Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 27 (2.7.1920)
- Date
- 1920-07-02
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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308 Das Jüdische Echo Nr. 27 Der Zionistische Delegiertentag hat die Hoffnung mancher zu Schanden gemacht, daß gegensätzliche Strömungen im Zionismus zu einer Spaltung der Organisation oder zu verärgerter Abstinenz Einzelner führen könnte. Die zionistische Bewegung ist keine Partei, sie ist der Ausdruck des nationalen Willens des jüdischen Volkes, sie ist das politische jüdische Volk selbst. Je mehr sie die jüdischen Massen ergreift, desto mehr wird es sich zeigen, daß innerhalb des Zionismus sich Menschen nach ihrer Stellungnahme zu den großen allgemeinen und jüdischen Problemen, zu den Fragen des Aufbaus Palästinas und der Diaspora gruppieren und parteimäßig organisieren werden. Der demokratische Gedanke, der die Grundlage jeder zionistischen Arbeit bildet, wird darin zum Ausdruck kommen, daß die Bewegung der gewaltige Strom wird, der gleich tausend Nebenflüssen alle Richtungen aufnehmen wird, die der nationale Gedanke erzeugen kann. Die Kongresse und Delegiertentage der zionistischen Welt- oder Landesorganisation werden immer mehr zu Parlamenten werden, in denen der die Arbeit bestimmende nationale Wille sich bilden und zum Ausdruck kommen wird. Auf diesem Wege bedeutet der letzte Delegiertentag einen Schritt weiter. Die zionistische Organisation wird sich weiter politisieren, sie mag sich in Fraktionen und Gruppen gliedern, sie bleibt eine unteilbare Einheit, deren Geschlossenheit umso mehr zum Ausdruck kommen wird, je stärker der demokratische Gedanke die Grundlage jeder zionistischen Arbeit werden wird. Die „Jüdische Rundschau“ schreibt zum Delegilertentag: „Es ist selbstverständlich, daß dieser Augenblick nicht ohne starke Erschütterung vor sich gehen kann, ohne jene Erschütterung, die eben das Kennzeichen wirklichen Lebens ist. Unter .diesem Gesichtspunkt ist auch der letzte Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu betrachten; und, so gesehen, wird er als ein beispielloser Höhepunkt der zionistischen Entwicklung erscheinen. Es gab auf diesem Delegiertentag lebhafte Kämpfe, heftige Stürme, aber diese Kämpfe waren doch nicht rein parlamentarische Erscheinungen, vielmehr der unmittelbare Ausdruck des Gefühls, daß in diesem Augenblick Entscheidungen von höchster Tragweite bevorstehen. Beide Gruppen, die einander gegenüberstanden, waren von diesem Gefühl erfüllt. Nur meinte die eine, daß mit Rücksicht auf die großen Aufgaben es Sache des Zionismus sei, möglichst viele Kräfte dadurch zu gewinnen, daß man mit dem Begriff Zionismus nicht gleichzeitig ein großes Maß persönlicher Lebensverpflichtungen verbindet, während die andere Gruppe der Ansicht ist, daß gerade jetzt alles davon abhängt, zumindest eine Kerntruppe von Zionisten zu haben, die das Letzte auch im persönlichen Leben für die Verwirklichung der Idee einzusetzen entschlossen ist. Diese letztere Auffassung von Zionismus ist besonders in den Kreisen der Jugend verbreitet, welche einerseits ihr Leben noch nicht in bestimmter Richtung und in bestimmten Bindungen festgelegt hat, andererseits das Bedürfnis hat, sich dort, wo sie Größe bejaht hat, ganz hinzugeben. Diese Jugend hat zum erstenmal mit unüberhörbarer Stimme ihren Anteil an der Arbeit und ein adäquates Maß von Einfluß gefordert. Sie hat gewissen, in letzter Zeit unternommenen Abschwächungsversuchen der nationalen Intensität des Zionismus mit allem Ungestüm die Forderung der Reinhaltung der nationalen Idee entgegengesetzt. In der schwülen Atmosphäre des Versammlungssaales ist nicht immer allen Delegierten gegenwärtig gewesen, um welche Auseinandersetzung es eigentlich geht. So konnten Verstimmungen entstehen, wo mehr die Verneinung als die Bejahung beachtet wurde, wo man nur die Erschütterung hergebrachter politischer Formen empfand, während man übersah, daß aus dieser Ablehnung erst die Möglichkeit lebendigen, ungestümen Schaffens ersteht. * * * Der Delegiertentag wählte per Akklamation folgende Herren in den Geschäftsführenden Ausschuß der Z.V.f.D.: Vorsitzende: Dr. A. Klee, R.-A. Felix Rosenblüth. Mitglieder: Julius Berger, Kurt Blumenfeld, Boschwitz, Kober. Dr. Siegfr. Moses, Dr. Walter Moses, Egon Rosenberg, Dr. M. Schwabe, Dr. M. Strauß, Davis Trietsch, Dr. Weil, Dr. Weltsch, Wolisteiner. An unsere Leser! Infolge der ungeheueren Schwierigkeit in der Beschaffung von Papier sehen wir uns gezwungen, eine Einrichtung zu treffen, die uns wenigstens für die nächste Zeit über die schlimmsten Hemmungen hinweghilft und uns das Ausreichen mit unserem Kontingent Wenn auch nur einigermaßen ermöglicht. Wir werden daher für die Dauer der ja ohnehin ruhigeren Sommermonate gleich einer Reihe anderer Wochenschriften uns damit beschränken müssen, das „Jüdische Echo“ nur 14tägig erscheinen zu lassen und hoffen unsere Leser durch umso größere Reichhaltigkeit der erscheinenden Nummern entschädigen zu können. Unsere nächste Nummer erscheint Freitag, den 16. Juli ds. Js. Verlag und Redaktion des „Jüdischen Echo“. Jahreskonferenz des deutschen Landesverbandes Hapoel-Hazair In der vom 16.—19. Juni in Berlin stattgefundenen Landeskonferenz des Hapoel-Hazair wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Konferenz stellt fest, daß das Prinzip des Pioniertums (Chaluziuth) das oberste Prinzip des Aufbaus und den wesentlichen Bestandteil der Hapoel-Hazair-Idee darstellt. In der Erkenntnis, daß für die Erneuerung des Volkes eine starke und umfassende Wandlung seiner wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Struktur notwendig ist, stellt dieses Prinzip die zentrale Rolle der Pioniergruppen für diesen Regenerationsprozeß fest. 2. Die Konferenz sieht in der Einigung der Arbeiterparteien in Palästina in Übereinstimmung mit den Beschlüssen der Prager Konferenz eine unerläßliche Bedingung für die gedeihliche Entwicklung des arbeitenden Jischuw. Sie empfiehlt deshalb die föderative Vereinigung der Parteien auf Grund der Vorschläge Trumpeldors. 3. Die Konferenz begrüßt den Waad Poel des Weltverbandes, auf dessen energischer Arbeit eine große Verantwortung liegt und fordert die Chawerim in Deutschland auf, ihn nach Kräften zu unterstützen.