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Das jüdische Echo · 1920-07-16 · 28/29 (16.7.1920) · p. Seite 323

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
28/29 (16.7.1920)
Date
1920-07-16
Page
Seite 323 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28/29 Das Jüdische Echo 323 lerische Gedanke ist nichts weniger als banal: die Wette zwischen Gott und! Semael, die das Ringen um die Erlösung Israels, ja der Welt in die Seele eines Knaben verlegt, gibt allem Getriebe einen tiefen Sinn. Und wenn der Zionist Arnold Zweig die Entsühnung des schuldigen Moritz Sdhiarff dadurch erfolgen läßt, daß der von eigener Hand Getötete dem Willen des himmlischen Gerichtshofes gemäß in Erez Israel zur Arbeit für sein Volk wiedergeboren wird1. so werden hier der Entsühnung und Befreiung des Volkes selbst die Wege gewiesen. Da's Stadttheater hatte vom Geiste des Stückes keinen Hauch verspürt. Nichtjüdisdhe Schauspieler sollten Juden darstellen; die erschütternde Sederszene im Kerker wirkte nur als Theater. Der zionistische Schluß, der in diesem Zusammenhänge gewiß mehr als Tendenz, der künstlerischen Notwendigkeit ist, wurde, cui bono?. gestrichen. Szenen, wie die zwischen dem Schutzherrn Israels, Elijähu hanabi und dem Renegaten Pfefferkorn, die — Symbole der zwei Seelen in des Juden Brust — einander Bruder nennen und miteinander gleiche Wege gehen —■ solche Szenen, in denen der Dichter der „Novellen um Chaudia*“ seine ganze Meisterschaft, der Jude Arnold Zweig sein tiefes Verständnis für jüdisches Wesen beweist, waren gestrichen. Es blieb die Kriminalaktion, es blieben die Volksizsenen, es blieben schließlich einige Semaelszenen. die weniger erhebend als lächerlich wirkten. Zufrieden konnte eigentlich nur der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sein: eine Art Kampfstück gegen den Antisemitismus blieb zurück; die Juden ganz weiß, ganz schuldlos, die Philosemiten treu und bieder, die Antisemiten kohlpechrabenschwarz. — Als Film wär’s noch schöner gewesen. Eine Leistung freilich muß der Gerechtigkeit willen erwähnt werden. Es war der Istoczy des Herrn Fischer-Streitmann. Eine prächtige Hetzerfigur, wie sie der Wahlkampf, wie sie die Versammlungen des Schutz- und Trutzbundes uns täglich zeigen. An die Aufführung des Zweigschen Stückes schloß sich übrigens ein kleiner Skandal. Die dritte Aufführung wurde für die Gewerkschaften veranstaltet. Ausgerechnet diese Aufführung wurde von Mitgliedern des Schutz- und Trutzbundes gestört. Man begreift eigentlich nicht recht, warum. Dem Antisemitismus hat das Stück in dieser Gestalt keinen Abbruch getan. Die dick aufgetragene Tendenz war eher geeignet, die Juden zu schädigen und lächerlicht zu machen. Daß die Arbeiter sich den Lärm nicht gefallen lassen wollten, ist verständlich. Es kam hier und da zu ganz derben Tätlichkeiten und so. wenn nicht zu einer Schädigung des Antisemitismus, so doch zu einer wenigstens temporären der Antisemiten. Erstklassiger Herrenschneider fl. E I N W fl <5 annehmbare Preise MÜNCHEN Residenzstraße 15/1 (Majc Joseph-Platz) Aus der jüdischen Weit Palästina. Neue Unternehmungen in Palästina. Der „Jewish Guardian“ meldet, daß eine Reihe neuer Unternehmungen in Palästina begründet wurden. Zu diesen gehören „The Geulah Kompany“, begründet von Goldberg und S. Gluskin und „Ir-Chadaschah“, begründet von Weiß, Hamit und Kleinmann. beide Kolionisationsgesellschaften, ferner die „Erste Palästina-Filmkompagnie“, die „American Palästina*. Iron Manufakturing Company“. „Palästina-Kommerzialbank“ (arabisch) und eine Filiale der „American Vacmim Oil Company“. Eine Nordau-Kolonie. Am 4. Juli fand hier ein jüdischer „Flaggentag“ statt. Die Veranstaltung, die unter dem Patronate des J.N.F. steht, bezweckt die Sammlung größerer Fonds für eine Nordau-Kolonie in Palästina. Eine Spende des Marschalls Allenbv für den Palästinawiederaufbaufonds. Lord Allenby hat dem Palästina'-Wiederaufbaufonds der zionistischen Organisation eine Spende von 1000 Pfd1. St. zugeführt. Diese Spende hat auf die palästinensische Judenschaft einen ausgezeichneten Eindruck gemacht. Erklärungen Lord Curzons zur Palästina-Frage. Im Oberhause fragte gestern Lord Sydenham. in welcher Weise in Palästina, da's unter englischem Protektorat zu einer nationalen Heimstätte der Juden gemacht werden solle, die Rechte der nichtjüdischen Mehrheit der Bevölkerung geschützt werden würden. Lord Newton brachte wiederum die Frage der in Ägypten internierten Palästinadeutschen zur Sprache. In seiner Antwort sagte der Staatssekretär des Äußern, Lord Curzon die deutschen und die österreichischen Kolonisten in Palästina seien nach der Besetzung des Landes aus militärischen Gründen in Ägypten .interniert worden. Einige davon seien auf eigenen Wunsch nach Deutschland zurückgekehrt, andere, die wieder nach Palästina zu gehen wünschten, würden ordnungsgemäß dorthin gebracht. Auf die Lage in Palästina übergehend, betonte Curzon zunächst, daß England kein finanzielles Interesse an dem Lande habe. Dann hob er den strategischen Wert, den das Land habe, hervor und sagte, es werde beinahe allgemein gewünscht, daß England in Palästina bleibe. Was die Frage Lord Sydenhams angehe, so hätten Araber und Türken bewiesen, daß sie unfähig waren, das Land zu entwickeln, und daher sei den Juden Gelegenheit gegeben worden, diese Aufgabe auf sich zu nehmen. Die Regierung hoffe, die Rechte der nidhitjüdischen Mehrheit der Bevölkerung durch Einsetzung einer zivilen Regierung zu wahren, die für die innere Sicherheit und Entwicklung des Landes zu sorgen habe. Die oberste Regierungsgewalt werde nicht durch die jüdische Mehrheit sondern durch die Mandatarmacht Großbritannien ausgeübt. In der Einwanderungsfrage werde die allgemeine Politik der Regierung dahin gehen, keine Einwanderer zuzulassen, für die das Land keinen Unterhalt biete. Sir Herbert Samuel, der dieser Tage als Oberkommissar eintreffen werde, sei a*uf Grund seiner Erfahrungen und seiner Gerechtigkeit die geeignete Persönlichkeit für die Behebung aller Schwierigkeiten. * London (J. C. B.). Im Verlaufe der Debatte im englischen Unterhause über den Völkerbund interpellierte Mr. Asquith über den gegenwärtigen

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