Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 53 (31.12.1920)
- Date
- 1920-12-31
- Page
- Seite 511 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 53 Das Jüdische Echo 5i 1 zwischen der Brutalität der Schlachthäuser und den Greueln der Menschenabschlachtungen im Kriege kann nicht geleugnet werden, wie bereits Jesajas gesagt hat: „Wer einen Ochsen schlachtet, bringt auch einen Menschen um“ (61,3). (Siehe: Aron H.Fränkel: „Du sollst nicht töten! oder die Tora des Vegetarismus“, New York 1896.) 15. Der Messiasgedanke, daß die Menschen mit den Tieren im Frieden leben werden (Jes. 11,6), gewinnt bei den Danieiiten einen deutlichen und realen Hintergrund. Es ist nachgewiesen worden, daß manche Raubtiere sich in der Jugend an fleischlose Kost gewöhnen und ihre Raubtiernatur allmählich von sich abstreifen können. Viele Raubtiere leisten den Landwirten durch Vertilgung der Schädlinge der Landwirtschaft gute Dienste, werden als Freunde des Menschen angesehen und durch Schutzparke vor Ausrottung bewahrt. 16. Auch in ästhetischer Hinsicht ist die Pflanzenkost, die die Gedanken des Menschen bei Speise und Trank auf die herrliche Natur lenkt und sie in keiner Weise durch die häßlichen Erinnerungen an die Fleischerzeugung trübt, der tierischen Nahrung entschieden voTzuziehen. Es gibt eine große Anzahl von Dichtern und Künstlern, die aus rein ästhetischen Gründen den Fleischgenuß aufgegeben haben. (Siehe „Dokumente des Vegetarismus“ von Walter Hammer.) Die Danieiiten suchen durch ihre reine Lebensweise einen Ausgleich zwischen der Ästhetik der Seele und .der der Materie zu schaffen. 17. Die modernen Schlachthäuser sind die häßlichsten Erscheinungen der zivilisierten Welt und können keinen Platz finden in einem auf geistiger und sittlicher Grundlage aufgebauten Staat. Palästina wird nie in ethischer Hinsicht als Vorbild gelten können, solange es dort noch ein einziges Schlachthaus zum Zwecke der Fleischgewinnung geben wird. Würde man einen Danieiiten zum Übersiedeln in das gelobte Land einladen und ihm erzählen, daß es dort wunderschöne Schlachthäuser mit edlen Metzgern gibt, so könnte er eine ähnliche Antwort geben, wie die, die ein von Christen gepeinigter Indianer einem spanischen Missionär gab, als er ihm von den Schönheiten des Jenseits und vom christlichen Paradies erzählt hatte: „Wenn in diesem Paradies sich auch Christen befinden, verzichte ich auf die christlichen Genüsse im Jenseits.“ (Siehe „Grausame Genüsse“ von Tolstoi. „Sumpf“ von U. Sinclair, „Schlachthausgedanken“, 2. Flugblatt des Daniel-Bundes.) 18. Abgesehen von den Tierschlachtungen, die, trotz der angeblichen oder wirklichen Verbesserungen der Schlachtmethoden, nicht ohne Grausamkeit durchgeführt werden können, über treffen die Tierquälereien, denen die Schlachttiere ihr Leben lang, beim Mästen, bei den längeren Transporten in Eisenbahnwaggons usw. ausgesetzt sind, um das Vielfache die Grausamkeit der Schlachthäuser. Demnach sind alle fleischessenden Tierschützer inkonsequent. Ihre Ausfälle gegen die Schächtmethodc können als Mittel zur Betäubung ihres eigenen Gewissens angesehen werden. Der Danielite ist auch der wahre Tierschützer. (Siehe „Mensch und Tier“ von N. Chavkin, Verlag J. Schönfeld, München.) 19. In wissenschaftlicher Hinsicht stützen sich die Danieiiten zunächst auf die Lehren von Linnee, Lamarck, Darwin u. a„ wonach der Mensch weder eine eigene Klasse, noch eine besondere Ordnung im Tierreich bildet, sondern zur Ordnung der Primaten gehört, die in Anthropoiden (Menschen) und Simiaden (Affen) zerfällt; sie weisen eine auffallende Ähnlichkeit im Zahnbau, in der Ausbildung der Kletterwerkzeuge u. dgl. auf und liefern den unumstößlichen Beweis, daß der Mensch ursprünglich ein Fruchtesser war (man beachte die besondere Vorliebe der Kinder für Obstnahrung); daß die bei vielen Völkern übereinstimmende Sage vom paradiesischen Zustande unserer Urahnen eine entwicklungsgeschichtliche -Tatsache darstellt. Ferner hat die neuere Tierpsychologie auf Grund der Ergebnisse des Sprachunterrichts bei Pferden und Hunden in unwiderleglicher Weise die Ähnlichkeit der Tierseele mit der Menschenseele nachgewiesen. (Siehe „Denkende Tiere“ von Karl Krall, „Die Seele des Tieres“ von Prof. Dr. H. E. Ziegler.) 20. Die Neuessenische Kultur der Danieiiten in Palästina wird die alte von den denkenden Europäern so hoch geschätzte Indisch-Buddistiische Kultur dadurch überflügeln, daß sie nicht nur das Leben der Tiere achtet, sondern auch den menschlichen Kastengeist, der.sowohl in Indien wie auch in der ganzen zivilisierten Welt infolge der Macht des Kapitalismus herrscht, durch eine gerechte soziale Ordnung völlig überwinden wird. 21. Die Industrie in den Danieliten-Kolonien in Palästina wird weder das ausbeuterische System, noch diie knechtischen Konzentrationsformen der europäisch-amerikanischen Fabrikbetriebe annehmen. Bei weitestgehender Anwendung der erprobten technischen Fortschritte soll den Industriearbeitern nach Möglichkeit Selbständigkeit gewährt werden. Durch Einführung von Komplexen verwandter Industriezweige, in den einzelnen Siedlungen (Kolonien für Bekleidungsgewerbe, für Papierbearbeitungs-Industrie usw.), durch Zerlegung mancher Fabrikbetriebe in Heimindustrien, ferner durch Zuteilung genügender Gartenparzellen für Selbstversorgung der Arbeiterfamilien, sollen die Vorteile der Arbeitsteilung, der maschinellen und anderen Hilfsmitteln ausgenutzt werden, bei gleichzeitiger Wahrung der Gesundheit und der freien selbständigen Betätigung der Arbeiter innerhalb oder außerhalb der Genossenschaft. (Schluß folgt.) Habe eine Zahnprajcis eröffnet München, Baaderplatz U Eingang Kohlstrasse H. ULLMRMM, DEMTIST früher Nürnberg / Spez. Laboratorium für feine Zahntechntk fachmännische, individuelle persönliche Behandlung Gedenkt des jüdischen Nationallonds Sammelstelle München Glisabeth Mahler Postscheckkonto 10121 Sammelstelle Nürnberg S. Heinemann Karolinenstr. 42 Sammelstelle Stuttgart S. Friedrich Hirschstr.24