Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 23 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 23 4. Juni 1920 7. Jahrgang Die Internationale des Blödsinns *) Wenn ein junger Schauspieler zum ersten Male die — an sich dankbare — Rolle eines geistig nicht ganz Zurechnungsfähigen spielen soll, so pflegt er sich dagegen zu sträuben. Der gesunde Instinkt, der im Vollbesitz der geistigen Kräfte ein Glück sieht, das man auch zum Schein nicht aufgeben soll, läßt eine gefühlsmäßige Hemmung entstehen, über die mancher nur nach langem Zögern hinwegkommt. Graf Ernst Reventlow, Chefredakteur der „Deutschen Tageszeitung“, ist kein junger Komödiant, sondern ein alter Politiker. Es kostet ihn anscheinend gar keine Überwindung, vor aller Welt und vor sich selbst die Rolle eines geistig hoffnungslos Heruntergekommenen zu spielen. Ein Fall, der in der deutschen Journalistik wohl seinesgleichen nicht hat und der schon aus diesem Grunde bemerkenswert ist. Es hat daher auch nicht an Äußerungen gemangelt, die diesem Komctdianten der Feder bezeugt haben, daß er seine Rolle zwar sehr gut spiele, immerhin aber doch nicht so überzeugend, daß man nicht hinter ihr nach den Motiven suchen sollte, die allein eine solche Selbstschändung erklären könnten. Wir sind genötigt, der Perversität des Grafen Reventlow einige Aufmerksamkeit zu widmen, weil die zionistische Bewegung in der von ihm sich selbst auf den Leib geschriebenen Rolle eine Art Requisit darstellt. Der Sachverhalt ist den meisten unserer Leser aus der Tagespresse bekannt, sei hier aber nochmals kurz wiederholt. Im Verlag des „Vereins gegen die Überhebung des Judentums“ erschien vor kurzem ein Buch: „Die Geheimnisse der Weisen von Zion“, herausgegeben von Gotfried zur Beek. „Den Fürsten Europas gewidmet“, enthält es zum weitaus größten Teil nicht etwa die sensationellen „Geheimnisse“, sondern, — auf 181 von 256 Seiten —, den sattsam bekannten antisemitischen Unsinn, den Fritsch und Konsorten im „Hammer“ und in anderen Zeitschriften zum Besten gegeben haben. Wer also das Buch für teures Geld ersteht, weil er hinter die jüdischen „Mysterien“ zu gelangen hofft, fühlt sich einigermaßen geneppt. Das ganze Buch schreit nach dem Psychiater als nach dem allein zuständigen Kritiker, es ist eine einzige Freudsche Leistung. Was in ihm enthüllt wird, sind allein die seelischen Dessous der Antisemiten. Fünfundsiebzig Seiten tragen den Titel: „Aus den Verhandlungsberichten der ,Weisen von Zion‘ auf dem 1. Zionisten-Kongreß, der 1897 in Basel abgehalten wurde“. Es sind nicht etwa vollständige Protokolle mit Nennung der Redner und wörtlicher Wiedergabe ihrer Ausführungen, sondern jeder dieser sogenannten Sitzungsberichte enthält unter einer Reihe schlagwor+artiger Überschriften kurze Sentenzen. Solche Überschriften lauten z. B.: Das Recht liegt in der Macht. — Das Gold. Der Gottesglaube. Die Selbstverwaltung. — *) Auszug aus einem besonders beachtenswerten Aufsatz in der Jüd. Rundschau. Die Unüberwindlichkeiit der jüdischen Freimaurerschaft. — Weingeist, Humanismus, Laster. —• Der König aus dem Blute Zion. — Der Schutz des Judenkönigs. — Die Nichtjuden sind Hammel. — Die Untergrundbahnen der Großstädte. in ihrer Gesamtheit stellen alle diese Sentenzen, die fast immer ohne erkennbares System aneinandergereiht sind, sehr allgemein gehaltene Anweisungen zur Erlangung und Ausübung der „jüdischen Weltherrschaft“ dar. Was mit solchen Plänen „die Untergrundbahnen der Großstädte“ zu tun haben, erscheint zunächst unerfindbar. Die Lösung des Rätsels enthebt uns jedes weiteren Eingehens auf den Inhalt der „Sitzungsberichte“, sie sei darum hierhergesetzt: „Sie könnten einwenden, daß die Nichtjuden voller Erbitterung mit den Waffen in der Hand über uns herfallen werden, sobald sie vor der Zeit entdecken, wie alles zusammenhängt. Für diesen Fall haben wir ein letztes furchtbares Mittel in der Hand, vor dem selbst die tapfersten Herzen erzittern sollen. Bald werden alle Hauptstädte der Welt von Stollen der Untergrundbahn durchzogen sein. Von diesen Stollen aus werden wir im Falle der Gefahr für uns die ganzen Städte mit den Staatsleitungen, Ämtern, Urkundensammlungen und den Nichtjudien mit ihrem Hab und Gut in die Luft sprengen.“ Das genügt, um jedem, der seine fünf Sinne hat, zu beweisen, daß die „Sitzungsberichte“ dem Hirn eines armen Geisteskranken entsprungen sind. Die Fabel über den Ursprung des Buches, die der Herausgeber uns glauben machen möchte, ist seinem Inhalt ebenbürtig. Danach waren die öffentlichen Sitzungen des ersten Zionistenkongresses nur Scheinmanöver, in Wahrheit hätten aber 24 Geheimsitzungen stattgefunden. Die russische Regierung ließ den Kongreß bespitzeln (der Agent ging aber merkwürdigerweise nicht nach Basel, sondern nach Frankfurt a. M.), die Protokolle wurden für eine Nacht entwendet, abgeschrieben, die Kopien nach Rußland gebracht und dort später von dem „gewissenhaften Gelehrten“ S. Nilus ins Russische übertragen. Später sind dann andere russische Ausgaben erschienen, und augenblicklich erheben das vorliegende deutsche Buch und ebenso eine englische Ausgabe, auf die selbst die „Times“ hereingefallen sein soll, den Anspruch, die „echten“ Protokolle des 1. Zionistenkongresses wiederzugeben. Wahr ist daran nur, daß die russische Ausgabe der „Geheimnisse“ Spitzelarbeit ist. d. h. von vorn bis hinten erlogen. Von der deutschen Ausgabe ist festgestellt, daß ihr Inhalt zum großen Teil die moderne Aufmachung von Auszügen aus einem Roman darstellt, der — 1860 in der „Kreuzzeitung“ erschien. Fügen wir noch hinzu, daß die „Freiheit“ den Nachweis erbracht hat, daß hinter der Veröffentlichung die ultrareaktionärsten preußischen Konservativen stehen, — Fürst Salm hat für die „Weisen“ mit Begeisterung bei Großagrariern und Schwerindustriellen den Klingel-.