Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 38/39 (24.9.1920)
- Date
- 1920-09-24
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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388 Das jüdische Echo Nr. 38/39 Sukkoth. Die Töne des Schofar sind verklungen, das Versölmungsfest sollte uns Sühne bringen und die Reinheit der Seele wiederherstellen. Die Freude, welche das Volk über die neuerlangte Sühne an den Tag legte, sollte besonders auch dem auf den „grollen Tag“ folgenden Hüttenfeste zugute kommen. Neben dieser Freude beherrschte in diesen Pagen das Volk eine weitere Festesstimmung: war doch um diese Zeit die Ernte des ganzen Jahres an Obst, Öl, Wein usw. beendet und konnte der Ertrag bemessen werden. Gleich dem Pesachfest, das an den Auszug an Ägypten erinnert, dem Wochenfest, das die Offenbarung des Gesetzes verherrlicht, sol auch das letzte Fest des Jahres neben der religiösen eine nationale Feier darstellen und uns die Geschicke des Volkes während der Wüstenwanderung vor Augen führen. Die Thora befiehlt an diesem Feste Hütten zu bauen und sieben Tage darin zu wohnen und so den Schutz zu veranschaulichen, den Gott seinem Volke auf diesem Zuge angedeihen ließ, Wenn auch unser Volk nach dem langjährigen Sklavenleben in Ägypten und den Wanderjahren in der Wüste, in dem ihm verheißenen Lande zeitweise eine Ruhestätte fand, so sollte damit doch nicht seinem ruhelosen Dasein ein Ende bereitet werden. In welche Zeitepoche nach der Zerstörung des Tempels und Vernichtung der jüdischen Heimstätte wir auch blicken, immer finden wir die Ruhe unseres Volkes in den verschiedenen Ländern gestört; stets wurden ihm durch Anfeindung und Verfolgung die Heimatlosigkeit vor Augen geführt. Kaum hatte es begonnen, in einem Lande heimisch zu werden, so waren die finsteren Mächte wieder am Werke, ihm den Aufenthalt unmöglich zu machen. Auch in unserer Zeit sehen wir die Feindseligkeiten von allen Seiten auf uns hereinbrechen; Haß und Neid bemühen sich uns zum Abbau unserer Hütten zu nötigen. Statt daß nun das jüdische Volk angesichts dieser Stürme von außen die Reihen schließt um einmütig dieser Gefahr zu begegnen, sehen wir im Innern wieder die alte Zwietracht sich entfachen. Die Hoffnungen, welche der größte Teil unseres Volkes auf die Entwicklung in Palästina hegt, werden von einem kleinen Teil mit scheelen Augen angesehen und das „Achdus“, das diese Seite bei ihr passender Gelegenheit preist, wird hintangesetzt. Statt dem Symbol des Hüttenfestes, an welchem arm und reich, hoch und niedrig die Hütte als Wohnort einträchtig benützen sollen, zu folgen, sucht man den Kampf um die jüdische Seele erst recht auszufechten. „Nichts gelernt, alles vergessen“, möchte man hier ausrufen. Doch man kann dem neubelebten jüdischen Volkstum Steine in den Weg legen, man kann die Triebkräfte zu hemmen suchen, allem der gesunde Sinn des Volkes wird auch diese Hemmnisse zu beseitigen wissen. Unsere Jugend läßt sich nicht irre machen und die Träger unserer Zukunft werden die Hütten unseres Volkes auszubauen wissen, trotz Zelotismus und Verketzerung. Im Golus wird abgebaut und da wird aufgebaut werden, wohin uns der Geist unseres Volkes den Weg zeigt. In Erez Israel, wo vor Tausenden von Jahren die Wurzel unseres Volkstums Boden faßte, wird dasselbe neu erstehen und Altes und Neues in harmonischer Form zusammenfassen. rOD tPDBI „Und breite über uns die Decke des Friedens.