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Das jüdische Echo · 1920-06-04 · 23 (4.6.1920) · p. Seite 265

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
23 (4.6.1920)
Date
1920-06-04
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 265 schiene! Materialisten und Zyniker“. Geschiffener Stil, geistreiche Apercus, sogar gefährlich geistreiche aber leider barer Nonsens. Dieser Geist, der zwischen Irdischem und Überirdischem schwebt, nach dem einen sich sehnt und von dem anderen nicht Hassen kann, so dlaß schließlich seine Stätte weder hier noch dort sein kann — dieser Geist der Balancelosigkeit scheint eine unmittelbare Folge einer kapitalistischen, zivilisationsreichen und kulturarmen Zeit zu sein. Man kann diesen Geist auch ..jüdisch“ nennen, wenn man will, aber doch nur in dem Sinne, wie man den deutschen Geist als militaristisch, den englischen als krämerhaft, den russischen als apostelhaft oft teils boshaft, teils übertreibend bezeichnen hört. Pannwitz schreibt weiter: „es köhnten einmal die Juden sich entjudten, d. h. ihres Eckels überdrüssig werden . . .“ Wenn entjuden die Balance wiederfinden heißt, so heißt Jude sein ihrer ermangeln. Es scheint Herrn Pannwitz unbekannt zu sein, daß die Juden sich noch vor drei Generationen in ihrer Mehrzahl einer Herzenssicherheit erfreuten, die oft an Fanatismus grenzte und daß dies bei vielen Juden im Osten noch heute der Fall ist. Da er diese grundlegenden Tatsachen nicht kennt, kommt er zu der merkwürdigen Charakteristik: „Zionismus ist Romantik, Völlksreligion, Mystik“, das Assimilationsbestreben der Antizionisten ist „klassisch — imperia'li — sozial, realpolitisch, kultursythetisch“. So allgemein und. dürftig diese Charakteristik ist, sie ist nicht allgemein genug, um zu verbergen, daß die Erfahrung des Verfassers in jüdischen Dingen nicht sehr weit reicht. Der Zionismus ist nicht Mystik, sondern erstrebt eine politische Heimstätte für politisch Heimatlose, und die Assimilation ist nicht kultursynthetisch, denn sie gibt sich ganz den europäischen usw. Kulturen hin ohne alle Reservate, und es ist ihr ganzes Streben. alles auszulöschen, was noch1 irgend wie mit diesen Kulturen „synthesiert“ werden könnte. Warum soll aber nicht Herr Pannwitz denken und schreiben dürfen, wa's er will? Warum ereifern wir uns wider ihn? Nur aus dem einen Grunde, bei den meisten Christen wenigstens glaubten wir bislang erwarten zu dürfen, daß sie, was viele Juden verloren haben, einen natürlich richtigen Begriff von der Judenheit bewahrt hätten: als einer Volksgemeinschaft von Blut, Fleisch und Knochen. Die Juden aber lesen den „Neuen Merkur“ — wer liest ihn denn sonst — und fühlen sich höchlich befriedigt, daß ein geistreicher christlicher Autor sie aus ihrer jüdischen Verkommenheit auf ruft in Worten, die zu hübsch sind, um sie nicht zu interessieren und zu allgemein um sie zu etwas zu verpflichten. Nur für diese gewiß „abglitschiende“ Spielart jüdischen Literatentums ist dieser Pannwitz’sche Artikel von sachlichem Interesse. Aber ebenso ist das Bild des jüdischen Wesens, wie es P. schildert ein getreues Konterfei eben dieser glitschigen tragikomischen Gesellschaft, und es bleibt nur verwunderlich, daß man den Geist dieses an' Zahl beschränkten und ernstliche Geltung nur in sich selbst findenden Kreises als den Geist des jüdischen Volkes ansehen kann. rst. „Der Jude“, eine Monatsschrift, herausgegeben von Martin Bub er. Jüdischer Verlag, Berlin. Das erste Heft des 5. Jahrganges ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Martin Buber: In später Stunde. Michael Jizchaki: Der 24. April. Theodor Herzls Verhandlungen mit dem türkischen Sultan (Ein Brief an Dr. 0. Kokesch und ein ausführlicher Geheimbericht an das Zionistische Aktionskomitee). Max Brod: Heidentum, Christentum, Judentum. Moritz Bileski: Das Kompromiß des deutschen Judentums. Gustav Mayer: Ferdinand Lassalle und die jüdische Reformbewegung (mit einem bisher unveröffentlichten Brief des 18jährigen Lassalle über die Reformierung des Judentums). S. J. Agnon: Die Geschichte des Rabbi Gadiel dem Kinde. Robert Weltsch: Die Prager Konferenz. Josef Sprinzak: Trumpeldor. — Umschau: Siegmund Kaznelson: Politik (Politische Chronik. — Staat und Nation). Nächum Goldmann: Zionismus und nationale Bewegung. Adolf Böhm: Kolonisation. Elias Auerbach: Ra'ssenkunde. Ellas Hurwicz: Völkerpsychologie. Erwin Kohn: Jüdisches Gewerbe in Wien. —■ Presserundschau. Das Einzelheft Mk. 5.50. Kc 6.50, Kö und polnische M. 14.—. Gemeindenu. Vereins-Echo Stuttgart. Vor einer großen Versammlung sprachen hier am 29. April Herr Dr. Wollstein aus Berlin und Herr K. Glaser aus Nürnberg. Beide Referenten bemühten sich den Zuhörern den großen Wert der Ereignisse in San-Remo klar zu machen. Ihren interessanten Ausführungen zollte die Versammlung großen Applaus. Bei dieser Gelegenheit wurden für den Landfond Zeichnungen von M. 24000, darunter eine Zeichnung von M. 10000 einer sehr angesehenen Persönlichkeit aufgebracht. Bamberg. Am 18. Mai sprach im jüdischen Jugendverein vor zahlreicher Zuhörerschaft Herr Dr. Wollstein aus Berlin über den Aufbau Palästinas und erntete für seine sachlichen und doch packenden Ausführungen reichlichen Beifall. Die am nächsten Tage durch Herrn Dr. Wollstein eingeleitete Sammlung für den Landfonds ergab ausgezeichnete Sammlungsresultate. Die Sammlung wird bei allen hiesigen Gemeindemitgliedern fortgesetzt und verspricht einen glänzenden Erfolg. Bar Kochba, München. Sportabteilung. Bei den nationalen Wettkämpfen des Turn- und Sportvereins Sendling erzielten wir folgende beachtenswerte Erfolge: Große Olympische Damenstaffel (400 m, 100 m, 100 m, 200 m) durch Landmann, ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT FÜR KUNST UND LEBEN MÜNCHNER VIERTELJAHR'PREl ry(l3M/Ar/HrM jZDMQ; EINZELNUMMER 1MR80 VERLAG DER»JUGEND'/"!ONCHENi

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