Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- 21 (21.5.1920)
- Date
- 1920-05-21
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Das Jüdische Echo Nr, 21 legt. Daher die vielen Diabetiker unter den heutigen Juden. Häufig wird es selbst kranken Juden verübelt, wenn sie Kurorte aufsuchen. Solange der Jude nicht tot ist, ist er für gewisse Rassenhygieniker viel zu gesund „Das war ein gesunder Körper, der ein 1 a ng e s Leben versprach“ — so1!)! Cromwell am Sarge Karls I. gesagt haben. 3. Läuse. Läuse sind kein jüdisches Rassenmerkmal. Wer das Gegenteil behauptet, tut sowohl den Juden wie den Läusen unrecht. Man weiß, daß es Juden gibt, die nie einer Entlausung bedurften und daß die Läuse ihren Blutdurst ebenso gerne an Nordpolacken, Südslawen und Westeuropäern wie an Ostjuden befriedigen. Diese Erkenntnis stellt eine der wenigen Kulturerrungenschaften des Krieges dar. Sogar Schriftleiter völkischer Witzblätter fangen allmählich an zu begreifen, daß man selber noch lange kein großes Tier ist, wenn man seinen lieben Nebenmenschen mit der kleineren Tierwelt verglichen hat. Aus der jüdischen Welt Deutschland. Die Berliner Zweigstelle der „Jüdisch-Palästin. Reise- und Transportgesellschaft m. b. H“, deren Geschäftsführer Herr Paul P. Lindenberg, Berlin SW. 61, Blücherstraße 23, ist, hat nunmehr ihre volle Tätigkeit auf genommen. Besonders die Gepäck- und Güterversicherung sowie kostenlose Auswandererberatung sind in den Wirkungskreis einbezogen worden. Neben dem Palästinaverkehr findet auch der Dienst innerhalb Deutschlands weitgehendste Berücksichtigung. Anfragen sind an obige Adresse zu senden. Eröffnung der jüdischen Grundschule in Berlin. Der jüdische Schulverein eröffnet gemeinschaftlich mit dem Verein Talmud Thora Kneseth Israel in Berlin am 20. April 1920 die jüdische Grundschule, die eine Vorschule der jüdischen Volksschule, des jüdischen Gymnasiums und der jüdischen Realschule ist. Eröffnet werden zunächst die ersten beiden Elementarklassen (Mädchen und Jungen) im Alter von 6—8 Jahren. Für die Aufnahme in die zweite Elementarklasse ist einjähriger Besuch einer deutschen Volks- und Vorschule, einer entsprechenden Privatschule oder der Nachweis der Kenntnisse, die dieser Klassenstufe entsprechen, erforderlich. Die Unterrichtssprachen in der Schule sind Deutsch und Hebräisch. Brasilien. Zionismus in Brasilien. Dank der Bemühungen des Major Eliezer Levy ist in Para im Oktober 1918 eine zionistische Gesellschaft unter dem Namen „Ahawath Zion“ gegründet worden, die bereits viele Mitglieder hat. Seit dem 8. Dezember 1918 wird eine Wochenschrift in portugiesischer Sprache unter dem Titel „Voz le Israel“ (Stimme Israels) herausgegeben. Herr Levy hat als Präsident des Jüdischen Hilfsvereins in Para auch eine Elementarschule für jüdische Kinder beiderlei Geschlechts gegründet, die er zu Ehren des zionistischen Führers „Gemischtes Externat Dr. Weizmann“ nannte. Der Einweihungsfeier am 15. November wohnten der Gouverneur der Provinz und eine große Anzahl Notabein bei. literarisches Echo Dr. S. E. Soskin. Kleinsiedelung und Bewässerung. Die neue Siedlungsform für Palästina*. Jüdischer Verlag, Berlin 1920. Das Büchlein, das in der Nationalfondsbibliothek erschienen ist, sei jedem, der am Aufbau Erez Jisroels Anteil nimmt, dringend empfohlen. Der Streit der Mjaximalisten und Minimalisten harrt noch der Entscheidung; die A. C.-Sitzung hat gezeigt, daß sich die Leitung langsam jenen zu nähern scheint, die eine schnelle, möglichst intensive Besiedlung Palästinas fordern und ais wichtigste Aufgabe der nächsten Zukunft die Erringung der Majorität im Lande verlangen. Dr. Soskin zeigt, daß dies möglich ist, da es Methoden gibt die eine so intensive Wirtschaftsweise zulassen, daß eine überraschend dichte Besiedlung Palästinas erreicht werden kann. Dr. Soskin führt Resultate an. zu denen man mit Hilfe der künstlichen Bewässerung in Ländern gelangt ist, die ihrem Klima nach viel ungünstiger dastehen als Palästina. Eine großartige künstliche Bewässerung in Verbindung mit dem hervorragenden Reichtum Palästinas an Sonnenlicht und Sonnenwärme wird1 imstande sein, einen großen Teil Palästinas in einen gewaltigen Obst- und Gemüsegarten zu verwandeln. Der Absatz der Produkte wird1 dabei durch eine genossenschaftliche Produzenten - Organisation bewerksteligt. Auch sonst soll für eine genossenschaftliche Zusammenfassung der Kolonisten und der Kolonien nach allen Richtungen hin gesorgt werden. Die Vorzüge, welche der Verfasser in seiner Siedlungsform sieht, sind folgende: 1. Der Bodenbedarf eines jeden Kolonisten wird auf das geringste Maß. etwa auf ein halbes Hektar, herabgemind'ert. 2. Der geringe Bodenbedarf führt zu einer bedeutenden Herabminderung der Ansiedlungskosten. 3. Die Zahl der Ansiedler kann auf ein Vielfaches der bis jetzt angenommenen Zahl gesteigert werden. 4. Die Arbeiterfrage wird eliminiert, da bei der Kleinheit der einzelnen Parzelle keine Verwendung fremder Kräfte nötig ist. 5. Die Überführung dler Juden aus den städtischen Berufen in die Landwirtschaft wird1 erleichtert da die gärtnerische Tätigkeit geringere Anforderungen an die physischen Leistungen stellt und der geistig individuellen Veranlagung größeren Spielraum gewährt. Dr. Soskin bespricht in dieser Schrift auch die technischen Einzelheiten der Anlegung einer Siedlung wie auch der einzuführenden Wirtschaftsweise. Er bringt auch dabei den Entwurf einer solchen Kolonie, die den Vorzug hat. auf einem relativ kleinen Raume (etwa* 300 ha) 500 Familien zu umfassen. Durch eine solche Bevölkerungsdichtigkeit werden die Kultus- und Gemeindekosten, die die Gemeindemitgliieder selbst zu tragen haben, auf eine der Leistungsfähigkeit der Siedler entsprechende Höhe herabgemindert. Die Wichtigkeit der von Dr. Soskin behandelten Probleme und die von ihm erwarteten Folgen seiner Siedlungsform sind von so eminenter Bedeutung für unsere Kolonisation, daß seine Schrift dem eingehenden Studium aller derer, die sich) für die Palästinakolonisation interessieren, nicht dringend genug empfohlen werden kann. Eine hebräische, englische und jüdische Ausgabe des Werkes befinden sich in Vorbereitung.