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Das jüdische Echo · 1920-05-14 · 20 (14.5.1920) · p. Seite 227

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
7 (1920)
Issue
20 (14.5.1920)
Date
1920-05-14
Page
Seite 227 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 227 Eine freundschaftliche Zusammenarbeit von Juden und Arabern ist unmöglich, wenn man weiß, daß es unter englischer Verwaltung möglichi ist, daß drei Tage lang Mord1 und Plünderung herrschen können, ohne daß Einhalt geboten wird. Die lokalen arabischen Pogromanführer ließen es ebenfalls zu und brüsteten sich öffentlich, daß sie von den Engländern unterstützt würden. Ich zweifle daran; aber es ist bedauerlich, daß ein solcher Eindruck erweckt werden konnte. Obgleich die Juden von den Ereignissen entsetzt sind, haben sie keine Spur von Furcht. Der Urteilsspruch über Jabotinski ist ungeheuerlich, Er ist bezeichnend' für den Rachedurst des Volkes. Er bedeutet einen Justizmord. Juristisch ist er schuldig, gewiß. Er organisierte die jüdische Selbstwehr in der Voraussicht von Ereignissen, die nach den Versicherungen der Engländer niemals eintreten würden. Jedenfalls ist es ungeheuerlich, über diesen Mann, der, wenn er überhaupt schuldig ist, sich nur des politischen Vergehens schuldig machte, Widerstand gegen eine Bedrückung zu organisieren, die die Behörden nicht abwehren konnten oder wollten, wie die Ereignisse gelehrt haben, dasselbe Urteil zu verhängen wie über zwei Araber, die der Vergewaltigung jüdischer Frauen schuldig befunden wurden. Es ist eine Verdrehung der britischen Justiz. Ich habe niemals den Glauben an die britische Regierung verloren. Ich habe immer empfunden, daß die Sicherheit im britischen Reich nicht durdb Bajonette, sondern durch Vertrauen gewährleistet wird. Die Ruhe in Palästina hergestellt Der A.-B.-Korrespondent der ..Neuen Züricher Zeitung“ schireibt seinem Blatt a*us Jaffa vom 17. April: Die Ruhe ist jetzt im ganzen Lande wieder hergestelllit. Offenbar auf Befehl aus London hin haben die hiesigen Behörden überall umfassende Sicherungsmaßregeln ergriffen. In allen Städten patrouillieren bewaffnete Gendarmen sowie britische und indische Reiterei und achten auf Ruhe und Ordnung. Am 16. April fand in Jaffa ein großes mohammedanisches Lokalfest statt, an dem eine sehr große Menschenmenge erwartet und daher Unruhen befürchtet worden wanm. Dank den Maßnahmen der Militärpolizei ist die Ruhe nirgends gestört worden. Man merkt außerdem auch in der Stimmung der Bevölkerung eine leichte Entspannung. Die Mflitärgouverneure haben sich überall verpflichten müssen, für die Sicherheit der Einwohner einzustehen, und sie tun dies mit Erfolg. Man erwartet im ganzen Lande mit großer Ungeduld die Berichte aus London, die für die Vorfälle in Jerusalem Genugtuung bringen sollen. Wie wir erfahren, hat in Alexandrien eine Massenkundgebung aus Teilnehmern aller Nationen stattgefunden, in der die Ereignisse in Jerusalem schärfstens verurteilt und die nötigen Sanktionen verfangt wurden. Ähnliche Demonstrationen sollen bereits auch in London und New-York abgehalten worden sein. Ungeachtet der unruhigen Zeiten werden in diesen Tagen die Wahlen für die jüdische Vertreterversammlung (einer Art Parlament im kleinen) mit besonderem Eifer durchgeführt. Die Vertreterversammlung wird sich nächstens in Jerusalem vereinigen. Ihre ersten Sitzungen werden der Besprechung der politischen Lage ‘ sowie der Ausarbeitung eines Arbeitsprogramms gewidmet sein. Jüdische Splitter 1. Toleranz. Als der „Oberjude“ Walter Rathenau in der Münchener „Republik“ las, daß Herrn Rudolf John Gorsleben darnach verlangt, ihn zur Warnung aller anderen Volksbeschwätzer am höchsten Laternenpfahl baumeln zu sehen, verfügte er nur: „Niedriger hängen!“ 2. Jahrestage. Der Jahrestag des Münchner Geiselmordes hat zu einer Auffrischung der Legende geführt, dieses Ereignis stelle einen jüdischen Racheakt gegen die antisemitische Thulegesellschaft dar. Die Legende ist sinnlos schon deshalb, weil unter den Opfern des Geiselmordes sich bekanntlich auch der Jude Professor Berger befand. Der Jahrestag des Münchner Gesellenmordes wurde weder gefeiert noch hat dieses Ereignis zu dem Gerücht Anlaß gegeben, die katholischen Gesellen seien dem Rachedurst der antisemitischen Thulegeselllschaft zum Opfer gefallen. Warum dieser Unterschied? Gleiches Unrecht für Alle! 3. Baron Moser. Der Kronzeuge für die Behauptung, jüdische Führer der Räterepublik seien an der Erschießung der Geiseln beteiligt gewesen, ist bekanntlich der „württembergische Kammerherr Freih. v. Moser“. Er hat sich inzwischen als geistesgestörter Hochstapler entpuppt. Allein dies tut seiner Glaubwürdigkeit bei gewissen Leuten keinen Eintrag. Blinde können nicht sehen, wer sie führt noch wohin sie geführt werden. Fanatiker wollen es nicht. 4. Gazetten. Wenn sich die Gazettenschreiber nicht zu genieren brauchen, darf man sich nicht wundern, wenn die Gazetten so ausfallen, daß man sich ihrer genieren muß. 5. Losung. Vor anderthalb Jahrhunderten predigte Rousseau: „Kehren wir zur Natur zurück!“ Heute müßte die Losung sein: „Kehren wir zur Kultur zurück!“ Literarisches Echo Druckfehler. In der vorigen Notiz: Fritz Gerlich, Der Kommunismus älis Lehre vom tausendjährigen Reich muß es S. 215, Zeile 30 von oben, selbstverständlich heißen: ....und so wird Gerlich. indem er das Wesen des Bolschewismus erforscht zu dessen wirksamstem B e kämpfer. Majer Balaban : Die Judenstadt von Lublin mit Zeichnungen von Karl Richard Hencker. Jüdischer Verlag. Berlin. Ein verdienstvolles Buch: in einer Zeit der Hetze gegen die angeblich „halbbarbarischen“ Ostjuden erinnert es an Epochen jüdischer Kullturhöhe in Polen, an jene Periode am Ausgange des Mittelalters, da bei leidlich gerechter Behandlung das polnische Judentum seine Kräfte regen und auf allen Gebieten beinahe überraschend Großes erreichen konnte. Das Lubliner Ghetto war in jenen Zeiten etwas wie die Hauptstadt der polnischen Juden: hier tagte die bekannte Vierländersynode, der „Judenreichstag“, der eine mit weitgehenden Rechten nach innen und aussen begabte jüdische Selbstverwaltung darstellte. Eine Judenschaft, die sich eine derartige Verfassung zu geben und sie zu wahren wußte, war gewiß kein schwächliches Ghettogewächs; ihre Angehörigen schlossen sich zu Kaufmannsgilden, zu Handwerkerzünften zusammen. die sich in zähem Kampfe gegen den Haß,

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