Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 53 (31.12.1920)
- Date
- 1920-12-31
- Page
- Seite 512 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102977-9141989--03814-9076639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
512 Das Jüdische Echo r. 53 Aus der jüdischen Welt Morgenthaus neue Betrauung. Als Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen zwischen den Türken und Armeniern wurde der frühere amerikanische Botschafter in Konstantinopel Henry Morgenthau bestimmt. — Hoffentlich nimmt Morgenthau die Gelegenheit wahr, sich mit den Pogromheldentaten der Armenier zu befassen. Bedeutende Besserung des Zustandes Dr. Max Nordaus. Der Gesundheitszustand Dr. Max Nordaus hat sich bedeutend gebessert, so daß keine Gefahr mehr vorhanden ist. Palästina Die Lage des Arbeitsmarktes in Palästina. „Nation“ (Konstantinopel) berichtet: „Seit dem Beginn des Winters hat sich die Lage der Arbeiter in Palästina bedeutend gebessert. Die Spezialhandwerker, wie Schneider, Schuhmacher usw., welche ins Land gekommen sind, haben Arbeit gefunden. Die Krisis im Bauhandwerk, welche scharfe Formen angenommen hatte, wird beigelegt werden können, da die Regierung den Maurern Arbeit verschafft hat. Die Setzer können nur schwer Arbeit finden in Anbetracht des Mangels an Papier, wodurch auch der Druck von schon fertiggestellten Büchern verzögert wird. Die Goldschmiede machen eine schwierige Zeit durch, ebenso die Graveure. Absolut unmöglich ist es, ungelernten Arbeitern Beschäftigung zu geben. Mechaniker finden Beschäftigung in den kleineren Werkstätten, aber es gibt noch keine Werkstätten von größerem Umfang. Eine große Reparaturwerkstätte würde hier gute Aussichten auf Erfolg haben. Die große Teuerung macht die Existenz der arbeitenden Klassen im Lande recht unsicher. (Z. K.) Eine palästinensische Handelskammer in der Schweiz. In der Schweiz ist, laut Zionist. Korresp., eine palästinensische Handelskammer für die Schweiz im Entstehen begriffen, deren Gründung auf die Initiative des Schweizerischen Zionistenverbandes zurückzuführen ist. Der Zweck ist Unterstützung der wirtschaftlichen Neubelebung Palästinas. (Z. K.) Deutschland Berlin. -R- Der preußische Unterrichtsminister, Haenisch, hat vor einiger Zeit erklärt, er habe die Absicht, die deutschen Hochschulen den Angehörigen der östlichen Länder, in denen nach seiner Meinung die Zukunft Deutschlands liegt, unbedingt offen zu halten. Diese Erklärung, die vom „Pädagogischen Zentralanzeiger“ veröffentlicht wurde, hat in den deutschen Studentenkreisen eine heftige Agitation zur Folge gehabt. Der Verband der Turnerschaft auf deutschen Hochschulen, der über 10 000 Akademiker zu seinen Mitgliedern zählt, beschloß auf seiner Tagung in Marburg einen Protest, worin ausgesprochen wird, daß dieses Verhalten des Unterrichtsministers für die Studentenschaft nur ein neuer Grund ist, den Kampf gegen die Ostjuden mit aller Energie weiterzuführen. — Wie das Auskunftsamt der Berliner Universität mitteilt, ist entgegen den Behauptungen der reaktionär-studentischen Agitation die Zahl der ausländischen Studenten sehr gering. Nur etwa jeder zwanzigste Student ist ein Ausländer. Im übrigen wird bei Aufnahme jedes einzelnen Ausländers seine persönliche Eignung geprüft und sein Gesuch auf Grund dieser Prüfung und der mit Rücksicht auf die Inländerzahl bestehenden Möglichkeiten entschieden. Ungarn Budapester Urteile. Hauptmann Madarasz, der mehrere Gegenrevolutionäre dem Volkskommissar Otto Korvin-Klein angezeigt hatte, von denen zwei auch hingerichtet wurden, ist heute nach mehrtägiger Verhandlung zu lebenslänglichem schweren Kerker unter Verlust seines Ranges und aller Auszeichnungen verurteilt worden. Budapest, 24. Dezember. Der Reichsverweser Horthy erläßt eine Amnestieverordnung, wonach alle Personen, die unter der Räteregierung zu Gefängnis oder Geldstrafen verurteilt wurden, amnestiert werden. Die Gnade erstreckt sich auch auf Personen, die in der Zeit vom Sturz Kuns bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung wegen Delikten verurteilt wurden, die sie aus Erbitterung gegen das Rätesystem begangen haben. Der Erlaß ist also eine Belohnung aller Verbrechen, die im Namen der Gegenrevolution begangen wurden. Feuilleton Parallelen. 1. Der gute Jude. In der Natur waltet ein Prinzip der Sparsamkeit und Gerechtigkeit, das jede allgemeine Bevorzugung eines Volkes vor den anderen ausschließt. Trotzdem sind alle Völker, zumal die großen und mächtigen, tief vom Gegenteil überzeugt und ebenso leicht geneigt, die Vorzüge der anderen für Fehler, wie die eigenen Fehler für Vorzüge zu halten. Der in der Zerstreuung lebende .lüde hat die Wahl, ob er sich den Vorurteilen seiner Wirtsvölker oder ihren Vorzügen anpassen will. Tut er das Erstere, so häuft er eigene Fehler durch fremde, tut er das Letztere, so mehrt er ererbte Vorzüge durch erworbene. 3Jlündjner 3teueffe 3tad)rid?fen ©fe $roge poftftfdje fübbeuffcfte Seifung Xdgti'cf? 3tt>ci Sfu^aben Sfnerfannf fefjr erfolgreiche^ 3nierfion3organ.