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Das jüdische Echo · 1920-06-18 · 25 (18.6.1920) · p. Seite 288

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
25 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
Seite 288 (sequence 8)
Language
German
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288 Das Jüdische Echo Nr. 25 Reden und Artikel. Es ist ein ganz besonders stolzes Gefühl, zu sehen, wie die prächtige Gestalt des jungen jüdischen Menschen mit dem blauen Davidsstern auf der Brust weit vor allen anderen in das Ziel stürmt und wir können nur wünschen, daß die in der Stadt leitenden Männer, die vor dem Ziele standen, oft uns s o zu sehen bekommen, wie in diesem Moment. Das anerkennende Beifallsgemurmel, das durch die riesige Menschenmenge ging, zeugte von einer stärkeren Wirkung als alles, was hier gegen den Antisemitismus geschieht. Da ist eine Leistung, die nur von den einzelnen jungen Leuten aus Liebe zum Judentum, aus Freude an der körperlichen Betätigung in langer, zäher Arbeit vorbereitet wurde. Dies muß aber eine Mahnung an alle Juden der Stadt sein, hier mitzuwirken, jeder mit den Mitteln, die ihm gemäß sind: die Jungen, die Turnen und Sport treiben können, sollen aktiv mittun die Reihen des Bar Kochba zu stärken, die Alten, die dafür nicht in Frage kommen, sollen die Jugend aller Kreise heranziehen helfen und sollen auch mit Geldmitteln unterstützend eingreifen. Die Entwicklung des Bar Kochba könnte eine viel breitere und raschere sein, wenn ihm größere Geldmittel zur Verfügung stünden, als die, die seine meist jugendlichen Mitglieder aufzubringen vermögen. Wem die Gründe, aus denen schon immer ein jüdischer Turn- und Sportverein nötig war, nicht einleuchteten, der wird hoffentlich begreifen, daß die Leistungen des Bar Kochba auf dem unbestechlichen Gebiet des sportlichen Wettkampfes außerordentlichen Wert für den jüdischen Namen haben. Diese Erfolge können nicht mißdeutet werden. Auch unser größter Feind muß sie als das nehmen, was sie sind, wertvolle Leistungen eines kleinen sportlichen Kreises auf dem Gebiete, auf dem wir Juden bisher, wenn auch zu Unrecht, als inferior galten. Der jüdische Namen, der Davidstern auf der Brust, das sind dabei die ausschlaggebenden, die wichtigen Dinge. Große Leistungen von Juden auf turnerischem und sportlichem Gebiet gab es schon immer. Ein Jude war mehrfach deutscher Meisterschaftsturner, Juden haben da und dort sportliche Rekorderfolge erzielt. riÖNCHNER ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND LEBEN &NZ&JVUMMm IMK-öQ VERLAG DER,JUGENOrM0NKHEN) All dies hat jedoch für das Judentum keine Bedeutung gehabt. Daß die Erfolge mit der jüdischen Fahne errungen werden, ist wichtiger für das Judentum und dabei mitzuhelfen ist Pflicht aller, die ihre Augen nicht dem Werte dieser Leistungen verschließen. Erklärung Der „Beobachter“ beschäftigt sich am 9. Januar mit meiner Rede auf der ostjüdischen Konferenz in Berlin in der bei ihm üblichen verleumderischen, entstellenden Art, indem er einen Satz aus dem Zusammenhang reißt und ihn nach Belieben umdeutet. Bei der Übung des Beobachters, seine Angriffe anscheinend mit dem Gesetzbuch in der Hand so verklausuliert zu machen, daß sich davor alle „talmudische Spitzfindigkeit“ verstecken darf, ist es aussichtslos, ihm mit Berichtigungen auf Grund des Pressegesetzes zu kommen. Ich erklärte es bei der ostjüdischen Konferenz im Hinblick auf das Fürsorge- und Wohlfahrtswesen für nötig, daß die Ostjuden selbst nach Kräften mit tätig sind, daß sie „nicht nur Objekt, sondeirn Subjekt“ sein sollen. Wer wundert sich darüber, daß die Wahrheitsliebe des „Beobachters“ daraus ostjüdische. Herrschergelüste macht? Jakob Reich, Vorsitzender des Gesamtausschusses der Ostjuden in München. Klassische Beispiele 1. Athen. Die Athener waren erfüllt von völkischem Vorurteil. Sie verachteten nicht nur sämtliche Barbaren, sondern hielten auch alle anderen Hellenen, vorab die Spartaner und Böotier, für minderwertig. Ist es da ein Wunder, wenn die Isarathener, die keinen Überfluß an attischem Salz besitzen, auf Preußen und Juden schimpfen? In Athen hielten sich die Großbürger für „die Schönen und Guten“ und verachteten die „Banausen“. In Isarathen halten sich die Banausen für „die Grüabigen“ und verachten „das Gesindel“. Dort Übermenschen mit Herdeninstinkt; hier Herde mit Herrenmoral. Die attischen Sophisten verkauften unter dem Widerspruch der Akademiker ihre Weisheit für Geld. Die Münchener Sophisten verkaufen unter dem Beifall von Akademikern ihre Dummheit für Geld. 2. Sparta. Die Messenier zu bestehlen, galt den Spalrtanern nicht für schimpflich, wohl aber, sich dabei ertappen zu lassen. Moderne Spartaner halten nicht allein den Diebstahl für erlaubt, sondern machen sich auch noch groß, wenn sie erwischt werden. Die Spartaner erzogen ihre Jünglinge zur Nüchternheit, indem sie Heloten betrunken machten. Heute sind es die Heloten, die angesichts der jeunesse doree die Nüchternheit schätzen lernen. Der spartanische Militarismus hat mit dem spartacistischen gemeinsam, daß beide den Tiefstand der Kultur noch mehr voraussetzen als verursachen. 3. Rom. Bei den römischen Saturnalien spielten Herren und Knechte mit vertauschten Rollen. Aber schon nach wenigen Tagen war es mit der Knechtseligkeit der Herren und der Herrlichkeit der

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