Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 48 (26.11.1920)
- Date
- 1920-11-26
- Page
- Seite 451 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 451 Steinwüsten, reiche große Oasen mit weiten Dünenwellen. Karawanen mit einer schier endlosen Zahl von Kamelen ziehen in beiden Richtungen vorbei und lassen die uralte Bedeutung dieser Straße ahnen; denn so, wie wir sie heute hier entlangziehen sehen, zogen sie schon vor tausenden von Jahren. So wurde Josef nach Ägypten geschleppt, und auf die gleiche Weise wanderte vor ihm Abraham mit seinen Herden in das Land der Pharaonen. Allmählich ändert sich das Bild auf der linken Seite. Die Sanddünen werden kleiner und kleiner, und bald sehen wir das Mittelländische Meer neben uns. Die klare dünne Luft und das grelle Licht täuschen unmittelbare Nähe vor, und doch beträgt die Entfernung 3—4 Kilometer. Bald kommen wir nach el-Arisch, dem größten Orte der Sinaihalbinsel, mit echt arabischem Milieu, untermischt von englisch-ägyptischen Militärbildern, und nach einer weiteren Fahrt von eineinhalb Stunden treffen wir in Rafa ein, um hier eine der merkwürdigsten Überraschungen unseres bisherigen Erdendaseins zu erleben. Bisher hörte man englisch und arabisch als Umgangssprache, auf Anschlägen, in der Unterhaltung, wie im Dienstgebrauch; selten französisch. Jetzt auf einmal hören wir eine Sprache, an deren Leben viele bis heute nicht geglaubt haben: Hebräisch. Der Lokomotivführer, der Zugführer, der Rangierer, der Postbeamte, der Bahnhofvorsteher, alle sprechen hebräisch. Rafa ist die Grenze von Ägypten und Palästina. Der Betrieb der Egyptian State Railways einerseits, der der palästinensischen Bahnen andererseits treffen hier zusammen. Hier ist Zollabfertigung und Paßrevision. Und weiter geht die Fahrt an der Küste entlang, ständig wechselnde Eindrücke, Veränderungen von Minute zu Minute. Der-el-Ballah, Zweigstation nach dem 90 km östlich davon gelegenen Berseba. Bald darauf Gaza, ein durch den Gerstenbau seines Hinterlandes ständig an Bedeutung zunehmender Ort. Nach einer weiteren Fahrt durch Gebiete, die nun schon vollkommen anderen Charakter tragen, erreichen wir Ludd. Früher ein kleines Araberdorf ohne sonderliche Bedeutung, mit einem verlassenen Bahnhof an einer Schmalspurbahn von Jaffa nach Jerusalem, ist dieser Ort jetzt der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt nach Palästina, der, mit weitausgedehnten Gleisanlagen versehen, mit mancher europäischen Stationsanlage konkurrieren kann. Hier trennen sich die Wege. Nach Südosten geht es über Ramleh und Bitter nach Jerusalem, in engen geschlungenen Pfaden von fast MeeTeshöhe auf fast 800 m in Bögen und im Zickzack herauf. Nach Westen führt vorläufig nur eine Schmalspurbahn nach Jaffa, die aber in allernächster Zeit umgebaut werden soll, da sie dem Verkehr nicht genügt. Nach Norden wendet sich das Gleis, das sich in Ludd dem Meere bis auf 16 km entfernt hat, nach kurzer Fahrt hinter den Dünen bis Tulkarm der See wieder zu, um über Tantura und Atlit endlich Haifa zu erreichen, das den Endpunkt der Bahn darstellt. Bis etwa 1910 ein Platz untergeordneten Ranges, ist Haifa heute der Haupthandelsplatz Palästinas. Hier beginnt die alte Hedjasbahn, die die Verbindung von Damaskus im Norden, dem Hedjas im Süden mit dem Mittelländischen Meere darstellt und den Ausgangspunkt unzähliger Karawanen bildet. Vierundzwanzig Stunden hat die Fahrt von Alexandrien bis Haifa gedauert. Vierundzwanzig Stunden, vom typischsten Afrika zum typischsten Asien. Eine Fahrt, die das Wesen vergangener Jahrtausende ahnen läßt und in ein Land führt, dessen plötzlichen kulturellen und wirtschaftlichen Aufstieg nach zweitausendjährigem Schlaf wir heute erleben. Gemeindenu. Vereins-Echo Das Sekretariat der Zionistischen Ortsgruppe und des Jüdisch. National- Fonds befindet sich nunmehr Wagmüllerstraße 19, Ecke Galeriestraße. Geöffnet von 9—12 Uhr vorm, und 3—6 Uhr nachm. Spenden für den Jüdischen National-Fonds bitten wir nur noch dort eimzubezahLen, oder auf Postscheckkonto Elisabeth Mahler 10121. Im Sekretariat sind auch N.F.-Wertzeichen und N.F.- Telegramme zu haben, die in künstlerischer Ausführung neu erschienen sind und zur eifrigen Benützung empfohlen werden können. Zionistische Ortsgruppe München. Mittwoch, den 1. Dezember, findet im K.J.V., Bayerstr. 67/69, abends 8 Uhr eine außergewöhnliche Mitgliederversammlung statt Es handelt sich um eine sehr ~RauThallmafer München ThßaünßckrAÖ. Ij&nzmanjQ.