Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 22 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Das Jüdische Echo Nr. 22 mädftigften, widftigften (Elemente unferer Beoöl* ferung bie 3uben waren, bie unter uns lebten unb uns bie geiffige EebenSanfcbauung ju gc* winnen. 2)ie nationale ^)eimftätte ber 3uben in ^3aläftina £hir<b bie (Erflärungcn ber Alliierten in 0an Bemo unb ben griebensoertrag mit ber ‘Sürfei ftnb enblid) bie rechtlichen ©runblagen formuliert worben, bie bereits b^te beftebenbe 0ieblung beS jnbifchen Golfes in <Paläftina ju einer .£>eimfiätte für bas gefamte Bolf auSjubauen, unter felbftoer* ftänblicber 3Babrung ber sollen ^ntereffen ber an* bern Bewohner beS EanbeS. £)er §übrer ber fto* niffifeben Bewegung, <Profeffor 3öei$mann, fyat ftch babin geäußert, baß bie (Einzelheiten beS ElttanbatS, sor allem bie Beteiligung ber 3uben an ber £an* besserwaltung, notb geregelt werben mufften. Alles übrige fei flar; bie (Einwanberung werbe son einer jubiftben .ßörperfebaft fontrolliert werben. (Es wür* ben feine (Einfcbränfungen bezüglich ber (Einwan* berung ber 3uben aus ehemalig feinblicben £än* bern gemacht werben. (Es fei beabftdftigt, bas EOfan* bat folange in ^raft bleiben ju laffen, bis bie Besölferung für bie Unabbängigfeit reif genug fein wirb. $)ie Besölferung *PaläftinaS werbe immer in ber £age fein, an ben Bölferbunb $u appellieren. £)aß bie Äußerungen 2Bei$mannS nicht einem unberechtigten Optimismus entspringen, beweift bie offiftöfe EOfelbung ber englifcben Regierung, baß 0ir Herbert @amuel, einer ber §üßrer ber fto* niftifeben Bewegung, wäbrenb beS Krieges ein Seit lang englifeber 0taatsfefretär, jum erffen Ober^ fommiffar son ^Paläfhna ernannt werben wirb. 3n* jwifeben haben in fpaläftina bie EGBaMen $ur ftbi* feben ^onftituante ftattgefunben, bie ben ünfen Parteien etwa brei Biertel ber EÜJlanbate gebracht haben. 2)eutfd)e Politik — Oßjubett... Bon Arnolb S^eig. 1. Am 17. Auguft 1898 berichtet ber alte §on* tane in einem Briefe aus ßarlsbab beiläufig, t?on einer Bemerfung <Profe|Tor EaffonS, ber ihm ,,mal jwifeben Berlin unb 0teglih fagte: ,ein wirf* liebes 3ntereffe für beutfebe Literatur b<U nur bie ^ari*(Emii*§ranJOS*@egenb., Ach, er bntte recht/1 febt ber dichter ber frftftfcbcn gelben unb märfi* fd>en (Ebelleute binju; unb als ich sor furjem im ‘Dejemberbeft ber „Beuen Bunbfcbau" biefe 0telle las, fielen mir rafcb bintereinanber bie jwei fleinen §afta ein, bie ich, ber Eefer fuebe fich ben Sufam* menbang, hierher ju feben gelaunt bin. (Einer ber begabteren Siebter neubebräifeßer *Profa erzählte mir einmal, bis *u feinem 12. 3abre habe er in feinem galijifeben 0täbtcben geglaubt, es werbe auf ber ganzen (Erbe nur beutfeb gefebrieben — gefpro* eben würben allerbuub 0pracben, gefebrieben unb gebrueft aber werbe son Bicbtjuben nur beutfeb, unb es bereitete ihm feine geringe (Erfcbütterung, als er erfuhr, eS gebe einen jübifeben 0cbriftfteller namens Sangwill, ber febreibe englifd). ®ieS bas eine ©efebidfteben. £)aS anbere fpielte in einer füb* beutfeben Uniserfität. £>ort fragte id) einen jungen ojftubifcben 0tubenten, ob er wiffe, baß auf einem griebbof ber 0tabt ftch bas ©rab $ölberlins be* finben müffe unb ob er mit mir fommen wolle, es aufjufueben; ber Sriebßof fei serwilbert unb bas @rab nicht gefennjeiebnet unb ungepflegt. £)er junge EOfann aber meinte, es fei je^t leicht ju finben, jwei feiner greunbe, bie ich wohl fannte, arme @a* lizier gleich hätten es vom EGBädfter beS Srieb* l>ofS ftch zeigen taffen unb unter Aufwenbung einigen ©elbes bafür geforgt, baß es in 0tanb gebracht unb gehalten werbe, wie es bern tragifeben ©enius ange* meffen fei, ber barin ruhe. Als ich il;n nach ben Bei* ben fragte, lächelte er ein biseben unb meinte, fie feien, als som näcbften 0emeffer an ausgewiefen, bereits abgereift. £>a nun bas woblerbaltene ©e* burtsbaus JpötberlinS, ben wir für ben einzigen, ©oetbe ebenbürtigen beutfeben ©eniuS fycdtm, in biefern 3abre son feinem Beßrer, einem febwäbi* feben EGBeingärtner, praftifeberweife abgebrochen war, um einer Kelter fptab $u machen, freute fi<b mein fentimentaleS ©emüte, baß nun wenigftenS biefeS ©rab, banf ber Eiebe zweier ©alijianer, be* merfbar bleiben wirb. 2. (Es erfebeint ftug, ben gemütlichen Tonfall ber Anefbote aufjugeben unb ftramm jum ^b^w* W febreiben, mit einleucbtenber £>eutticbfeit unb ohne hoppelten Boben — ju einem ^b^«ta, welches ber beutfeben <Politif angebört — ber äußeren, wie ber inneren. £>er äußeren? 0precben wir oon ißr. Alle Afte eines BolfStumS, bie über feine pofitifeben ©renjen binauswirfen, finb Afte ber äußeren <Po* litif. 0ie beeinffuffen entfebeibenb bas Bilb, bas ein Bolf oon außen gefeßen bietet, unb auf bas allein fich bas 2öerturteil ber EO'fitoölfer grünbet - biefeS moralifebe ^Pb^»t«en, über bas bie „SXe* atpotitifer" fich fo lange mofierten, als es fie nicht erfdftagen fyatU. X)ie ©efinnung ber Abenblänber gegen ein Bolf ihrer ©emeinfebaft iff eine E33irf* liebfeit erffen OfangeS; fo fällt jebes fpmptomati* febe ©efcbeben innerhalb eines 0taateS zugleid? mit Botwenbigfeit, als bem europäifeben Urteil un* terbreitet, in jene außenpolitifcbe 0pbäre. ECßebe, wenn man nun barauS fofort eine „praftifcb*poli* tifebe EDfarime" abteiten, bas feine inneren Afte nach bem (Einbrutf einridften wollte, ben fie nach außen machen. £)emt jebe mit bem 0dfteten nach jener öffentli^feit gefällte ^)anblung iff fo* fort eine vergebens getane ^)anblung. X)ie Offjuben finb eine in jebem 0inne praf* tifebe, fcbwäcbere ©emeinfebaft als bie beutfebe Be*