Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 23 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Das Jüdische Echo Nr. 23 wenn sie mit „bodenständiger“ Derbbeit auf „landfremdle Elemente“ lospauken. Echt plattdeutsch ist z. B. der bajuwarische „Witz“ des Rektors aller Kleindeutschen von den Juden, „die Bierfässer an den Füßen haben“ und welche die Arbeit scheuen, „wie die Wanze das Z a c h e r 1 i n.“ Wie sagt doch der vortreffliche »Enspektor Bräsig“ in Reuters „Ut mine Stromtid“? — „hie große Armut in der Stadt kommt von der großen Poverteh her“. Auchdie geistige! — 4. Jiddisch. Jiddisch ist gut deutsch und gut jüdisch. Das Deutsch von Dietrich Eckart ist anders. Klingt aber nicht besser. Miutet der jiddische Jargon deutsch-völkische Ohren an wie „ein zischender, schrillender, summsender und murksender Lautausdruck“, so wirkt der antisemitische auf empfindlichere Ohren wie „tönend Erz und klingende Schelle.“ Das Jiddische ist ein abgestorbenes Deutsch des Mittelalters, in jüdischem Spiritus aufbewahrt. Kein Wunder, daß es dem heutigen Geschmack zuwider ist. Für Alldeutsche enthält es zuviel, was an den Propheten Jessajas, für Ostjuden zuviel, was an Walther von von der Vogelweide erinnert. Deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens klingt sowohl das Deutsche wie das Jüdische darin fremd vorm Ohr. Alle finden: es ist eine häßliche Sprache. Sie ist auch wirklich — mindestens nach landläufigen Begriffen — nicht schön. So wenig wie die Menschen es sind, die sie sprechen. Aber kann die Sprache eines Volkes schön sein, dessen Schicksal seit Jahrtausenden ist, aus jeder Heima't vertrieben zu werden? Können Menschen schön sein, die in ständiger Angst leben, heute, dem Henker, morgen, dem Hunger ausgeliefert zu werden? Ein in fremde Lumpen gehüllter Bettler ist immer ein unerfreulicher Anblick. Selbst wenn er glaubhaft versichern kann, er sei jeder Zoll ein König. — Es gab eine Zeit — aber wer denkt heute noch daran? — da waren Hochdeutsche, die sich im Jiddischen und Jidden, die sich im Hochdeutschen versuchten. Zu selbiger Zeit begab sichs, daß ein jiddischer Dichter ein hohes Lied auf Wilhelm II. anstimmte und eines der gelesensten plattdeutschen Organe mit ihm mauschelte: „Hoch der K e j s e r!“ Das war damals, als selbst ein preußischer General, der den verheißenden Namen „Morgen“ trug, im reinsten Jiddisch einen beweglichen Aufruf erließ: „Z u die Jidden in Paulen!“ literarisches Echo „Die Krisis des iüdischen Volkes“. Das Februarheft des „Neuen Merkur“ enthält unter den Miszellen einige Bemerkungen von Rudolf Pahnwitz über „Die Krisis des, jüdischen Volks“, und es lohnt sich, sich mit diesem Artikel kritisch auseinanderzusetzen. Was steht in diesem Artikelchen? Alles. Wie bringt man das auf zwei Seiten fertig? Sehr einfach: Man fängt z. B. an: „Diese Revolution ist die Krisis des jüdischenVolks“. So hat man in dem einzigen Sätzchen zu den hauptsächlichsten politischen Problemen Stellung genommen und zugleich andere Fragen wirtschaftlicher und kultureller Art gestreift. In welcher Weise wird nun aber hier Steilung genommen? Nun, das zeigt der nächste Satz: „Das beschämendste für die anderen Völker und auch vorzüglich für die Deutschen ist also, daß eigentlich diese ganze Krisis sie viel weniger angeht, als die Juden“. Wenn man das liest, muß man sich wundern. Wir allerdings haben bisher in der Unschuld unseres Herzens in der Revolution eine Krisis nicht des jüdischen, sondern der deutschen bezw. der anderen unmittelbar betroffenen Völker gesehen. Weiter aber hören wir: „Diese Revolution ist die Revolution des iüdischen Geldes und des jüdischen Geistes, nachdem beide ihrer Leidenschaft bis ins Extrem sich überlassen haben, gleichgültig übrigens wieviel körperlich nachweisbare Juden daran beteiligt waren.“ W-ir beginnen zu verstehen: Der Verfasser meint gar nicht so sehr „die körperlich nachweisbaren Juden“ als „das Jüdische“. Aber weshalb nennt er das „das Jüdische“ (er sagt aber: die Juden), wo er doch selbst fortfährt: „daß Juden und Deutsche einander in letzten Mischungssehemismen (!) nur allzu verwandt sind“? Könnte er da nicht ebenso gut für das Jüdische das Deutsche, d. h. für die Juden die Deutschen einsetzen, wodurch man zu der einfachen, aber trotzdem richtigen Folgerung gelangte, daß „diese Revolution die Krisis des deutschen Volkes ist“? Die Besonderheiten dieses jüdischen Wesens werden uns im weiteren Verlaufe expliziert, wiederum mehr geistreich, als richtig. Die Juden „haben gegen alles einzelne eine Distanz des Nichterlebenkönnens, und da sie nun gleichzeitig doch nicht wie die Inder großartig resignieren oder transzendieren können, werden sie ein unsauberes und gefährliches Gemenge von halborientaHschen Sinnlichkeiten und halborientalischen Übersinnlichkeiten, fühlen sich eingeklemmt und unsicher und werden schließlich aus Banlancelosigkeit abglit- FORZEEEA.N-NIE»ERI,A.€JE MÜNCHEN THE ATI N ERSTRASSE t3 gegenüber der Feldherrnhalle GRÖSSTE AUSWAHL IN GEBRAUCHSPORZELLAN TÄGLICHE LAGEREKGAN ZUNG