Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 25 (18.6.1920)
- Date
- 1920-06-18
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Das Jüdische Echo Nr. 25 die in der Deklaration festgelegte Politik durchzufiihren. Was die Araber betrifft, so werden diese unsere intelligenten Stammesverwandten einsehen. daß sie von der jüdischen Entwicklung des Landes nur profitieren können. Wir kommen in das Land nicht als Eroberer. Die Frage der Einwanderung. Auf an ihn gerichtete Fragen bezüglich der Einwanderung antwortete Weizmann etwa folgendes: es wird zwei Klassen von Einwanderern geben; die einen werden durch Vermittlung der zionistischen Organisation in das Land kommen und für diese übernimmt die Organisation auch die Verantwortung. Die andern, welche sich der Kontrolle durch die zionistischen Instanzen nicht zu unterwerfen wünschen, gehen auf eigene Gefahr hinüber. So bedauerlich die Feststellung sein mag, so muß doch mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß im ersten Entwicktungsstadium das Land nicht mit Einwanderern überschwemmt werden kann, die sich nicht selbst zu erhalten vermögen. Es gilt zunächst, das Land für die Aufgabe einer größeren Einwanderung vorzubereiten. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die sofortige Errichtung von Empfangs- und Kontrollstationen in den Auswanderungsländern. Es soll alles getan werden, um die Auswanderer mit den neuesten und sorgfältigsten Informationen ständig zu versorgen, so daß sie über die Verhältnisse im Lande stets genau unterrichtet sind. In Palästina' und in den Mittelmeerhäfen sollen Durchwanderer-Stationen errichtet werden. Den auf eigene Gefahr hin Einwandernden sollen ebenfalls alle Informationen zur Verfügung gestellt werden; sie werden sich aber genau über die Bedingungen zu erkundigen haben, unter denen sie Ansiedlungserlaubnis erhalten können. Die Paßfrage. Weizmann meint, daß seitens der englischen Regierung die Absicht besteht, da!s Visum der zionistischen Organisation als ausreichend anzuerkennen. Nach zwölf Monaten soll jeder eingewand'erte Siedler im Besitz eines palästinensischen Passes sein. Zionisten und Nichtzionisten. Was die Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionisten in Palästina anbetrifft, so sagte Weizmann. daß es wichtig sei. a'lle Juden zur Mitarbeit heranzuziehen. Indessen dürfe nie vergessen werden, daß man daran gehe, ein nationales jüdisches Heim zu schaffen, und daß von diesem Prinzip nicht abgewichen werden dürfe. Wir sind jedoch eine demokratische Bewegung und niemand hat das Recht auf Privilegien. Es gäbe hier nur eine Ausnahme: den Baron Edlmond de Rothschild, der die jüdischen Kolonien in Palästina gegründet hat. Außer ihm hat niemand in Palästina Überragendes geschaffen. Die Frage der Bauten. Palästina hat bereits heute einen Bedarf von mindestens 5000 Häusern. Es sei nötig, innerhalb eines Monats etwa ein großes Bauprogramm auszuarbeiten und sogleich Vorsorge für die provisorische Unterbringung der Bauarbeiterschaft zu treffen. Das Bauprogramm allein könne etwa 15 000 Mann beschäftigen. Wenn man annimmt, daß in den ersten zwölf Monaten etwa 25 000 bis 30 000 Einwanderer ins Land kommen können, so mögen diese Zahlen gering erscheinen gegenüber der Forderung der Massenemigration. Es liege jedoch alles daran, die größte Gewähr für das Gelingen des Werkes zu erhalten. Wenn wir lediglich unter dem Eindruck der Not in Osteuropa handelten, so würden wir damit das Risiko völligen Fehlschlagens eingehen. Palästina ist kein Wohltätigkeitsbazar, es ist auch nicht nur eine religiöse Gemeinde; es ist die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes und soll alles umfassen, was an lebendiger und schöpferischer Kraft im Judentum vorhanden ist. Ich denke, daß alle diejenigen Juden, die noch einen Funken von Jüdischsein sich bewahrt haben, die Zeit zu deuten wissen und herbeieilen werden, um Palästina mit uns aufzubauen. Platz ist für alle da. Besserung der Zustände in Ungarn Seit Monaten hiat in Ungarn jede öffentliche Sicherheit zu bestehen aufgehört und besonders die Juden leiden unter einem Terror, dessen tierische Grausamkeiten nach Beispielen in der Geschichte suchen. Endlich zeigt sich nun. daß das Gewissen der Welt, an dem man schon zu verzweifeln veranlaßt war, nicht tot ist. Wohl im Zusammenhang mit den Erfahrungen, die die Abgeordneten der Englischen Arbeiterpartei in Ungarn sammelten, ist gegen Ungarn ein Weltboykott angedroht und die aufgerüttelte öffentliche Meinung der Welt hat die ungarischen Machthaben gezwungen, eine Änderung der Verhältnisse herbeizuführen und für Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit zu sorgen, nachdem nicht viel fehlte, daß die Regierung über der aus diesem Anlaß entstandenen Krise gestürzt worden wäre. Der Obmann aller Mordbrenner und Verbrecher des weissen Terrors, der Reichsverweser Horthy, hat in Gemeinschaft mit den Ministern Sicherung der inneren Ordnung mit den energischsten Maßnahmen zugesagt. Graf Apponyi hat am Sonntag, den 6. ds., in Jaszberenyi seinen Wählern unter anderem das Folgende erklärt: „Die Judenverfolgung perhorresziere ich schon deshalb, weil sie zum großen Teil bloß eine Erscheinungsform der Faulheit, der Scheu vor konkurrierender Arbeit, im übrigen aber ein Abgleiten der christlichen Richtung von den Selbstbeherrschung und Einkehr erfordernden Höhen der christlichen Moral in einen Abgrund ausschweifender Zügellosigkeiten ist, in dem allen bösen Leidenschaften stattgegeben werden kann.... Was für Rock immer die Urheber solcher Handlungen tragen, sie müssen mit eiserner Hand gezügelt werden. und zwar sofort. So sehr ich! auch begreife, daß das Reifwerden großer Reformen Zeit beansprucht, und so sehr ich. wenn auch ungern, inbezug auf solche mich aufs Warten verstehe, ebenso fordere ich. daß die volle Herstellung der Rechtsordnung, die Gleichheit der Rechtssicherheit für jeden Bürger des Vaterlandes keine Stunde verzögert werde.“ Seither wurde die Einziehung der Wehrorganisationen, der Hauptträger des weißen Terrors, von den Behörden verfügt, bezw. soweit sie bestehen bleiben, ihnen das Recht zum Vorgehen gegen Zivilpersonen entzogen. Es ist sonach zu hoffen, daß das Martyrium, das besonders die Juden in Ungarn durchtzumachen hatten, seinem Ende zugeht. So haben sich, wenn auch spät, die ungarischen Reaktionäre entschlossen, sich der öffentlichen Meinung der Welt zu fügen. Es scheint, daß Bayern das einzige Land in Europa ist. das es sich leisten kann, sich um diese öffentliche Meinung nicht zu kümmern, und in der Handhabung der