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Das jüdische Echo · 1921-01-07 · 1 (7.1.1921) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
1 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 1 7. Januar 1921 8. Jahrgang Förster über den deutschen Äntisemitismus. Im Verlag „Friede durch Recht“ (Stuttgart) hat der bekannte deutsche Pazifist und Ethiker Professor Fr. W. Förster ein interessantes Buch „Mein Kampf gegen das militärische und nationalistische Deutschland“ erscheinen lassen, in dem er die Sünden des neuen deutschen Geistes in der ihm eigenen Weise aufdeckt. Wir bringen aus dem Werke das Kapitel über die Judenfrage mit Weglassung der Stellen, welche aus der christlichethischen Einstellung des Autors resultieren, zum Abdruck. In dem Kapitel über den deutsch-französischen Konflikt wurde ein Wort Paul Seippels zitiert: daß der Triumph des Rechtes und der Wahrheit im Dreyfus-Prozeß die Ouvertüre zum französischen Sieg an der Marne gewesen sei. Dieses überaus treffende Wort hat eine tiefe, mahnende Bedeutung für Deutschland. So wie Frankreich gerade deshalb der deutschen Wucht standzuhalten vermochte, weil es moralische Kraft und Klarheit genug besessen hatte, um das Recht eines einzigen Juden schwer zu nehmen und monatelang dafür zu ringen, daß das Leben dieses Juden den Militärs entrissen werde — so wird Deutschland endgültig zusammenbirechen, wenn es den deutschen Nationalisten gelingt, weitere Kreise in Deutschland zur Brutalisierung der jüdischen Elemente aufzuhetzen. Wie wir den Juden behandeln, danach werden wir gerichtet werden. Der Jude ist uns gegeben, damit wir uns ihm gegenüber in schwerem Kampf mit eigener iroher Unduldsamkeit zum Rechtgedanken emporringen — unser eigenes Recht in der Welt wird weder durch flammende Proteste noch durch Gewalt und Intrigen, sondern nur durch unsere innerste Bewährung gegenüber dem fremden Rechte zur Anerkennung gebracht werden. Gewiß kann es niemand verwehrt werden, den jüdischen Einfluß für schädlich zu halten und ihn mit allen erlaubten und anständigen Mitteln zu bekämpfen, das wilde und harte Generalisieren aber, die Fußtrittsprache, die gesellschaftliche Ächtung und Ausschließung verrät eine unbeschreibliche Roheit der Gesinnung; man fragt sich mit Grauen, ob das deutsche Volk für diesen Antisemitismus, dessen erster und lautester Wortführer bezeichnenderweise Treitschke war, nicht noch einmal schwer gestraft werden könne dadurch, daß ihm in der Welt das gleiche zugefügt wird, was seine Hetzer jetzt dem Juden zufügen. Eine Ahnung von solchem Gericht kann man im Ausland bekommen, wenn man merkt, wie wir überall als „Boches“ gestempelt sind; da kann man sich eine Vorstellung von der Tiefe des Wehes machen, das die hochgesinnten Elemente unter den Juden über diese verallgemeinernde Ausstoßung, über diesen Makel ihrer Geburt, über diese unmenschliche Mißachtung empfinden. So wie im vorangehenden vom Preußen gesagt war, daß er die letzten Konsequenzen aus einem allgemeinen Weltzustand gezogen habe und dadurch ein Spiegel für eben diesen Weltzustand geworden sei, so darf man auch vom Juden sagen, daß sein Geschäftsgeist nicht etwa ein isoliertes Übel innerhalb der menschlichen Wirtschaft darstellt, sondern vielmehr das tiefste Wesen dieser Wirtschaft mit konzentrierter Betriebsamkeit und Logik ans Licht bringt und deshalb ein Spiegel der Selbsterkenntnis für den Geist unserer „arischen“ Ökonomie ist. Man soll gewiß die Art von jüdischem Typus, die auf diesem Boden gewachsen ist, nicht beschönigen, es ist aber der Gipfel der Oberflächlichkeit, wenn man den Zorn all derer, die unter dem modernen Geldmenschentum leiden, auf den Juden ablenkt, statt ihnen das Wort auf die Lippen zu legen: Nostra culpa, nostra maxima culpa! Denn auch die arischen Kapitalisten sind nicht Banditen innerhalb einer Welt von Liebe und Ehrlichkeit, sondern auch sie bringen auf einem ganz bestimmten Gebiet nur die allgemeine rücksichtslose und kulturlose Gier nach materieller Sicherung und Macht zum Ausdruck. Für das deutsche Volk wird die Art seiner Stellungnahme zur Judenfrage außenpolitisch und innerpolitisch von höchster Bedeutung werden. Es möge sich dreimal besinnen, ehe es sich in das Treiben seiner Antisemiten hineintreiben läßt. Wir haben wahrlich genug Feinde in der Welt, es fehlte gerade noch, daß wir auch jetzt noch, wo unsere ganze Wiederherstellung von riesigen Krediten abhängt, die jüdische Hochfinanz der ganzen Welt gegen uns aufbringen. Ferner: Unsere weltgeschichtliche Aufgabe in den nächsten Zeiten wird die kulturelle und soziale Auseinandersetzung mit dem Ostjudentum werden. Wir können dieses Problem in einer Weise lösen, die uns den Dank der ganzen Welt bringen würde, wir können es aber auch in einer Weise behandeln, daß es zum Ausgangspunkt einer allgemeinen europäischen Vergiftung wird. Innerpolitisch endlich sollten wir bedenken, daß wir Zwietracht und Streit genug im Innern haben — sollen wir uns nun noch das deutsche Judentum, dessen Energie und Sachkenntnis wir zum Aufbau unserer Wirtschaft unbedingt brauchen, wieder gegen uns mobil machen und es in die Reihen unserer Gegner treiben? Ist dies ganze Treiben nicht der reinste deutsche Selbstmord? Es sei dem Verfasser gestattet, hier folgende Schlußsätze des Kapitels über die Judenfrage aus seiner „Politischen Ethik und politischen Pädagogik“ zum Abdruck zu bringen: „Es ist etwas von der Vorsehung Bestimmtes, daß in vielen Erscheinungen des entwurzelten Judentums uns die ganze Häßlichkeit und Gottverlassenheit der Selbstsucht in ihren verschiedensten Erscheinungsformen ausgewachsen und abstoßend vor Augen tritt. Wir können uns dagegen aber nur dadurch zur Wehr setzen und zugleich dem hochgebornen Volke selbst aus seiner weltgeschichtlichen Not heraushelfen, — daß wir uns gerade im Angesicht der ausgewachsenen Selbstsucht zur ausgewachsenen Liebe bekennen und dieses Bekenntnis im Umgang mit dem. Judentum zur Tat werden lassen.

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