Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 23 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- Seite 260 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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260 Das Jüdische Echo Nr. 23 beutel geschwungen, — so ist das Buch hinreichend als das gekennzeichnet, was es ist: als ein politischer Schundroman! Das alles ist bekannt, und einer von denen, die diese Dinge am besten wissen, ist sicherlich Graf Ernst Reventlow. Er weiß ganz genau, daß die „Weisen von Zion“ nicht für Menschen geschrieben sind, die ihre fünf Sinne beieinander haben und auch nur über die durchschnittliche Dosis gesunder Urteilskraft verfügen. Man könnte vielleicht die „Weisen“ von Zion“ samt Herausgeber, Verleger und Gemeinde der Gläubigen auf sich beruhen lassen, wenn dem Grafen Reventlow dieses Dokument geistiger Degeneration nicht gerade gut genug und seine „Deutsche Tageszeitung“ anscheinend gerade schlecht genug wäre, um sich mit den „Weisen von Zion“ in einer Art zu beschäftigen, die nur dem möglich ist, bei dem das Gewissen sehr weit und das Gefühl für die Würde der eigenen Persönlichkeit sehr gering ist. Denn, um es ohne Beschönigung herauszusagen: Graf Reventlow ist der Idiot nicht, der er sein müßte, wenn man ihm für seinen Artikel „Pax Judaeica“ in der „Deutschen Tageszeitung“ vom 17. ds. Mts. die bona fides zuerkennen dürfte. Dieser Artikel täuscht vor, daß der Verfasser an all die deutschen, englischen und russischen „Weisen von Zion“ und ihre „Geheimnisse“ glaube. Er gibt vor, daran zu glauben, daß der 1. Zionistenkongreß, dessen Entstehungsgeschichte und Verlauf in allen ihren Phasen sich unter der Kontrolle und Kritik der weitesten Öffentlichkeit vollzogen hat, nur „Theater“ gewesen sei und daß in Wahrheit die „Ältesten von Zion“ in Basel ein Weltkomplott beraten hätten. Graf Reventlow ist ein bei allem Temperament nüchterner, intelligenter und scharfdenkender Gegner, dem weder Freund noch Feind Trottelhaftigkeit nachsagen werden. Spielt er einmal in der Politik den dummen August, so weiß er, für welches Parterre dieses Komödiantentum bestimmt ist und erhofft sich von ihm den entsprechenden Erfolg. Im Dämmern seiner Redaktionsstube lacht er der Dummen, die nicht alle werden, und unter den Lesern der „Deutschen Tageszeitung“ schon gar nicht. Erklärung. Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland veröffentlichte folgende Erklärung in der deutschen Tagespresse: Die „Deutsche Tageszeitung“ (Morgenausgabe des 17. Mai) veröffentlicht einen von Graf Reventlow gezeichneten Leitartikel „Pax Judaeica“. Dieser Artikel knüpft an das Buch „Die Geheimnisse der Weisen von Zion“ an, dessen wichtigste Behauptungen er sich zu eigen macht. Außerdem wird auf einen Artikel der „Times“ Bezug genommen, der auf der englischen Ausgabe dieses Buches fußt, ln diesem Buch werden vierundzwanzig angebliche Sitzungsberichte vom 1. Zionistenkongreß veröffentlicht, der 1897 zu Basel abgehalten wurde, und der das Programm zur Erlangung der öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina proklamierte. Bewiesen soll durch diesen Bericht werden, daß hier in Geheimsitzungen über die Methoden beraten wurde, mit denen die „jüdische Weltherrschaft“ errichtet werden könnte. Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland stellt hierdurch in seiner Eigenschaft als bevollmächtigter Vertreter der deutschen Landsmannschaft der allweltlichen zionistischen Organisation folgendes fest: Die Angaben des Buches „Die Geheimnisse der Weisen von Zion“ und seiner englischen Ausgabe sind von Anfang bis Ende freie Erfindung und tendenziöse Lüge und das Ganze das Werk eines russischen Regierungsspitzels aus den Kreisen jder berüchtigten Ochrana. Die gesamten Verhandlungen des ersten Zionistenkongresses sowohl wie der folgenden zehn Kongreßtagungen sind in den stenographischen Protokollen enthalten, die in sehr hoher Auflage in den Buchhandel und in die gesamte Öffentlichkeit gelangt sind. Die Beratungen der Kongresse haben stets lediglich den Fragen der Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina und der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes in der Diaspora gedient. Das Phantom von der Errichtung einer jüdischen Weltherrschaft hat stets nur in den Köpfen einiger Antisemiten gespukt, niemals aber haben offizielle oder inoffizielle Beratungen irgend einer zionistischen Gruppe oder der Gesamtorganisation diesem phantastischen und irrsinnigen Plane gedient. Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erhebt schärfsten Einspruch dagegen, daß ein großes Berliner Blatt Angaben, die den Stempel der Erfindung und der böswilligsten Judenhetze tragen, in seinen Spalten verbreitet und damit die öffentliche Diskussion der Judenfrage in unverantwortlicher Weise in Wege lenkt, die wohl den Gepflogenheiten mittelalterlicher Dunkelmänner entsprechen, nicht aber denen von deutschen politischen Journalisten, die den Anspruch darauf erheben, in der Öffentlichkeit ernst genommen zu werden. Obstzucht und Getreidebau in Palästina Von Nathan Chavkin, München. Dieser Auszug aus einer im Jahre 1918 in der „Vegetarischen Warte“ (Nr. 14—16, 1918) erschienenen längeren Abhandlung über „Zionismus und Vegetarismus“ gewinnt durch die von Dr. Soskin ins Leben gerufene Bewegung für die Schaffung gärtnerischer Kleinsiedelungen in Palästina besonderes Interesse. Wir verweisen unsere Leser auf die Ausführungen des Verfassers in Nr. 3 u. 4 der „Mitteilungen des Daniel-Bundes“ (Gjeischäftsstelle München, Bergmannstr. 7/4), sowie auf den Artikel „Die Grundlagen einer vegetarischen Siedeiang in Palästina“ in der „Lebenskunst“ (Mai 19201. Die Red. Namhafte Naturforscher, wie Wilhelm Bölsche u. a. sind der Meinung, daß die bei. einigen Völkern übereinstimmende Sage vom ursprünglichen paradiesischen Zustande des menschlichen Stammvaters den entwicklungsgeschichtlichen Tatsachen entspricht, daß der Mensch sich in solchen Gegenden und zu solchen Zeiten herausgebildet hatte, da er von detr Natur reichlich mit vegetabilischer Nahrung versorgt und keinen harten Kämpfen mit wilden Tieren ausgesetzt ward. Besonders wird darauf hingewiesen, daß der Mensch keine rudimentären Organe besitzt, die ihm früher zu diesem Kampf als natürliche Waffen, wie Hörner, Stoßzähne und dergl. dienen konnten. Demnach mußte die Wiege des Urmenschen, der noch den Boden für Nahrungszwecke nicht zu kultivieren verstand, in einem paradiesischen