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Das jüdische Echo · 1920-11-19 · 46/47 (19.11.1920) · p. Seite 436

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
46/47 (19.11.1920)
Date
1920-11-19
Page
Seite 436 (sequence 4)
Language
German
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436 Das Jüdische Echo Nr. 46/4T üben in ihrer Volksgemeinschaft soziale Hilfsbereitschaft oder nicht, sie stehen auf einer höheren oder geringeren Stufe sozialer Gerechtigkeit. Barmherzigkeit ist eine Tagesmedizin, sie paßt sich der Tagespsychologie, dem Tageskalender des Golus an. Wir müssen die edle, aber kleine und weichmütige Barmherzigkeit bei den Spitälern und Armenhäusern des Golus zurücklassen. Keren hajessod heißt nicht Barmherzigkeit, heißt nicht Almosen. Keren hajessod heißt: Pflicht, Pflicht zur großen Opferleistung. Keren hajessod heißt Selbststeuer, heißt Volkssteuer. Auch die bisherige zionistische Denkungsart, die sich bewußt über den Wohltätigkeitsgedanken hinausgehoben hat, ist noch viel zu enge. Der Schekel, die kleine Münze, hat, falsch ausgelegt, den Maßstab verschoben, das Maß herabgedrückt. Der Schekel bekundet die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation, aber nicht durch seinen Münzwert; er ist eine symbolische Bekundung des Willens, der zionistischen Gemeinschaft anzugehören, ein symbolischer Akt, der an uralte Tradition anknüpft. Er ist ein Siegel unter eine Anschauung, aber er ist kein Zeichen einer Opferbereitschaft. Auch der Keren hajessod knüpft an eine alte Tradition an, aber sie ist Symbol und Opferbereitschaft zugleich und sie heißt Maaßer. Der „Zehent“ ist ein Gebot, das sagt: das Letzte, das Äußerste, was du geben, dessen du dich entäußern kannst, gib deinem Volk. Der Maaßer ist der Ausdruck der Volkssteuer, der Staatssteuer. Keren hajessod heißt darum: letzte Hingabe des Staatsbürgers für sein Land, für seine Volksgemeinschaft. Es ist die vorausgenommene Pflicht jedes Juden, in Geist und Tat, Bürger oder wenigstens Mitbürger in Erez Israel zu sein. Keren hajessod ist eine Geldsache, eine Sache gewaltiger Gelder. Auch hier hat die Mentalität des Volkes umzulernen. Wenn die ganz großen Millionen-Gelder in Trage kommen, wendet sich der Blick des Volkes instinktiv den ganz großen Millionären, den „großen Wohltätern“ zu. Einmal war es Baron Hirsch, ein anderes Mal Baron Rothschild oder die I.C.A. — jetzt heißt der große Wohltäter vielleicht Amerika. Auch ein Zeichen der Golusenge und Kurzsichtigkeit, des Golus- Wunderglaubens. Dieser Wunderglaube ist nicht mehr erlaubt. Es gibt keine andere Instanz, an die das Volk appellieren kann, als an sich selbst. Kein einzelner kann an die Stelle des Keren hajessod treten, kein Teil der Judenheit kann ihn alleine auffüllen. Der Keren hajessod ist ein nationaler Schatz. Der Keren hajessod ist eine Sache gewaltiger Gelder. Ein Kolonisationswerk, wie es kaum noch da war, ist unter den schwierigsten Umständen zu schaffen, von den Emigrantenbaracken und der Urbarmachung des Landes an, bis zu den letzten Ausläufern der Zivilisation, der elektrischen Kraftverteilung und den Hochschulen. Es ist also nicht nur eine Geldsache, es ist die Konzentration jüdischer Arbeitsfähigkeit, jüdischer Geisteskraft, unserer wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Qualitäten, es ist eine ungeheure Aufgabe, die nicht mehr und nicht weniger ist, als der Nachweis unserer nationalen Existenzberechtigung. Doppelt müssen wir uns die Heimat gewinnen: erstens, indem wir Besitz ergreifen von ihr und zum zweiten Male, indem wir ein Gemeinwesen darauf errichten, wirtschaftlich fruchtbar, sozial fortgeschritten und von kulturellem Eigenwert. Aus der Rolle des Gastvolkes haben wir überzugehen zum Wirtsvolk. Es ist ein Übergang von zweifacher historischer Bedeutung, ein Übergang zu nationaler Selbständigkeit, zu nationaler Seßhaftmachung. Es ist eine Sache unserer nationalen Emanzipation und unserer nationalen Tüchtigkeit — und auch das ist der Keren hajessod. Aber Keren hajessod ist noch mehr. Er ist die Antwort auf das Vertrauen, das uns einmal, zum ersten Male seit unserer Golusexistenz, die Völker geliehen haben. Es ist ein Angebot und zugleich ein Auftrag an das ganze jüdische Volk. Würden sie mißlingen, sie würden nicht mehr wiederholt werden. Würde die Erfüllung hinausgeschoben, das Vertrauen würde schwinden. Darum darf die Erfüllung nicht ausbleiben und darf nicht verzögert werden. Der Keren hajessod muß in einem ungeheuren Elan des ganzen Volkes im Zeitraum eines Jahres geschaffen werden. Und Erstklassiger Herrenschneider fl. EIMWRQ annehmbare Preise MÜNCHEN Residenzstraße 13/1 (Ma* Joseph-Platz) BANK FÜR HANDEL U. 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