Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 36/37 (10.9.1920)
- Date
- 1920-09-10
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36/37 Das Jüdische Echo 375 5. Demokratie und Christentum. Die Unmöglichkeit, den politischen Antisemitismus mit ihren Grundsätzen zu vereinigen, hat die Mittelständler innerhalb der demokratischen Partei häufig dazu verleitet, ihre, meist grob materiell verwurzelten Anfeindungen des Judentums mit ihrem „christlichen“ Idealismus zu rechtfertigen. Gegenüber dem hohlen Pathos dieser christlichen Judenhasser hat die urtümliche Unsentimentalität ihrer heidnischen Gesinnungsgenossen entschieden den Vorzug. Diese sind wenigstens folgerichtig und machen kein Hehl daraus, daß für sie auch das Christentum oder sogar gerade das Christentum — weil jüdischen Ursprungs — als landfremdes Element im deutschen Volkstum verwerflich ist. 6. Demokratische Grundsätze. „Gleiches Recht für All e.“ Ein Satz, der schlechterdings keine Ausnahme zuläßt. Es ist aber unpassend und eine jüdische Taktlosigkeit, dies immer wieder bei passender Gelegenheit zu betonen. „Religion ist P r i v a t s a c h e.“ Hieran muß unverbrüchlich festgehalten werden. Die Nichtanstellung jüdischer Lehrer ist deren Privatsache. „Freie Bahn dem Tüchtige n.“ Die herkömmliche Beschränkung der Juden auf den Handel und bestimmte freie Berufe muß aufhören. Darum: Kauft nicht bei Juden! Meidet jüdische Ärzte und Rechtsanwälte! „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“ Man kann auch sagen: Selbstwehr, Einwohnerwehr, Reichswehr! Aus der Jüdischen Welt Oberst Bianchini ermordet. Der italienische Oberst Bianchini, Jude und begeisterter Zionist, der bereits in der ersten Palästinakommission mitgearbeitet später an der Konferenz von San Remo teilnahm und wegen seiner ungewöhnlichen Fähigkeiten außerordentlich geschätzt wurde, ist bei einem Angriff auf einen Eisenbahnzug von Beduinen ermordet worden. ftONCHNER ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND LEBEN J&NZ&NUMMm 1MK-80 VERLAG DEft,JUGEND?M0NCHENj Unstimmigkeiten in der Poale Zion. Die Majorität der Delegierten des Kongresses der „Poale Zion“, der im August in Wien stattfand, hat sich entschieden für den Aufbau eines jüdischen Palästinas auf /»sozialistischer Grundlage ausgesprochen, nur eine kleine Minorität erwartet die Lösung auch des Zionismus durch die bolschewistische Weltrevolution. Die Spaltung der Partei scheint so unvermeidlich. literarisches Echo „Der Jude“, eine Monatsschrift, herausgegeben von Dr. Martin Bub er. Heft 2 des laufenden Jahrganges hat folgenden Inhalt: Arnold Zweig, Der heutige deutsche Antisemitismus — Josef Meisl, Ein mißglückter Versuch (Dokumente aus der Geschichte der Chowewe-Zion-Bewegung) — Mor. Bileski, Die Wirkung des Kompromisses — Paul Zukk e r , Probleme der Kunsterziehung in Palästina — Arjeh ben Menachem, Einschaltung des W’adar. — Bemerkungen: Abraham Schwadron, „.ob sie ihre Rechte stark genug in der Partei fordern werden“) — Heinrich Loewe, Ein Vergessener (Erinnerungen an Norris de Jonge). — Umschau: Siegm. Kaznelson, Politik (Krisis der Demokratie) — Berl Locker, Arbeiter - Bewegung — A. Granowsky, Emigration — Moses C a 1 - wary, Erziehung. Vierteljährlich Mk. 15.—, Einzelheft Mk. 5.50. Biblisches Ouartettspiel, bearbeitet von Lehrer Simon Unna in Frankfurt. (48 Spielkarten in Futteral.) Preis Mk. 5.50. Verlag von N. Bamberger in Bad Kissingen. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß im „Jahrhundert des Kindes“ auch speziell des jüdischen Kindes gedacht wird. Jeder Jugendbildner weiß aus Erfahrung, welch wichtiger Faktor in der Erziehung das Spiel ist und freudig ist es daher zu begrüßen, daß ein Pädagoge, wie Lehrer Unna, die Mühe nicht scheute, ein biblisches Quartettspiel zusammenzustellen. In 12 Serien vermittelt uns dieses Spiel gehaltvolle Sprüche aus dem T’nach und wird dadurch der Methode gerecht, dem Kinde im Spiel Wissen zu vermitteln. Es bliebe nur der Wunsch, daß dieses Spiel, das in der Idee gut gelungen ist. etwas gefälliger ausgeführt wäre. Wir hoffen jedoch, daß es auch so rasch Eingang in jüdische Kreise finden möge. Feuilleton Brief aus Jerusalem Von Irma Singer. Ich habe mir zwar vorgenommen. Euch sobald als nur möglich, einiges aus unserem Lande zu berichten, aber es ist viel schwerer, als ich dachte, denn alle die Erlebnisse und Eindrücke umgeben mich, wie ein großer Ring, ohne Anfang und ohne Ende und erfüllen mich immerwährend mit einer Art Traumhaftigkeit, aus der ich nicht heraus kann. Aber aus all dem Vielen und Schönen, will ich einiges — wenn auch nicht immer das Schönste, so doch das Markanteste, herausholen. Ich will gleich mit der Einfahrt anfangen: Bevor man nach Palästina kommt, muß man sich leider an der Grenze auch das Gepäck durchstöbern lassen. Dies geschieht in Cantara, einer