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Das jüdische Echo · 1920-06-11 · 24 (11.6.1920) · p. Seite 274

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
24 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
Seite 274 (sequence 6)
Language
German
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274 Das Jüdische Echo Nr. 24 Ungarn. Pogromopler. Aus den Budapester. durch die Zensur beschränkten Pressenachrichten geht hervor, daß die Zahl der bei den Pogromen Schwerverletzten fast 100 betrug, und daß bis jetzt drei Personen ihren Verletzungen erlegen sind. An vielen Stellen fanden die Ausschreitungen unter militärischer Assistenz statt. Nach einem Bericht wurden die Exzesse durch die Mitglieder eines hauptstädtischen Vereins, gemeint ist der „Verein der erwachenden Ungarn“, ausgeführt, doch ließ die Zensur die Veröffentlichung des Namens nicht zu. — Es wird gemeldet, daß Oberrabbiner Dr. Löw aus Szegedin auf Intervention der Entente und der holländischen Regierung enthaftet wurde. Rußland. Der wirtschaftliche Ruin der russischen Juden. Ein Mitglied der Abordnung russischer Konsumgenossenschaften, das sich vor einiger Zeit in Kopenhagen aufhielt, machte dem Berichterstatter der „Jewish World“ nähere Angaben über die wirtschaftliche Situation der russischen Juden. Er äußerte hierbei, daß eine nennenswerte Auswanderung nach Amerika oder Palästina in absehbarer Zeit nicht möglich sei. Die einzige Hilfsmöglichkeit bestehe darin, den russischen Juden Land zu geben. Die Sowjet-Regierung sei auch geneigt, Land für jüdische Innenkolonisation zur Verfügung zu stellen. Amerika. Wiederzusammentritt des iüdischen Kongresses in Amerika. The Jewish Correspondence Bureau meldet: Nach einjähriger Unterbrechung versammelte sich am 30. Mai der Kongreß der amerikanischen Juden zu einer überaus manifesten Tagung in Philadelphia. Nach Erstattung ausführlicher Referate über die Lage der Juden in Osteuropa und Palästina beschloß der Kongreß auf seiner Sitzung vom 31. Mai, sich in Permanenz zu erklären, um die Rechte der Juden in den Ländern ihrer Bedrückung mit allem Nachdruck zu wahren. Literarisches Echo Israel Tunis, Der jüdische Pionier in Erez- Israel. Seine Tat und seine Wandlung. R. Löwit-Verlag, Wien und Berlin. Dies kleine, wundersame Büchlein eines Palästinensers gibt Kunde vom wahrhaften Gestaltwerden dort in Erez-Israel; denn es zeigt, wie echte jüdische Jugend in werktätiger Hilfe die neue Gemeinschaft aufbaut. — „Ein Land kann erobert werden, nicht nur mit dem Schwert, vor allem durch — Arbeit! — Ein Volk — es muß erst aus sich selbst, aus seinen elementar gewordenen, direkten Beziehungen zum Leben, den Willen zum nationalbewußten Sein hervorbringen.“ Und wir sehen es kommen! — Aus den Reihen der Ersten, der Bilu, die das ersehnte Land bevölkerten, sodaß sie es recht wortgetreu in Besitz nahmen, stiegen die Poale-Zionisten empor; sie besaßen ein Programm — darin stand: wir fordern den jüdischen Arbeiter — doch noch nicht die innere Notwendigkeit sprach so. — Bald aber atmete etwas, regte sich und schlug die Augen auf wie ein neugeborenes Kindlein. — Die Liebe zum Heimatboden wars; mit jüdischer Arbeit, in jüdischer Sprache wollte sie um ihn werben, mit ihrem Leben ihn befriedigen. So entstand der Poal^Hazair, der Haschomer, das Sedschera-Kollektiv. Da schuf Jugend aus reinem, starken jüdischen Willen — fern von all den kleinmütigen und in sich zersplitterten Menschen — die erste jüdische Arbeitergemeinschaft in Galiläa. — Formte ein „neues Kleid“ für ihren müh-seligen. inhaltsreichen Tag — und lebt und stirbt für eine bessere Zukunft. W.V. Baruch Krupnik, Die jüdischen Parteien. Ein Überblick zur Orientierung. Jüdischer Verlag, Berlin. Der Verfasser nimmt vom zionistischen Standpunkte zu den großen Strömungen des modernen Judentums Stellung. Auf wenigen Seiten wird viel gesagt. Dem jüdischen Politiker aller Richtungen sei das Büchlein empfohlen. Der Preis von Mk. 2.— scheint selbst für heutige Verhältnisse recht hoch zu sein. Benno Frei, Jüdisches Elend in Wien. Bilder und Daten. R. Löwit-Verlag, Wien und Berlin. Wer die Juden nicht kennt, beneidet sie. Sie sind reich, haben in allem Elend immer noch alles. Das ist Volkes Stimme, die längst nicht mehr Gottes ist. — Wer diese Daten und Bilder las und sah, wird erschüttert schweigen. Sie sind Zeugnisse furchtbarsten Elends und zeigen das jüdische Volk als das, was es ist: das ärmste der armen. G—. Feuilleton Die Kriegsgefangenen und die Juden in Frankreich Von -Martin Feuchtwanger (Halle a. S.). Ich habe während meiner dreieinhalbjährigen Gefangenschaft in Frankreich keine guten Erfahrungen mit den Juden dort gemacht. Diesem Zusammengehörigkeitsgefühl, von dem so viel gesprochen wird und das meiner Ansicht nach trotz aller Ausschaltungsbemühungen da ist, haben die französischen Juden, mit denen ich zu tun hatte, oder von denen mir erzählt wurde, schmählich ins Gesicht geschlagen. Wenn mir jemand wohlwill, wenn ich irgendwo Kredit habe, wenn ich weiß, der oder jener wird mir Wohltaten erweisen, wenn ich antippe, — so ist das ein sehr erfreuliches Gefühl. Bin ich ein anständiger Kerl, dann nütze ich diese Freundschaft natürlich nur dann aus, wenn ich es dringend nötig habe. In Frankreich waren wir in dieser Zwangslage. Es ist hier nicht der Platz, die Leiden der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich zu schildern. Trotzdem will ich auch hier einige Sätze über unsere Kriegsgefangenschaft niederlegen. Sie sind nötig; denn nur wer den ganzen Jammer unserer Leiden kennt, vermag unsere Empörung über die Lieblosigkeit und die Charakterlosigkeit der Juden zu verstehen, mit denen wir zu tun hatten. Die deutschen Kriegsgefangenen waren keine Menschen. Chauvinismus hatten in Frankreich den Haß gegen Deutschland derart geschürt, daß der Boche dem kleinen Mann schon vor dem Krieg der Ausbund der Grausamkeit erschien. Nun kam der Krieg: Der Barbar stand im Land, er plünderte, sengte, mordete. Die Presse übertrieb maßlos. Die Wut, der Ekel, der Haß stiegen ins Unermeßliche. Die mentalite des Franzosen ist anders als die des Deutschen. Die Wut, der Ekel, der Haß richteten sich gegen die Kriegsgefangenen. Man schikanierte und mißhandelte

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