten auch nur jüdischer Abstammung aus der deutschen Burschenschaft mag man je nach seiner Stellung innerhalb des Judentums verschiedener Meinung sein. Skandalös werden die Eisenacher Beschlüsse jedoch durch die Tonart, in der das Problem der deutsch-jüdischen Mischehe behandelt ist. „Der Burschentag“, so heißt es, „verpflichtet die einzelnen Burschenschaften, ihre Mitglieder so zu erziehen, daß eine Heirat mit einem jüdischen oder farbigen Weibe ausgeschlossen ist, oder daß bei solcher Heirat der Betreffende ausscheidet.“ Nun kann man es gewiß verstehen, daß vom deutschen Standpunkt aus gegen die Mischehe Front gemacht wird, wenngleich man darüber staunen muß, daß ein national in sich gefestigtes, auf eigenem Boden hausendes Sechzigmillionenvolk durch Übernahme einer numerisch nicht großen Anzahl jüdischer Frauen nationale Einbuße erleiden soll. Bei den in der Diaspora lebenden Juden bedeutet die Mischehe in der Tat eine völlige Zerstörung der letzten Reste ihres Stammcharakters. Daß man für das große deutsche Volk Befürchtungen gleicher Art hegt, ist immerhin erstaunlich. Unglaublich ist jedoch die Art und Weise, in der die Burschenschaft dieses Thema behandeln zu müssen glaubt. Wir wollen der Burschenschaft durchaus nicht den Gefallen tun, uns über ihren Beschluß allzusehr aufzuregen. Er schmerzt uns schon darum wenig, weil wir selbst der Mischehe entgegenarbeiten. Der Hochmutsdünkel jedoch, der aus den burschenschaftlichen Beschlüssen spricht, ist an sich eine empörende Erscheinung und nicht geeignet, das Vorurteil der übrigen Kulturwelt gegen Deutschland zu zerstreuen. In ähnlichem Tone wie die Frage der Mischehe ist die Frage der sogenannten Satisfaktion behandelt. Bekanntlich herrscht an deutschen Universitäten im Gegensatz zu denen aller anderen Kulturnationen noch die Methode der blutigen Abwehr von Ehrenkränkungen durch die scharfe Waffe. Es ist Sache der Burschenschaft, wie lange sie noch einen derartig atavistischen Ehrenkodex beibehalten will. Es paßt jedoch in die geistige Verfassung der Eisenacher Beschlüsse, wenn den einzelnen Burschenschaften nahegelegt wird, fremdrassigen Studenten als solchen die Satisfaktion zu verweigern. Die Eisenacher Beschlüsse sind ein trauriges Dokument des trüben Geistes, der gerade diejenigen Kreise Deutschlands mehr und mehr beherrscht, welche als die Träger der geistigen Werte der Nation gelten und die Erziehung der künftigen Generation leiten sollen. E. M. Der Kampf um die Einwanderung in Ämerika. Das Jüd. Korresp.-Bureau meldet aus New York: Die vereinigten jüdischen Gewerkschaften wandten sich an die American Federation of Labour mit dem Ersuchen, alle möglichen Anstrengungen gegen die Nichtzulassung der jüdischen Kriegs- und Pogromopfer aus Osteuropa zur Einwanderung nach Amerika zu machen. Washingtoner Meldungen zufolge tritt Senator Colt von Rhode Island, der Vorsitzender des Einwanderungskomiitees des Senats ist, gegen die gegenwärtige Kampagne für ein Einwanderungsverbot in Amerika auf. Senator Colt behauptet, daß die gegenwärtige" Informationen über die Einwanderungsfrage nicht genügend seien, um die Haltung derjenigen, welche die Vereinigten Staaten für alle Fremden schließen möchten, zu rechtfertigen. Das Herumreden von 15 Millionen, die die vereinigten Staaten überfluten, sei nichts als