Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 44/45 (5.11.1920)
- Date
- 1920-11-05
- Page
- Seite 425 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44/45 Das Jüdische Echo 425 sichten mehrere Vertreter zu erhalten, bei dem angenommenen Wahlrecht nicht schlecht seilen. — Eine lebhafte Debatte schloß sich an die Ausführungen des Redners. Die allgemeine Stimmung zeigte sich in der widerspruchslosen Annahme folgender Entschließung: „Der Gruppenverbandstag begrüßt die Schaffung des Verbands Bayer. Israelitischer Gemeinden. Er erblickt in dem Verband ein Mittel zur Zusammenfassung der jüdischen Kräfte des Landes und zur Stärkung des jüdischen Gesamtheitsgedankens. Er fordert seine Mitglieder auf, sich an den Wahlen zur Verbandstagung vollzählig zu beteiligen. Aufgabe der zionistischen Vertreter der Tagung ist es, auf eine Revision wesentlicher Bestimmungen der vorläufigen Verfassung des Verbands hinzuwirken, vor allem auf eine Erweiterung der Rechte des Verbands im Sinne einer Vertretung der gesamten Interessen der bayerischen Juden, das demokratische Prinzip der Volkswahl auch für die Verbandsleitung — den Rat — zur Geltung zu bringen und die entschieden zu verurteilende Entrechtung der Ausländer in der Verfassung des Verbands zu beseitigen. — Gleiche Grundsätze sind für das Wahlrecht in den Einzelgemeinden zu fordern. —“ Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde um 2.30 Uhr die Tagung fortgesetzt mit einem Referat des Herrn Karl Glaser-Nürnberg über „Die innere und äußere Lage des Zionismus und der Keren Hajessod.“ Die politische Lage des Zionismus sei äußerst günstig. Die Ernennung Sir Herbert Samuels zum high commissioner von Palästina, die zunehmende Beruhigung der arabischen Bevölkerung, die Einsetzung der Zivilverwaltung und die Neuregelung der Einwanderungsbestimmungen seien neben vielem anderen Etappen zu einem vollen politischen Erfolg. Geschenkt erhalte man aber nichts. Und weder das jüdische Volk noch die zionistische Organisation habe sich dem Erfolg gewachsen gezeigt. Es stände jetzt alles auf des Messers Schneide: alles hänge davon ab, die richtigen Menschen und das nötige Geld für den Aufbau zu bekommen. Der Redner ging im einzelnen auf die Lage der zionistischen Organisation, die Jahreskonferenz, die Zustände in Palästina ein und schilderte schließlich die Organisation des Keren Hajessod und die Methoden der Sammlung. Durch die Jahreskonferenz und die Beschlüsse des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland seien die Zionisten verpflichtet, Maasser, das heißt 10 Prozent vom Vermögen und auf die Dauer von 5 Jahren 10 Prozent vom Einkommen zu geben. Gewissenhafte Erfüllung dieser Verpflichtung werde nicht ohne Eindruck auf die Sammlung der amerikanischen ,Zionisten, von der schließlich alles abhänge, und auch auf die Nichtzionisten bleiben. Herr Glaser schloß mit einem warmen Appell die Aktion durchzuführen, von der das Schicksal des Zionismus und damit des jüdischen Volkes abhänge. ln der sehr lebhaften Diskussion brachte Herr Jakob Reich-München eine Anzahl von Einwendungen vor, die sich insbesondere gegen die Organisation des Fonds, die beabsichtigte Art seiner Aufbringung und die ungenügenden Angaben über die Verwendung der Gelder richteten. Auch er verlangte wie alle übrigen Redner eifrigste Beteiligung an der Aktion durch Erfüllung der finanziellen Verpflichtung. Die Versammlung einigte sich nach längerer Debatte auf folgende Resolution, die schließlich einstimmig angenommen wurde: „Der Gruppenverbandstag macht es den Zionisten Bayerns und Württembergs zur Pflicht, alle Kräfte an die Durchführung der Keren Hajessod- Aktion zu setzen. Er verpflichtet die Zionisten 10 Prozent vom Einkommen der nächsten fünf Jahre, sowie 10 Prozent des Vermögens, die gleichfalls in fünf Jahresraten gezahlt werden können, beizusteuern. Die Aufbringungen dieser zionistischen Beiträge für den Keren Hajessod soll unverzüglich beginnen. Der Gruppenverbandstag richtet an alle für die Sammeltätigkeit geeigneten Zionisten die Aufforderung, sich für die Durchführung der Aktion während eines bestimmten Zeitraumes mit ihrer ganzen Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Der Gruppenverbandstag beauftragt seinen Vorsitzenden und Herrn Jakob Reich-München auf den geschäftsführenden Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in persönlicher Aussprache dahingehend einzuwirken, daß die definitive Organisation des Keren Hajessod schleunigst geschaffen und die bestehenden Unklarheiten beseitigt werden. —“ Nach Abschluß der Debatte legte Herr Rechtsanwalt Stern den von ihm geschaffenen Entwurf der Statuten des Gruppenverbandes vor. Er wurde dem Vorstand zur Beratung und ev. Annahme überwiesen. BANK FÜR HANDEL U. 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