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Das jüdische Echo · 1920-06-18 · 25 (18.6.1920) · p. Seite 287

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
25 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
Seite 287 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 287 Ausweisungsverordnung Brutalitäten anwendet, die das Ansehen Bayerns überall, wo sie bekannt werden, auf das allerschwerste schädigen müssen, ohne daß dem Lande ein irgendwie nennenswerter Nutzen entsteht. Landeskonferenz des Hapoel Hazair Am 16. Juni findet in Berlin im Meistersaal, Köthenerstraße 38, die 2. ordentliche Landeskonferenz des Hapoel Hazair statt. Die Tagesordnung ist folgende: Beginn am Mittwoch, 16. Juni, um 7Uhr abends: 1. Eröffnungsrede (Dr. Robert Weltsch). 2. Bedeutung der Prager Konferenz (Rudolf Samuel, Ludwig Strauß). Donnerstag, 17. Juni, vormittags 10 Uhr: 3. Rechenschaftsbericht des Zentralen Waad (Chajim V. Arlosoroff). 4. Debatte. Donnerstag, 17. Juni, nachmittags: 5. Unsere Arbeit in Deutschland a) Grundsätzliches (Kurt Blumenfeld), b) Gruppenarbeit (Gerda Arlosoroff - Goldberg. Freitag. 18. Juni, vormittags: 6. Chaluzarbeit (Leo Kaufmann, Jizchak Syrkin). 7. Organisation, Finanzen, Wahlen. Arnold Zweig über San Remo und die jüdische Frage. Am 9. Juni sprach Arnold Zweig im Konzertsaai des Bayerischen Hofes auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe München über die Frage, die heute, trotz allem, auch sonst in jüdischen Dingen wenig interessierte Kreise tiefer faßt. München hat selten eine so große und vor allem selten eine so ernste jüdische Versammlung gesehen. Es ist Arnold Zweig zu danken, daß er durch seine Behandlung des Themas bei seinen Zuhörern einen Ernst erzeugte, der in Volksversammlungen nicht oft zu finden ist. Zweig verzichtete völlig auf alle rhetorischen Mittel, verzichtete auf jede billige Möglichkeit, Begeisterung hervorzurufen und vermochte doch oder gerade deswegen die Zuhörerschaft aufs Tiefste zu fassen und sie zu innerst als mit einem jeden Einzelnen betreffenden Problem zu verknüpfen. Von der politischen Situation der Welt und des jüdischen Volkes ausgehend schilderte Zweig die ungeheueren Schwierigkeiten des Unternehmens, vor das die Beschlüsse von San Remo das jüdische Volk stellen. Er zeigt, wie sehr die jüdischen Massen im Osten zerstört und zermürbt sind, wie sehr ihnen allen die materiellen Kräfte fehlen, auf die man früher als Hauptfaktor rechnete, er zeigt die Schwierigkeiten der Übersiedelung, die Schwierigkeiten des Transportes und der Ansiedelung von vielen Seiten und die ungeheueren Schwierigkeiten, die politische Umwälzungen im Orient verursachen können und vielleicht verursachen werden, um zu dem Schluß zu kommen, daß die geistige, moralische und politische Situation des jüdischen Volkes, daß seine Geschichte und seine Bestimmung in der Welt trotz der ungeheuerlichsten Schwierigkeiten es notwendig machen, die Aufgabe auf sich zu nehmen. „Wenn Juden etwas nahezu Unmögliches versuchen, kann sie dazu nur eine einzige Macht treiben, die äußerste und letzte Notwendigkeit, das Schicksal. Wir wollen nicht sterben, wir spüren in uns noch die Leidenschaft, die sagt, die Existenz des Juden hat einen Sinn, sonst hätte er nicht die unerhörten Leiden durch die Jahrhunderte ertragen. Der einzige Weg für uns, trotz aller Schwierigkeiten, trotz der elenden Lage, Entkräftigung und durchaus ungewissen Gegenwart und Zukunft ist Palästina. Wir werden versuchen, in Palästina eine neue Zelle des jüdischen Volkes zu schaffen. Wir müssen es versuchen, weil wir sonst aufhören wir selbst zu sein. Wir können nicht warten, und gerade unsere Besten erleben jetzt diese tragischen Augenblicke, wir können nicht warten, bis wir den Willen zur Erneuerung in uns selbst verwirklicht haben. Der Untergang des Judentums in der Form der Assimilation wäre das Schmählichste, was einer heroischen Geschichte von 2000 Jahren angehängt werden könnte. Wer der Träger der sozialen Idee und der Einheit Gottes ist und damit die geistige Aufgabe, das Leben zu vergöttlichen, auf die Erde trägt, der ist dem besten Menschentypus ebenbürtig. Weil wir die Träger dieser Ideen waren und sind, darum wissen wir auch, daß die Aufgabe, die wir uns gesetzt haben, in Palästina ein Gemeinwesen von Juden zu errichten, welches versucht, ein Gemeinwesen ohne die furchtbaren moralischen Ungerechtigkeiten zu sein, welches nicht auf der Macht begründet wird, sondern welches ohne die Verletzung wesentlicher Rechte anderer Gemeinwesen sich einpflanzen will in die nackte Erde eines vernachlässigten Landes mit einem von der Not angenagten Keim und aus dieser äußersten Not verursacht die Aufgabe, welche Moses und den Propheten gegeben worden ist, im 20. Jahrhundert auf der Erde zu verwirklichen, durchgeführt werden muß. Nicht durch die Sauerteigidee, sondern im eigenen Volksleben, denn jeder an einem fremden Volksleben versuchte Sozialismus muß zu einer erbitterten Reaktion gegen den Sozialismus führen, weil die nationalen Gewalten lebendige Gewalten sind. Nur am eigenen Leben dargestellt, kann der Sozialismus des Juden sich wirksam erweisen und das ist das letzte Wort, das gesprochen werden kann.“ Der spontane und lang anhaltende Beifall zeigte, daß die Versammlung Zweig sehr gut verstanden hatte und viele werden das Bewußtsein einer Pflicht aus dieser Versammlung mitgenommen haben. Bei alledem muß ich gestehen, daß ich und gewiß viele, die Palästina aus eigener Anschauung oder sonstwie einigermaßen kennen, das Empfinden hatte, daß die Schwierigkeiten von Zweig — vielleicht unbewußt — allzu sehr betont und übertrieben wurden und daß die Möglichkeiten doch erheblich größere sind, als sie in der Schilderung Zweigs erscheinen, vielleicht erscheinen mußten, um der Schwere der Aufgabe die Größe der Pflicht gegenüberzustellen. Dies in außerordentlich ernster und tiefer Weise getan zu haben, ist Zweigs besonderes Verdienst. R. Bar-Kochba Erster! Nicht zum ersten Male, aber umso freudiger vernahm man diese Kunde nach dem großen Staffellauf Grünwald - München am vergangenen Sonntag. Bar Kochba siegte in seiner Klasse gegen eine starke, sportlich sehr ernste Konkurrenz in glänzender Form und man konnte hier wieder einmal sehen, um wieviel mehr ein solcher Sieg für die Achtung der Juden bedeutet als tausend

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