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Das jüdische Echo · 1920-06-11 · 24 (11.6.1920) · p. Seite 273

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
24 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
Seite 273 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 273 Oberratssitze zu besetzen hat. Anstelle des zurückgetretenen Oberrats, unter dessen weltlichen Mitgliedern sich nur ein Orthodoxer und sonst lauter liberale Herren befunden hatten, wurde ein neuer 8gliedriger Oberrat gewählt 4 Sitze erhielten die Liberalen, die 4 anderen wurden durch die vereinigten Konservativen und Zionisten besetzt. Auf Vorschlag der Zionisten wurden die Gesinnungsgenossen Dr. Moses (Mannheim), das langjährige Mitglied des Zentralkomitees der Z.V. f.D., sowie R.-A. Dr. Pfälzer (Weinheim), ein besonders bewährter Kenner der badisch-jüdischen Rechtsverhältnisse, zu Oberräten gewählt. Geheimrat Mayer, der 37 Jahre lang das einflußreichste Mitglied des Oberrats gewesen war, ist aus dem Oberrat ausgeschieden. Er wurde in der Schlußsitzung der Synode wegen seiner großen und bleibenden Verdienste um die badische Judenheit sehr gefeiert. Im übrigen befaßte sich die Synode mit einer neuen Wahlordnung, die das Wahlrecht auf Frauen und Jugendliche ausdehnt — das aktive und passive Wahlrecht steht auch jedem ausländischen Juden, der seit 3 Jahren ansässig ist, zu — und beschloß vor allem eine großzügige Aufbesserung der Gehaltsverhältnisse für Lehrer. — Die Synode bedeutet einen gewaltigen Fortschritt, da die badische Judenorganisation, welche schon bisher vorbildlich und einzigartig in Deutschland gewesen ist, nunmehr endgültig zu einer freien und selbständigen Organisation ausgebaut ist. Landfremde Elementarsätze 1. Abstammungslehre. Wir stammen Alle von landfremden Elementen ab. Unsere ältesten Ahnen lebten nämlich im Wasser. Aber das ist schon so lange her, daß sich nur noch der Embryo daran erinnert. 2. Tierpsychologie. Es ist das unvermeidliche Schicksal aller Amphibien, daß sie sowohl von Landwie von Wassertieren als Fremdlinge betrachtet werden. Allein ein vernünftiges Tier läßt sich durch die Vorurteile seiner Mitkreaturen die Lebensfreude nicht rauben. 3. Amerikanischer Nationalismus. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika besteht, wenn man von den Indianern absieht, aus lauter landfremden Elementen. Dennoch gibt es — namentlich unter den weißen Amerikanern englischer Abstammung — zahlreiche Nationalisten. Diese schauen von der eingebildeten Höhe ihres Amerikanertums nicht nur auf alle farbigen Leute (die zum Teil lange vor ihnen im Land waren) verächtlich herunter, sondern komischer Weise auch auf ihre eigenen europäischen Verwandten, die sie in jedem Sinn des Wortes als zurückgeblieben betrachten. Dieses Beispiel macht besonders deutlich, daß den Kern des völkischen Größenwahns nicht ein bestimmtes Rassenbewußtsein, sondern die jeder menschlichen Herde eigentümliche Neigung zur Selbstvergötterung ausmacht. 4. Wittelsbachische Tradition. Der fürstliche Absolutismus der Vergangenheit kannte keine Scheu vor Überfremdung. Infolge dieser Denkungsweise, von der auch die Wittelsbacher angekränkelt waren, ist sogar die bayerische Heimatkunst nicht frei von landfremden Elementen. Übrigens nicht zu ihrem Schaden. Insbesondere der Stadt München ist es sehr zu statten gekommen, daß die Cuwillie’s und Zuccali’s, die Albani’s und Canaletto’s unter aufgeklärten Despoten gelebt haben. 5. Denunziation. Die Regierung Kahr-Pöhner wünscht, daß man ihr bei der Säuberung Bayerns von landfremden Elementen mit Anzeigen zur Hand geht. Es ist darum verwunderlich, daß sie bisher noch niemand auf die Kartoffel aufmerksam gemacht hat. Diese ist nicht nur landfremd, sondern ihr Geist wirkt unbestreitbar volksvergiftend und macht obendrein dem heimischen Bier Konkurrenz. 6. Frage. Welches landfremde Element war für Deutschland verhängnisvoller, jenes, das die Zukunft auf dem Wasser suchte, oder jenes, das seine Landfremdheit von jeher mit Wasserscheue verband? Aus der jüdischen Welt Deutschland. Das Programm des XVI. Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der am 20. (abends), 21., 22., 23. und 24. Juni 1920 in Berlin stattfindet, ist folgendes: Sonntag (abends): Eröffnungsrede: Dr. Alfred Klee, Begrüßungen. Wahl des Büros. Rechenschaftsbericht des Geschäftsführenden Ausschusses, erstattet vom Vorsitzenden Dr. Alfred Klee. Aussprache. Montag: Bericht des Wahlprüfungsausschusses. Fragen der Zionistischen Gesamtpolitik. Ref.: Richard Lichtheim (äußere Fragen). Julius Berger (innere Fragen). Aussprache. D i e n s t a g : Palästina-Arbeit: 1. Der Aufbau Palästinas. Ref.: Dr. S. Soskin, Haag; 2. Berufliche Vorbildung für Palästina. Ref.: Dr. Walther Moses. Aussprache. Mittwoch: Zionistische Arbeit in Deutschland. Ref.: Kurt Blumenfeld. Unterreferate: 1. Unsere Gemeindepolitik (Dr. W. Victor-Hamburg). 2. Soziale Volksarbeit (Dr. S. Moses-Berlin). 3. Jüdische Bildungsaufgaben (Studienrat M. Calvary). Aussprache. Donnerstag: Fortsetzung der Aussprache. Decharge. Wahlen. Palästina. Herbert Samuels Mission. Sir Herbert Samuel wird sich am 20. Juni nach Palästina zur Übernahme des Amtes des Oberkommissars begeben. (Eine amtliche Bestätigung der Nachricht 'liegt nicht vor.) Tschechoslowakei. Der zweite Kongreß der tschechoslowakischen Juden. Der jüdische Nationalrat für die Tschechoslowakei hat für den 14. und 15. Juni den zweiten Kongreß der tschechoslowakischen Judenschaft einberufen. Der erste Kongreß fand am 4.—6. Januar 1919 in Prag statt. Er war die erste Willenskundgebung des tschechoslowakischen Judentums nach der Revolution und stellte die Forderungen auf, die dann vom Nationalrat formuliert und der Regierung unterbreitet wurden. Der zweite Kongreß erhält eine besondere Bedeutung durch die inzwischen erfolgte Anerkennung der jüdischen Nationalität durch die Verfassung der tschechoslowakischen Republik. Dieser Kongreß wird daher die Aufgabe haben, die Konstituierung der jüdischen Minorität im Staate vorzunehmen und an die aus dem Minoritätsschutzvertrag sich ergebenden Aufgaben heranzugehen, sowie den jüdischen Nationalrat zu reorganisieren.

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