Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 49 (3.12.1920)
- Date
- 1920-12-03
- Page
- Seite 460 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Das Jüdische Echo Nr. 48 Polen und Ungarn erübrigt sich hier, wenn man weiß, wie die Juden hierin zu übertreiben belieben. Außerdem geschähe gegen die Juden in jenen Ländern, wo sie sich sehr dicht niedergelassen hatten, sicher nichts, wenn eben ihr Wesen und 1 reiben nicht selbst an dem wachsenden Zorn der Bevölkerung schuld wäre. Für uns ist die von jüdischer Seite gemachte Feststellung bemerkenswert und wichtig, daß die große Presse vielfach (es könnte ebensogut heißen: ganz) von Juden geleitet ist. Dieses Geständnis wollen wir festhalten und besonders jene Deutschen darauf aufmerksam machen, die heute noch den Schlaf in den Augen haben.“ Die Notiz ist nun gewiß ein „unvorsichtiges Eingeständnis“ — freilich nicht jüdischerseits, sondern seitens des antisemitischen „Beobachters“ und seiner gleichgesinnten Nachbeter. Der zitierte Aufsatz „Heute oder nie“ ist von einem Zionisten geschrieben worden. Wir Zionisten glauben gewiß genügend Verständnis für nationales Empfinden auch bei anderen zu haben und wir machten nie ein Hehl daraus, daß uns die „Frankfurter Zeitung“ und das „Berliner Tageblatt“ oder andere derartige Organe ebenso wenig als berufene Künder deutscher öffentlicher Meinung wie als geeignete Vertreter jüdischer Interessen erscheinen. Das weiß der „Völkische Beobachter“ und seine Klique ganz gut — so gut, wie er weiß, daß von einem in Gesinnung und jüdischer Betätigung einheitlichen Judentum nicht die Rede sein kann, und daß die Zionisten weder für Kundgebungen dies nichtzionistischen Judentums, noch das letztere für zionistische Anschauungen verantwortlich gemacht werden können: es müßte denn der „Völkische Beobachter“ oder die „Süddeutsche Zeitung“ die Verantwortung für Äußerungen des „Vorwärts“ oder des „Sozialdemokrat“ vor In- und Ausland mittragen wollen. Hätte man in der Schriftleitung der genannten Blätter den Aufsatz im „Echo“ gelesen, anstatt sich damit zu begnügen, ein paar zufällig erhaschte Zeiten für Parteizwecke auszunutzen, so hätte man all das erkennen müssen. — Aber sei’s wie’s sei. Interessanter ist die Bemerkung über die Judenpogrome und die Stellung, die der „Beobachter“, die „Süddeutsche Zeitung“ und ähnliche Pogromblätter zu ihnen einnehmen. Unser Aufsatz wies ausdrücklich darauf hin, daß die erwähnten Greueltaten nicht nur jüdiischerseiits gemeldet wurden, sondern daß sie von der englischen ArbeiterkommiiSSLon unter Oberst Wedgeworth ausdrücklich bestätigt worden sind. Die Zahl der 143 000 in Südrußland Hingeschlachteten ist nie dementiert worden. Der Fall der Frau Hamburger in Budapest, den die bekannte englische Broschüre behandelt, ist notorisch wahr. Aber was macht das bischen Morden und Brennen einem Blatte, das den Erpresser Braßler zu seinen geschätztesten Mitarbeiter zählte? Die entmenschten ukrainischen Banden, die 1918 versprengte deutsche Soldaten ebenso ermordeten, wie heute wehrlose Juden, die damals deutsche Krankenschwestern schändeten wie heute Jüdinnen, die sich damals an Regitmentskassen und Bagagen des deutschen Heeres bereicherten wie heute an jüdischem Hab und Gut — diese Räuberhorden mit den Gewohnheiten des dreißigjährigen Krieges rekrutieren sich gewiß aus Leuten nach dem Herzen des „Völkischen Beobachters“. Die Offiz iersb an den in Ungarn, die in den Gefängnissen ihrer schmutzigen Geilheit Opfer suchten, die Juden, Sozialisten und schließlich auch Schutzleute ermordeten, sodaß sogar die „christliche“ Regierung Ungarns schließlich gegen sie Vorgehen mußte, diese Zuhälter, Mörder und Räuber haben unter den Lesern des „Völkischen Beobachters“ Gesinnungsgenossen und Freunde, die anscheinend nur auf den Tag zur hemmungslosen Betätig gung ihrer Gelüste warten. Oder täuschen wir uns in dieser Hinsicht und hat der „Beobachter“ recht, wenn er behauptet, Pogrome nicht zu wollen? Ach Gott, wir haben gute Kenntnisse vom Wesen des Geschäftsantisemitismus, wir wissen genug von Ehren-Ahlward't, von Bruhn, von Braßler und Knüppel-Kunze oder jenem Geschäftsführer der Einsteinhetze, der eine „wissenschaftliche“ Auseinandersetzung als Angelegenheit, bei der es etwas zu verdienen gäbe, behandelte. Welches Geschäft aber wäre größer als ein Pogrom?! Man bereitet ihn schon dadurch vor, daß man den Veranstaltern der Hetze die Verantwortung für ihre Untaten möglichst zu ersparen sucht. Die lieben Polen, Ungarn, Ukrainer, Tschechen hätten den Juden sicher nichts getan, sagt der „Beobachter“ „wenn eben ihr Wesen und Treiben nicht selbst an dem wachsenden Zorn der Bevölkerung schuld wäre.“ Die lieben Polen! Also haben sie die ober schlesischen Deutschen ermor- ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UNO LEBEN (IÜNCHNER 2JVK-80 VERLAG DER^JUGENÖ-MlfÜNCHENI Gedeokl des lüdiscben Nalionalionds Sammelstelle München Sammelstelle Nürnberg Sammelstelle Stuttgart Glisabeth Mahler S. Heinemann S. Friedrich Postscheckkonto 10121 Karolinenstr. 42 Hirschstr.24