Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 49 (3.12.1920)
- Date
- 1920-12-03
- Page
- Seite 461 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9102977-9141732--03755-9076580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
461 Das Jüdische Echo Nr. 49 det. weil deren Wesen und Treiben an „dem wachsenden Zorn“ ihrer polnischen Mitbürger schuld war? Und die Tschechen inszenieren heute ihre Hetze gegen „Deutsche und Juden“, aber vornehmlich gegen Deutsche aus gleichem Grunde? Dann wird wohl auch die „schwarze Schmach“ im besetzten Gebiet der deutschen Bevölkerung in jenen Ländern, „in denen sie sich sehr dicht niedergelassen hat“, aufs Schuldkonto zu setzen sein! Denn nach dem Beobachter hat immer der recht, der die Waffen und die Macht besitzt, und sie brutal zu nützen weiß! Wäre der Beobachter so ehrlich, wie er es nicht ist, so würde er mit uns den Judenhaß wie den Deutschenhaß für Entladungen nationaler Gegensätzlichkeiten halten, die häufig dort eintreten, wo Menschen verschiedener völkischer Zugehörigkeit eng nebeneinander wohnen müssen, für Reibungen, die unter normalen Umständen zu Kriegen zwischen Völkern und Staaten führen. Dann würde er auch einsehen, daß in solchen Fällen nicht von einer „Schuld“ an diesen Gegensätzen gesprochen werden kann. Wäre der Beobachter nun so anständig, wie er es nicht ist, so würde er mit uns der Meinung sein, daß Ausschreitungen jeder Art zu verurteilen, daß sie abscheulich sind, ob sie sich nun gegen Juden, Deutsche, gegen Weiße, Schwarze oder Gelbe richten. Wäre der „Beobachter“ mit all seinem Raffinement klug, wie er es nicht ist, er würde die Gefahr erkennen, die in Äußerungen wie in dieser Notiz für die Deutschen in der Diaspora liegt: wehe, wenn Deutschenfeinde sich auf sie berufen und danach handeln wollten! Uns als Juden aber ist die Notiz des „Beobachters“ und ihr widerspruchsloser Abdruck in anderen Zeitungen ai.> ein „unvorsichtiges Geständnis“ jener Kreise wertvoll, die mit dem Munde Verfechter der Moral und anständigen Lebenswandels sind, die aber im Herzen das Vorgehen von Mördern, Dieben und Zuhältern billigen. Wir Zionisten haben wahrlich nichts gegen anständige nationale Gesinnung. Die muß aber vornehmlich darin bestehen, daß man das eigene Volk stark macht und es sich auf sein Bestes besinnen läßt, daß man vor allen Dingen es reinigt von niedrigen Gesellen und Gesinnungslumpen jeder Art. Wir verbitten es uns, daß man das jüdische Volk mit seinen Schiebern und Wucherern identifiziert wir glauben, daß jeder wahre Deutsche sich entrüstet gegen die Gemeinschaft mit den traurigen Burschen verwahren sollte, denen so liebliche Geständnisse entschlüpfen, wie jenes, das wir zu Beginn unseres Aufsatzes veröffentlichten. Karl Glaser. Entspannung in der Lage der jüdischen Arbeiter in Oberschlesien. Wie bereits von uns vor längerer Zeit mehrfach berichtet wurde, hatten sich in Oberschlesien durch die schlimmen Hetzereien, die sowohl von deutschnationaler, wie polnisch-nationaler Seite gegen die dort befindlichen ostjüdischen Arbeiter betrieben wurden, in Oberschlesien große Mißhelligkeiten ergeben. Obwohl die überwiegende Mehrzahl der in Oberschlesien sich aufhaltenden jüdischen Flüchtlinge im Bergbau und in der Schwerindustrie produktive Arbeit taten und mit ihren deutschen Arbeitskollegen durchweg vortrefflich auskamen, wurden in den Gruben unter Tag die polnischen Arbeiter derartig verhetzt, daß während der Unruhen im Julii und August es zu schlimmen Gewalttätigkeiten gegen die dort befindlichen jüdischen Bergarbeiter kam. Es dürfte auch noch bekannt sein, mit wie grausamen Mitteln mehr als 500 jüdische Arbeiter während dieser schlimmen Tage über die Grenze nach Polen abgeschoben und dort einem fürchterlichen Schicksal entgegengeführt wurden. Nunmehr scheinen aber die Bemühungen und Verhandlungen, die das Arbeiterfürsorgeamt Berlin in Zusammenhang mit seiner Zweigstelle Kattowitz geführt hat, ein Ergebnis erzielt zu haben, das gleicherweise die Interessen des oberschlesischen Landes, wie die der Humanität und der Neutralität den Flüchtlingen gegenüber berücksichtigt und befriedigt. Die Interalliierte Kommission in Oppeln hat, wie uns berichtet wird, Bestimmungen über das Aufenthaltsrecht der in Oberschlesien befindlichen ostjüdischen Flüchtlinge herausgegeben, die sich von jeder antisemitischen Voreingenommenheit freihalten. Diese im Interesse der Staatsraison liegende Regelung ist auf der einen Seite, soviel wir hören, tatkräftig gefördert worden durch den deutschen Bevollmächtigten bei der Alliierten Kommission; auf der anderen Seite war es ganz Erstklassiger Herrenschneider fl. E I H W fl <5 annehmbare Preise MÜNCHEN Residenzstraße 13/1 (Ma/c Joseph-Platz) POBZELLAN-NIKOEBLAGE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 33 gegenüber der FeldhermhaUe GRÖSSTE AUSWAHL IN GEBRAUCHSPORZELLAK TÄGLICHE LAGEREBGÄAZUNG