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Das jüdische Echo · 1920-11-05 · 44/45 (5.11.1920) · p. Seite 424

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
44/45 (5.11.1920)
Date
1920-11-05
Page
Seite 424 (sequence 4)
Language
German
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424 Das Jüdische Echo Nr. 44/45 Lebens* und ihrer jüdischen Aufgabe frohe junge Generation heranziehen. Aber letzten Endes wird jüdischer Stolz nur aus jüdischer Aufgabe und — Leistung. Die national-jüdischen Jugendbünde vor allem verstanden es, ihre Menschen an die Aufgabe zu führen, ihnen wenigstens die Sehnsucht nach der Leistung — oft mehr! — zu geben und sie so sich und dem Volke eng zu verpflichten. Jüdische Selbstachtung — und darum handelt es sich als um den ersten und entscheidenden Schritt zu endlich erfolgreicher Abwehr! — wird nicht geweckt durch die Nachrichten von all den Verfolgungen und Schmähungen, ersteht nicht in dem Bewußtsein ewiger Passivität, sondern nur in dem Glauben an die Fähigkeit der Juden zur Aktivität, zu positivem Schaffen. Es muß immer wieder gesagt werden, welche Bedeutung in dieser Hinsicht dem Aufbau Palästinas zukommt. Die Antisemiten in aller Welt nennen uns Schmarotzer an fremder Wirtschaft, man erschlägt, peinigt, schmäht uns unter dem Vorwand dieses Vorwurfs. Nun gibt man uns ein Land. Beweist, was Ihr könnt, zeigt, was Ihr seid! Versagen wir, so sind wir gerichtet vor der Welt — denn die sieht auf uns — und vor uns selbst — und das ist schlimmer. Für keinen Juden, mag er dazu stehen, wie er will, ist das Palästinawerk bedeutungslos. Es verpflichtet den schärfsten Antizionisten vor den Augen der Menschheit wie den begeistertsten Zionisten. Man wird für Gelingen und Mißlingen alle Juden verantwortlich machen. Mißlingt’s, so wird man höhnen: da seht, sie sind, für was wir sie hielten — und wie sollten wir dem entgegentreten, müßten wir ja an unseren Fähigkeiten zu staatsschöpferischer, aufbauender, erhaltender Arbeit selbst verzweifeln. Gelingt’s, so wird man uns glauben müssen, daß nur üble Verhältnisse auch unsere mit Recht gerügten Fehler verschuldeten. Eine schwere Kette der Gemeinbürgschaft verbindet in den Augen der Welt alle Juden. Seid klug und macht aus der Not eine Tugend! Es wäre unsere beste! Der Aufbau Palästinas hat begonnen, nachdem die zionistische Organisation den politischen Erfolg errang! Heut oder nie entscheidet sich auf Jahrhunderte das Geschick unseres Volkes. Nicht zu Haß und Rache soll die Erinnerung an jüdische Not spornen, sondern zu aufbauender Tätigkeit nach innen und außen. In gemeinsamer Arbeit werden wir stark werden und den Judenhaß in uns selbst überwinden lernen. Das große Werk aller Juden könnte — nicht heut und morgen! — schließlich selbst die Judennot bezwingen, die Not, die in diesem schrecklichsten Augenblick alle Juden guten Willens in einem Werke einigen sollte: heut oder nie! G—. Der Gruppenverbandstag in Nürnberg Der zionistische Gruppenverband für Bayern und Württemberg veranstaltete am Sonntag, den 17. Oktober einen außerordentlichen Gruppenverbandstag in Nürnberg. Angesichts der Wichtigkeit der Tagung hatte die Zionistische Vereinigung für Deutschland Herrn Kurt Blumenfeld-Berlin, Mitglied des Aktionskomites der Weltorganisation, beauftragt, an den Verhandlungen teilzunehmen. Infolge eines 24stündigen Generalstreiks in Mährisch-Ostrau wurde diese Absicht leider vereitelt. Schon rein äußerlich zeigte der Gruppenverbandstag, daß die Bewegung