Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 36/37 (10.9.1920)
- Date
- 1920-09-10
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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374 Das Jüdische Echo Nr. 36/37 Liebesgaben besteht seit einiger Zeit eine Möglichkeit, Verwandte und Freunde in Deutschland mit amerikanischen Nahrungsmitteln zu unterstützen. Diese werden zu billigen Preisen geliefert und erreichen nachweislich ihren Bestimmungsort Die American Relief Administration (Geschäftsstelle: Hamburg, Ferdinandstraße 58) hat in Deutschland amerikanische Lebensmittellager eingerichtet, durch welche amerikanische Nahrungsmittel sicher und billig zugesandt werden können. Mit Hilfe von Postkarten, die von den Gemeinden bezw. denjenigen Institutionen, welche dem örtlichen Wohlfahrtsausschuß für die Amerikahilfe angeschlossen sind, ausgegeben werden, wenn der Name des Absenders in Amerika glaubhaft genannt wird, kann sich ein jeder, der Verwandte oder Freunde in Amerika besitzt, Lebensmittel beschaffen. Auf rituelle Lebensweise ist bei der Zusammenstellung der Pakete Rücksicht genommen. Demokratie und Judentum. 1. ölige Salbung. „Die deutsche Demokratie muß mit einem Tropfen liberalen Öles gesalbt werden“ — erklärt Prinz Max von Baden. „Die deutsche Demokratie muß mit einem Tropfen christlichen Öles gesalbt werden“ — erklärt Herr Meyer-Absberg von München. Ölige Salbung muß sein. Darüber wenigstens herrscht Einigkeit. 2. Die Szaiten sind nicht mehr dernach. „‘Laß dP en Bart stehen, David, hab ich gesagt“ — läßt Fritz Reuter den alten ehrlichen Moses in den Tagen des Rahnstädter Reformvereins erzählen — „de Szaiten sind dernach. — Na, und wenn andere Szaiten kommen? - Dann schneidst du den Bart ab, hab’ ich gesagt; denn sind de Szaiten nicht mehr dernach.“ Christliche Mitglieder der „Judenpartei“ schneiden gegenwärtig vielfach den Bart ab. 3. Tat twam asi. Im tollen Jahr 1848 stritten sowohl Johannes Miquel und Richard Wagner als Karl Marx und Ferdinand Lassalle für Republik und Kommunismus. Sie waren alle vier damals noch jung. M i - q u e 1 wurde mit fortschreitenden Jahren nationalliberal, Leiter der zu selbiger Zeit noch jiidi- Erstklassiger Herrenschneider fl. ElliWfUl annehmbare Preise MÖNCHES Residenzstraße 13/1 (Majc Joseph-Platz) sehen Diskontogesellschaft, protestantischer Kulturkämpfer, Bürgermeister von Frankfurt a. M., „der Mann“ Kaiser Wilhelm II. und Urheber einer Finanzreform, die den Säckel des preußischen Staates füllte, ohne denjenigen der preußischen Junker allzusehr anzugreifen. Er gilt in nationalen Kreisen als echter deutscher Idealist. Wagner wurde Antisemit, Antikommunist, Antirepublikaner, Günstling König Ludwig II. und Gründer eines Kunsttempels, in dem sich ein Parterre von internationalen Geldfürsten an schopenhauerischen Leitmotiven, antikapitalistischen Symbolen und Bühnenweihefestspielen für das deutsche Volk erbaute. Kein rechtgläubiger Parteigänger von „Wahnfried“ zweifelt daran, daß Wagner seinen Siegfried nach seinem Ebenbilde geschaffen hat. Marx, der bis zu seinem Tod Republikaner und Kommunist blieb, zeitlebens weder in der Demonoch in der Bankonoch in der Bürokratie auch nur das bescheidenste Postchen bekleidete, büßt seinen Haß gegen den internationalen Wuchergeist in völkischen Kreisen mit dem Renommee, der Vorkämpfer des jüdischen Materialismus gewesen zu sein. L a s s a 11 e , der zwar ebenfalls seinem kommunistischen Jugendideal stets treu blieb, aber nicht frei war von feudaler Romantik, erwarb sich trotzdem weder Fürstennoch Herrengunst. Nur der Fürst Bismarck, der sich selbst auf seinen Grabstein schreiben ließ: „ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I.“ machte Lassalle die „posthume Liebeserklärung“, er sei überzeugter Monarchist gewesen, ob ihm aber die Dynastie Lassalle oder die Dynastie Hohenzollern vorgeschwebt habe, sei zweifelhaft. 4. Der unerhörte Jacoby. Am 2. November 1848 entsandte die preußische Nationalversammlung eine Abordnung zu Friedrich Wilhelm IV. mit einer Adresse. Nach deren Verlesung drehte sich der Monarch wortlos auf dem Absatz herum, zeigte den Männern des Volkes seinen königlichen Rücken und schickte sich an, das Lokal zu verlassen, ohne der Abordnung weiteres Gehör zu schenken. Da entfuhren dem Munde des demokratischen Vertreters der Stadt Königsberg, Johann Jacoby, die geflügelten Worte: „Das ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wolle n.“ Was hierauf folgte, beschreibt der Geschichtslehrer Wilhelms II., der nationalliberale Professor Wilhelm Oncken, also: „Der König drehte sich nicht wieder um, hörte aber noch, wie jetzt fast alle übrigen Mitglieder der Deputation laut gegen die Äußerung Jacobys protestierten und sie samt ihm verleugne t e n , da er weder ermächtigt noch befugt war, mit Umgehung des Präsidenten allein für die Anderen das Wort zu ergreifen.“ So geht es, wenn die Stadt der reinen Vernunft einen Juden damit beauftragt, demokratische Politik für sie zu machen. Der Nationalfonds verlangt Eure Glückwünschablösungen für Erez-Israel! Sammelstelle Manchen San&melstelle Nürnberg Sammelstella Stuttgart CUsabeth Mahler S. Heinemann s. Friedrich Postscheckkonto 10121 Karolinenstr. 42 Hirschstr.24