Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 48 (26.11.1920)
- Date
- 1920-11-26
- Page
- Seite 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Dm Jüdische Echo Nr. 48 450 ruf zuzuziehen, den Gegnern zu Leibe ging, wie er auf der anderen Seite im eigenen Lager die Fahnenflucht, die feige Assimilierungssucht gegeißelt, wie er als erster die Juden zu einer rein iüdiischen Politik aufgerüttelt hat, das kann ihm niemand vergessen, der seine leuchtenden Taten anders als mit den Augen kleinlichen Neides oder schäbigen Schmarotzertums betrachtet. Den Bemühungen der Regierung, der Christlichsozialen und Polen gelang es, seine Wiederwahl zu hintertreiben. In den letzten zwei Jahrzehnten widmete sich der Jubilar ausschließlich seinem journalistischen Berufe sowie einer staunenswert ausdauernden Hilfstätigkeit für notleidende Stammesgenossen, vor allem seiner galizisch-en Landsleute. Zur Zeit weilt er zu Gunsten einer humanitären Aktien für ostjüdische Kriegsopfer in New York. J. F. Prov.-Rabblner Dr. Bamberger s. A. Kaum haben sich die Gräber geschlossen über den letzten Vertreter der älteren Generation der Rabbinerfamilie Bamberger, da stehen wir schon klagend an der Bahre eines würdigen Enkels seiner großen Ahnen, des Provinzial-Rabbiners Dr. Salomon Bamberger der Stadt Hanau und ihres Bezirkes, der plötzlich am letzten Freitag am Beginne des Schacharis im Gotteshaus uns in die Ewigkeit entführt wurde, ähnlich wie einst sein großer Würzburger Ahne. Ohne Übertreibung darf man sagen, daß mit Salomon Bamberger — und dieser Name hat von dem älteren Vertreter her dieses Namens schon seinen besonderen Klang — eine der markantesten Erscheinungen des Rabbinerstandes dahingegangen ist, von einer ganz ungewöhnlichen Vielseitigkeit des Wissens und der Bildung, eine menschliche Persönlichkeit ganz ausgezeichneter Art, scharf an Geist, tief, tief an Gemüt, heiter und sonnig und liebenswürdig, gewinnend im Umgang mit Menschen, wie es wenigen gegeben ist. Eigene Persönlichkeit, Milieu, Erziehung, Bildungsstätte, — das alles wirkte zusammen, um aus ihm jene imponierende Erscheinung zu gestalten — innerlich und äußerlich —, wie sie uns unvergeßlich bleiben wird. Er studierte in Berlin Orientalia und knüpfte dort viele Beziehungen zu Gleichstrebenden an, denen er unbewußt bald Führer und Spender wurde. In Leipzig promovierte er mit einer wissenschaftlichen Arbeit über Rambam, d. h. er veröffentlichte, nach dem Vorbilde von Derenbourg, Barth und Ernst Weil u. a. Nachfolgern einen Teil des arabischen Peirusch hamischnajaus zu der Masechto „Kilajim“, übersetzte ihn ins Hebräische usw. Er war aber kein einfacher Nachahmer, schon da zeigte er seine Originalität im wissenschaftlichen Arbeiten und seine imponierende Emunas chachomim, die vielleicht neben seiner anderen Eigenschaft: „Machkim es rabbau“ seiner Lebensart am tiefsten als Motiv gedient hat; er fügte gewissenhaft seiner hebräischen Übersetzung in Klammer stets die abweichende Erklärung bei, oft nur mit einem Worte, die unser bisheriger hebräischer Peirusch hamischnajaus (Ein Anhang zur Gemoro) bringt. Entgegen anderen Plänen für die Vertiefung seines talmudischen Wissens — er wäre so gerne nach Litauen gegangen —, blieb er dann in Frankfurt, wo damals die Jeschiwoh ins Leben trat, die eine Hochschule für talmudisches Studium werden sollte und erhielt dann eine Berufung als Rabbiner der Religionsgesellschaft in Bingen. Trotzdem er nur kurz hier wirkte, war diese Tätigkeit von starkem Einfluß dank seiner von allem Anfang an klaren Erkenntnis der Lebensarbeit eines Rabbiners. So recht an seinem Platze war dann Salomon Bamberger, ails er nach hartem Wahlkampf zum Distriktsrabbiner und Vorstand der Präparandenschule in Burgpreppach 1895, kaum 26 Jahre alt, gewählt wurde. Hier entfaltete er eine reichgesegnete Lehrtätigkeit in Gemeinde und Schule. Mit aufrichtigem Schmerze sah man ihn 1901 von dort scheiden. In dieser Zeit entstand die Jüdisch-Literar.-Gesellschaft mit dem Sitze Frankfurt. Salomon Bamberger wurde ihr Schriftführer; er hat dieses scheinbar bescheidene Amt zum Mittelpunkte gemacht. Zeugnis legt dafür die stattliche Zahl der Jahrbücher, die von Jahr zu Jahr sich eines steigenden Interesses erfreuten. Sein Spezialgebiet wurde die Arbeit für Halevys „Dauraus horischaunim“. Er hat in Einzelaufsätzen und Abhandlungen die Ergebnisse einem größeren Publikum zugänglich gemacht und die Drucklegung des Werkes selbst erst ermöglicht und nach dem Tode Halveys den Band la unter unsäglichen Schwierigkeiten und Mühen herausgegeben. An dieser Stelle ist es nicht möglich, den ganzen Umfang und die volle Bedeutung der wissenschaftlichen und sonstigen Tätigkeit dieses außerordentlichen Mannes zu würdigen. Daß weiteste Kreise sich der Größe des Verlustes bewußt sind, der mit seinem Hinscheiden dem Judentum widerfahren ist, bewies die ungeheuere Beteiligung der Einheimischen und Auswärtigen an seiner Bestattung. Feuilleton Mit der Eisenbahn durch die Wüste. Von Alexandrien nach Haifa. Man schreibt uns aus Haifa: Ganz plötzlich, ohne irgend eine Vorbereitung, erfuhr die Welt von der neueröffneten Bahn, die von el-Quantara am Suezkanal durch die Sinaiwüste nach Palästina .geht Der Weg, den die Ägypter zur Zeit des mittleren Reiches, als den wichtigsten nach Syrien und Babylonien, mit starken Befestigungen sicherten, der einer der meistbegangenen Karawanenwege seit dem zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung war, kann jetzt in wenigen Stunden vom Schnellzug durcheilt werden. Wenn man in Alexandrien ans Land gestiegen ist, so erreicht man in einer Fahrt von 4 Stunden Benha, einen der größten Orte des Niltales, wo sich die Bahn teilt. Nach Süden führt die Linie nach Kairo und Oberägypten weiter, während der Weg nach der Sinaiwüste in östlicher Richtung geht und in weiteren zwei Stunden el-Quantara erreicht wird. El-Quantara (die Brücke) war von alters her einer jener beiden berühmten Durchgangsorte für den ägyptisch-asiatischen Karawanenverkehr. Dieser ging in nordöstlicher Richtung nach Palästina, jener durch das Wadi Tumilat über Suez und Agaba nach Medina und Mekka. Dieser Übergang war es auch, den die Juden auf ihrem Auszuge aus Ägypten vor dreieinhalbtausend Jahren benutzt haben. Am 18. Mai 1918 fuhr zum ersten Male ein Zug über den Suezkanal. Er saust vorüber an Bildern, die das europäische Auge so fesseln, daß man wünscht, die Fahrt möchte doppelt so lange dauern. Palmenhaine wechseln ab mit trostlosen