in Bayern und Württemberg im letzten Jahre erhebliche Fortschritte gemacht hat. Alle zionistischen Ortsgruppen des Bezirkes hatten eitlen oder mehrere Vertreter entsandt, von überall her, wo nur einige Zionisten wohnen, war man zur Tagung gekommen. Da das Interesse der Nürnberger Zionisten für den Gruppenverbandstag und damit ihre Beteiligung daran sehr groß war, war der große Saal des Luitpoldhauses dicht gefüllt. Der Vorsitzende des Gruppenverbandes, Herr Dr. Nußbaum, eröffnete gegen halb 10 Uhr vormittags den Gruppenverbandstag mit einer Begrüßung der auswärtigen Delegierten und schloß daran einen Tätigkeitsbericht über die Arbeit des Gruppenverbandes seit Errichtung des Sekretariats. Der Tätigkeitsbericht wies zahlenmäßig nach, daß die Kurve der Mitgliederbewegung eine dauernd ansteigende ist, erwähnte die neugegründeten Ortsgruppen und Jugendorganisationen und wies auf die Ergebnisse der verschiedenen Sammlungen im Bezirke hin, die, wenn auch keine überwältigenden, so doch ganz ansehbare Summen erbracht hätten. Alles in allem seien vom 1. Januar bis zum 1. August im Gruppenverband etwa Mk. 300 000 für Nationalfonds, Palästinaaufbaufonds und Zionistensteuer gezeichnet worden. Herr Dr. Nußbaum ging dann kurz auf die soziale und politische Arbeit des Gruppenverbandes ein und hob insbesondere die aufopfernde Tätigkeit des Herrn Zahnarzt Wolff-Gunzenhausen hervor, der versucht habe, ein Heim für jüdische Landarbeiter in Heidenheim zu gründen, das infolge der antisemitischen Stellungnahme der bayerischen Regierung auf die Dauer nicht gehalten werden konnte. Herr Wolff hat seinen jüdischen Idealismus mit einem Teil seines Vermögens und seiner Gesundheit bezahlt. Zum Schluß behandelte der Vorsitzende kurz die Beteiligung des Gruppenverbandes an der Schaffung eines Gesamtverbandes bayerischer israelitischer Gemeinden, unsere Haltung angesichts der Ostjudenausweisungen und unsere Stellung zu anderen jüdischen Organisationen. Mit einem Hinweise auf die eben aufgenommene Tätigkeit für den Keren Hajessod, die in Nürnberg bereits Mk. 470 000 gebracht habe, schloß Herr Dr. Nußbaum sein Referat Da eine Diskussion über den Tätigkeitsbericht nicht erfolgte, erhielt sofort Herr R.-A. Dr. Straus das Wort zu seinen Ausführungen über „Unsere Stellungnahme zum Verband bayerischer israelitischer Gemeinden und die Verbandswahlen“. In längeren, ausgezeichneten Ausführungen gab Herr Dr. Straus, einer der ältesten Mitarbeiter an dem Werk der Gesamtorganisation, einen Überblick über die Einigungsbestrebungen, die so alt sind wie die Emanzipation. Das von der verfassunggebenden Versammlung in Nürnberg am 20. und 21. April 1920 angenommene vorläufige Statut ist ja den Lesern des „Echo“ bekannt, ebenso die Verwahrung, die damals von den zionistischen Vertretern gegen die beabsichtigte Entrechtung der Nicht-Reichsdeutschen, die das aktive Wahlrecht erst nach 5jährigem Aufenthalt im Wahlkreis, das passive überhaupt nicht erlangen sollten, zu Protokoll gegeben wurde. Es müsse unser Bestreben sein, führte der Redner aus, zu einer Beseitigung dieser ja nicht endgültig beschlossenen Beschränkungen zu kommen. Trotz aller Mängel müsse man das Zustandekommen der Gesamtvertretung wie alles begrüßen, was der Zersplitterung unseres Volkes entgegenwirke und geeignet sei, insbesondere die schwachen Gemeinden zu stützen und zu erhalten. Eine Beteiligung an den Verbandswahlen sei notwendig, zumal unsere Aus-

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