“ J. F. Der hiesigen Gemeinde. Von cand. med. Hans Simon. Nicht Euretwegen, aber Euryr Kinder wegen werden diese Zeilen geschrieben, ^abt Ihr Münchener, sclm^ vergessen, wie andächtig Eure Väter in der Synagoge zu Rosch haschonoh beteten, wie sie sich mühten, Euch den Sinn unserer Gebete verständlich zu machen? Und wenn Ihr je den Sinn unserer Feiertage erfaßt habt, habt Ihr ihn so schnell vergessen, daß Ihr Euren Kindern im Gotteshaus ein ach so klägliches Bild bietet? — Jom teruoh — Ihr scheint es als „Tag des Lärmmachens“ zu übersetzen und führt es auch kräftig aus; denn wer ohne Andacht zu Ende in den Tempel kam, hat sie dort nicht gefunden und wer sie mitbrachte, dem habt Ihr sie genommen. Viel habt Ihr gesprochen, so laut, daß Ihr fast den Sänger übertraft; habt gestattet, daß Eure Kinder sich in den Reihen und Gängen bewegten. Wie anders sollten es?uch die Kleinen machen, da Ihr ihnen so ein Vorbild gebt. Ihr kommt und geht zu jeder Stunde, gp:ch ob es während der Predigt oder der Keduschah ist. — Ist das der wahre Gottesdienst? Findet Ihr so die Erbauung und den Trost, den wir so notwendig haben? Braucht Ihr nicht die Erquickung, so laßt sie denen werden, die sie suchen und wahret Würde. Wie soll es später werden, wenn Eure Kinder groß sind und sie an Eurer Stelle stehen, wie wird da die Rosch-Haschonoh-Andacht sein, da Ihr so es sie gelehrt habt? Müssen die Kleinen nicht alle Achtung vor unserem Gottesdienst verlieren, da sie ihn derart durch Euch ausgeübt sehen, ja müssen sie nicht alle Achtung vor Euch verlieren, wenn Ihnen vielleicht doch einmal der tiefere Sinn unseres Gebetes aufgeht? — Auch wir standen als Kind an der Seite unseres Vaters, wir verstanden uns mit einem Blicke, denn der Vater hatte uns ja die Gebete schon zu Hause erklärt. Ihr aber erklärt Euren Kindern nichts, sie verstehen nichts, können also auch nicht andächtig sein. Wie sollten sie aber dann ruhig ausharren? Wenn Ihr sie jetzt nicht lehrt, wann dann? — Und unser Judentum —? Fühlt Ihr nicht, wie erbärmlich Ihr Euch in den Augen Eurer Kinder macht, wenn Ihr vor Eurem Gott in den Staub sinkt, vorher aber ein Taschentuch oder Zeitungsblatt unters Knie legt?? Was sonst ich noch gesehen habe, sehen mußte, sei hier nicht weiter erzählt. Nun, genug der Anklage! Wie es besser machen! Jetzt meine Worte dem Vorstand: Laßt nicht zu, daß bei Euch im Tempel die Mitglieder zu jeder beliebigen Zeit während der Andacht die Synagoge betreten dürfen. Stellt die livrierten marschallstabschwingenden Diener vor die Tür und verbietet, daß man während' der Predigt sich bis in die vordersten Reihen begeben darf. Wie sollte man das Wort in dem großen Raum verstehen, wo andauernd Schritte und Bänkeklappern die Andacht stören. — Sorgt dafür, daß Eure Mitglieder sich nicht unterhalten! Das erreicht Ihr, indem Ihr mehrere Tempeldiener (Schamoßim) beauftragt, die Ruhestörer unauffällig zu ermahnen, Gespräche zu unterlassen. (In anderen Städten wird den Schwätzern ein Schild übergeben, das sie zur Ruhe auffordert.) Zuerst zwar wird es da viel zu tun geben, doch mit der Zeit werdet Ihr es erreichen. Denn wer es nicht von selbst versteht, dem muß es beigebracht werden, auch wenn er schon älter ist. Sorgt ferner dafür,.