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Das jüdische Echo · 1920-06-18 · 25 (18.6.1920) · p. Seite 285

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
25 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
Seite 285 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 285 Einwanderer aus Osteuropa mitbringen werden. Jetzt haben wir gesehen, daß diese bunten Papiere namens Mark oder Rubel keinen Wert haben. Die finanzielle Last des Aufbaus wird daher vorläufig auf das amerikanische Judentum fallen müssen und wohl auch die Mithilfe Einzelner in Frankreich und England finden. Aber in derselben Zeit, in der wir uns betreffs des Aufbaus Palästinas an lene wenden. wird man sieb auch von den zerstörten Ländern aus im Namen des Erbarmens, der Hilfe und der Rettung vor Hungersnot ab sie wenden. Nur die Blinden unter uns können diese „Konkurrenz“, die dem Aufbau Palästinas aus dieser Hilfsaktion für Osteuropa erwächst, unterschätzen. Eine solche Zerstörung hat unsere Geschichte noch nicht erlebt, ein solcher Jammerschrei ist noch nicht gehört worden. Und diese werden unseren Ruf übertönen, wenn wir sie nicht uns einverleiben werden und wenn wir nicht unseren Aufbau hier als Antwort auf die dortige Zerstörung gestalten werden. Unsere frühere Devise im Kampfe gegen die Assimilation, daß der Zionismus nicht auf zeitweilige Unglücksfälle zu rechnen habe, ist jetzt hinfällig geworden und hat keine Berechtigung mehr gegenüber dem Zusammenbruch in Osteuropa. Diese chaotische Katastrophe ist kein „zeitweiliger Unglücksfall“. Im Laufe vieler Jahre hatten wir Zionisten gepredigt, daß das Leben unseres Volkes im Galuth trügerisch ist, und daß der Tag der Krisis kommen werde, der diesen Trug aufdecken müsse. Was nun vor sich geht, ist eben jene große Krisis, kein „Zufall“, sondern eine organische Folge, der Trug des Galuth, dem endlich die Maske entsunken ist. Es ist eine Irrlehre — eine schwere und gefährliche Irrlehre —. in diesem Moment sich von der furchtbaren .Zerstörung abzuwenden und guten Mutes zu verkünden: „Wir haben als Zionisten nichts damit zu tun. Die Zerstörung in Osteuropa ist eine Sache für sich, und der Aufbau Palästinas ist eine andere. Wer den Ruinierten helfen will nehme links Platz, und wer Palästina aufbauen will, rechts!“ Der Zionismus ist kein Spiel. Der Zionismus ist die Lösung des Trügerischen im Galuthleben, oder er ist selbst ein Trug. Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer Heimstätte für da's jüdische Volk in Palästina. Wenn man eine solche Gegenwart hat. muß man entweder die Zukunft mit der Gegenwart verbinden, gerade als „Antwort auf den Mordsturm“, oder man muß die Sorge um die Zukunft überhaupt für günstigere Zeiten aufschieben. Werdet Ihr darauf e in gehen? Zu einem großen Aufbau werden wir große Summen und zu einem kleinen werden wir überhaupt nichts bekommen. Da's Programm der Arbeit ist die vierte Bedingung — ein Programm, das dem historischen Moment und den Bedürfnissen der Immigration entsprechen muß. Gewiß, kein Programm für die Kolonisation von „neun Millionen'auf einmal“, aber ein Programm, das das ganze Land von Dan bis Beer-Schewa umfaßt, mit allen Bergen, die der Aufforstung bedürfen, und allen Sümpfen, die der Trockenlegung ha'rren. allen Zweigen der Industrie, die man noch entwickeln oder neu schaffen kann, allen notwendigen Eisenbahnen und Landstraßen, Bewässerungsanlagen und Maschinerien zur Ausnutzung der Wasserkräfte — kurz: die vollständige Aufbauarbeit, die wir früher als eine Arbeit von 25 bis 50 Jahren betrachteten, müssen wir jetzt in einer sehr viel kürzeren Zeit ausführen. Ein Plan für öffentliche Arbeiten, die Abertausende und nicht nur Hunderte von Arbeitern beschäftigen würden; ein Plan zum Kauf von Landstrichen, die Millionen und nicht Hunderten die Möglichkeit geben werden, sich anzusiedeln; ein Plan für Produktion und Handel, die viele Tausende ernähren sollen; ein Plan zur Rettung eines großen Teiles der Ruinierten; ein Plan, der ein organischer und zentraler Teil der Hilfsaktion sein wird und welcher mit jedem anderen Vorschlag zu großzügiger Hilfe den Vergleich aushält. Ein Plan, in dessen Namen wir nicht Millionen, sondern MilliaTden werden fordern können und für den das ganze Volk sich Miühe geben wird, das Nötige aufzutreiben, soweit es nur können wird. Nicht um das Volk zu betrügen, schlagen wir dies vor. nicht um ihm zu erzählen, daß wir ein sicheres Mittel zur Lösung aller Fragen gefunden haben, sondern wir wollen uns an die jüdische Welt wenden mit der Wichtigkeit des Moments entsprechenden Vorschlägen und mit der Wichtigkeit des Vorschlags entsprechenden Forderungen und dazu die unsterblichen Worte hfnzufügen: Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen!... Wieder steht ein „Geduldsmensch“ auf und fragt: „Woher sollen wir aber die Arbeitsleiter, die Spezialisten und Organisatoren zur Führung der Riesenarbeit nehmen?“ — Solbhe sind in unserem Volke vorhanden, nur dienen sie fremdem Zwecken. Wenn wir aber einen riesigen Bau unternehmen werden, so werden auch sie uns folgen und uns helfen. Wenn wir jedoch eine Zwergenhütte bauen wollen, werden sie nicht kommen, und auch das Volk wird unseren Plänen fernbleiben. Äus einer Rede Weizmanns vor der English Zionist Federation Die Einrichtung der Zivilverwaltung. Vom 1. Juli an wird in Palästina die Zivilverwaltung errichtet werden und zwa'r ohne Rücksicht darauf, ob bis zu dieser Frist der Friedensvertrag seitens der Türkei ratifiziert sein wird oder nicht. Die Errichtung der Zivilverwaltung wird die Möglichkeit geben, endgültige Pläne für die Entwicklung des Landes aufzustellen. Es werden solche Pläne sowohl von der zionistischen Organisation ausgearbeitet, wie von solchen Leuten, die Unternehmungen in Palästina errichten wollen. Die Privatinitiative wird seitens der Leitung mit allen zweckdienlichen Informationen versehen werden, jedoch übernimmt die zionistische Organisation keinerlei Verantwortung für ihre Wirksamkeit. Die Regelung der Einwanderungsfrage im Lande selbst wird in Händen eines jüdischen Volkswirtschaftsrates liegen, der ohne politische Kompetenzen die Interessen der Einwanderer der englischen Verwaltung gegenüber vertreten wird und dem wichtige wirtschaftliche Konzessionen gegeben sein werden. Der kapitalistischen Ausbeutung wird keinerlei Vorschub geleistet werden. Der Volkswirtschaftsrat wird auch für die Bewässerung und Kraftversorgung des Landes verantwortlich sein. Im allgemeinen wird er eine beratende Instanz in allen jüdischen Angelegenheiten für die Verwaltungsbehörde bilden und mit steigender Einwanderung wird seine Bedeutung und werden seine Kompetenzen wachsen. Die Zivilverwaltung muß sich den Aufbau der jüdischKiationalen Heimstätte zur ernsten Aufgabe machen. Es kann kein Zweifel daTüber bestehen, daß die englische Regierung die feste Absicht hegt,

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