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Das jüdische Echo · 1920-09-24 · 38/39 (24.9.1920) · p. Seite 389

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
38/39 (24.9.1920)
Date
1920-09-24
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38/39 Das Jüdische Gehe 389 daß die Väter Ihre Kinder bei sich halten! Wer dies nicht will, lasse sie zu Hause! Nicht aus dem Sinne des Gottesdienstes schöpft das Kind seine Ehrfurcht, sondern aus der Andacht seines Vaters. ln manchen Städten war es notwendig, an diesem wunden Punkt mit scharfen Hand einzugreifen. Es ist geglückt; sollte es nicht auch hier in München gelingen? — Dies mein Wunsch für Euch zum Neuen Jahre: Lernt den Sinn unseres Festes fühlen: Mikroh kaudesch jijeh lochem und beherzigt: kol meleches awaudoh lau ssaasuh — auch für das Sprechen. Die Familie Mendelsohn. 1. Porzellan und Judentum. Es war im Jahr 1763, im Blütenzeitalter der Aufklärung, als Moses Mendelssohn, der Freund Lessings, sich in Berlin verheiratete. Damals war es in Preußen noch rechtens, daß jeder Jude, der eine Ehe einging, sich selber und dem König ein Hochzeitsgeschenk machen mußte, indem er für eine bestimmte Summe Geldes Waren aus der Berliner Porzellanmanufaktur bezog. Der damalige Inhaber dieser Firma war gegen die jüdische Kundschaft aber wenig kulant. Er nötigte ihr die Ladenhüter auf, welche die christliche Kundschaft verschmähte und machte sich obendrein über sie lustig. Die Juden konnten unter ihm zwar nach ihrer Fasson selig werden; aber Porzellan kaufen mußten sie nach der s e i n i g e n. So kam es, daß der kleine Handelsjude, der ein so großer Bahnbrecher deutscher Kultur war, von dem deutschen Helden, der seine höheren geistigen Bedürfnisse durch Nachahmung französischer Vorbilder befriedigte, zwanzig lebensgroße Affen im Stil Ludwig XV. kaufen mußte. Diese ehrwürdigen Zeugen preußischer Aufklärung wurden in der Familie Mendelssohn pietätvoll fortgeerbt; einige davon sind noch heute erhalten. Das Mendelssoh'nsche Judent u m hingegen ging schon in der zweiten Gene¬ Heinrich Schallt (mit dem österr. Kompositions-Staatspreis ausgez.) erteilt Elnzelstnnden und Kurse in Klavier und Theorie (Harmonie und Formenlehre) (Anmeldungen zu Kursen bis 15. Oktober) Telefon 34 2 20 Bauerstraße 25/4 . Telefon 34220 ration zum teil, in der dritten aber vollständig in die Brüche. Nicht einmal Scherben sind davon übrig geblieben. — 2. Ödipus aus Polonos. Es war vor gut 27 Jahren, als ich eines Tages zu Leipzig in einem Bierkeller am „Brühl“, ganz in der Nähe des Geburtshauses Richard Wagners, ein sonderbares Trio antraf. Ein alter, fast blinder Schnorrer, angetan mit einem schmierigen Kaftan, saß da mit seinen beiden bildhübschen Töchtern inmitten einer Gruppe deutscher Studenten, die ihm den Spitznamen „Ödipus aus Polonos“ gegeben hatten und ihren Schabernack mit ihm trieben, während sie seinen Töchtern den Hof machten. Er erzählte den belustigt Zuhörenden, so gut er es in seinem Jiddisch vermochte, daß er einer Mendelssohnschen Familienstiftung wegen mit den „Blümen“ nach Leipzig gekommen sei. Diese Stiftung bestehe zugunsten bedürftiger Verwandten Moses Mendelssohns; die Zuteilung der Unterstützung sei aber davon abhängig, daß sich der Bewerber in irgend einer Wissenschaft rühmlich hervorgetan haben müsse. Seine Verwandtschaft mit Moses Mendelssohn und seine Armut stünden außer Zweifel, ebenso seine Kenntnis der heiligen Schriften, in denen niemand in ganz Polen „gelernter“ sei als er; aber diese Kenntnis wolle man als „Wissenschaft“ im Sinne Moses Mendelssohns nicht gelten lassen. Als ob Moses Mendelssohn jemals der große deutsche Philosoph geworden wäre, der er doch gewesen sei, wenn er und seine Vorfahren sich nicht zuvor dieser jüdischen Wissenschaft beflissen hätten! Die Studenten pflichteten ihm ironisch bei und gaben ihm den guten Rat, einen.Orakelspruch des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einzuholen, dessen Generalsekretär damals zufällig Dr. M. Mendelssohn hieß. Ob Ödipus den Rat befolgt hat und was dabei herausgekommen ist, habe ich leider nicht erfahren. 3. Der kluge Moses und der weise Nathan. Da Moses Mendelssohn aus Dessau gebürtig und daher in Preußen iandfremd war, konnte er nur unt?r dem Schutz eines eingesessenen Juden in Berlin wohnen. Dabei war er nach dem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Preußen noch geltenden Fremdenrecht, das ungefähr dem heutigen bayerischen entsprach, in ständiger Gefahr, durch die Polizei ausgewiesen zu werden. Seine Freunde rieten ihm daher, beim König ein Privileg für sich zu erbitten. Das wollte Mendelssohn gar nicht in den Sinn. Er meinte: „Wenn PORZELLiN-NIEDEBLiEE MÜNCHEN THEATINERSTRASSE gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL, IN GEBRAUCHS PORZELLAN TÄGLICHE LAGERERGÄNZUNG

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